Maitressen bezahlt er gut , unser Tuch macht er schlecht . Aber im Grunde genommen , was geht ' s uns an ; wir haben Friede . Noch keinen Einfall ? « - » Doch - vielleicht . Bei ihm ist Hopfen und Malz verloren . Wie aber , wenn man sie eifersüchtig machte ! « - » Auf ihres Mannes kleine Liaisons ? Was hülfe uns das ? « - » Nein , auf den Rittmeister . Er sah neulich die neue Choristin mit dem Operngucker sehr eifrig an . Wenn es gelänge , sie aus ihrer Seelenruhe aufzustacheln ! Wenn sie außer sich geriethe , sich fortreißen ließe- « » Nun , was besinnen Sie sich ? « - » Es ist nur ein flüchtiger Einfall - schwierig , aber möglich ist Alles - wenn sie in ihrer Verzweiflung ihren Mann zu Hülfe zöge . « - » Ça serait le comble du ridicule . « - » Aber nichts Neues . Wie gesagt , Alles noch embryonisch dunkel , aber sie muß jetzt mit dem Rittmeister aneinander . Das ist mir klar ; es giebt kein ander Mittel . « - » Wenn es nur zum Rechten führt . « - » Dafür lassen Sie mich sorgen . « - » Wohin so eilig ? « - » Zur armen Geheimräthin ! Ach , eine Unglückliche ! Die bedarf des Trostes . « » Bleiben Sie mir mit der vom Leibe . Ich kriege Bauchgrimmen , wenn sie mich lange ansieht . « - » Das ist eine unglückliche Frau ! Nun auch das zweite Kind ! « - » Es waren doch rebutante Geschöpfe . Sie kann es unmöglich lieb gehabt haben . « - » Der Idealismus weiß von einer Liebe , die gerade das ihm Unangenehme mit zärtlichen Armen umfasst , einer Liebe , die ihre ganze Innigkeit und Wärme ausströmt auf die Subjekte , welche es am wenigsten empfinden und , statt es zu erwidern , mit Undank belohnen , eine Liebe , die sich gefällt , immer zu geben und zu opfern , ohne wieder zu nehmen , ja , die ihre höchste Befriedigung in der Empfindung sucht , von Verkennung und Undank heimgesucht zu sein . « » Das ist nicht unsere Sorte von Liebe ; nicht wahr , Wandel ? « » Die Welt ist mannigfalt . Bewundern darf man doch die Märtyrer , auch wenn man sich nicht berufen fühlt , ihnen nachzufolgen . « - » Par distance ! - Warum nahm sie aber die Kinder zu sich ! « » Warum ! - Warum nahm sie ihren Mann ? Sie hat den Geheimrath nie geliebt . Um ihn zu pflegen . Warum nahm sie die Alltag zu sich ? Aus Liebe doch nicht zu dem eigensinnigen Geschöpfe ? Mein Herr Geheimrath , Männer wie wir sind über die Ungerechtigkeit der Welt hinaus , wir warten nicht auf Dank , aber erlauben Sie mir , wenn ich die Frau unglücklich nenne , die für die Anstrengungen ihres warmen Herzens , Andere glücklich zu machen , nichts erntete , als Verkennung . « » Liebster Legationsrath , « entgegnete Bovillard , » erlauben Sie mir , nichts drauf zu sagen , als : les goûts sont différents ! « - » Ich wünschte , Sie hätten sie am Schmerzenslager der kleinen Malwine gesehen . Weil sie nicht weinen konnte , das hat man auch getadelt . « - » Die Kinder sollten ihre Erben sein ; wer kriegt ' s denn nun ? In ihrer Familie ist Alles ausgestorben . Mit der einen Seitenbranche ist sie spinnefeind . « - » Unnatürliche Feindschaft in Familien ! Vielleicht kann man da freundlich zu einer Verständigung einwirken . « - » Lieber vermacht sie ' s den Kapuzinern . Und fünfundneunzigtausend Thaler unter Brüdern . « - » Ich glaubte nur achtzigtausend ! « - » Vor dem letzten Heimfall . Aber - fünfzehntausend in Obligationen - Sie können sich drauf verlassen , - fielen auf ihr Theil aus der Konkursmasse ihres Onkels . Und man muß doch auch rechnen , was vom Geheimrath dazu kommt , wenn er früher stirbt - « » Wenn er früher stirbt . « Wandel hatte es so gedankenlos , oder in Gedanken versunken , gesagt , als er gedankenlos mit seinen Handschuhen gespielt . Er reichte zum Abschied dem Geheimrath die Hand : » Wenn nicht mehr - ich wollte sagen , wenn Sie der verlassenen Isolirten nur ein stilles Plätzchen der Theilnahme in Ihrem Herzen schenken wollten ! « » Bleibt ein ehrenwerther Mann , « sprach Bovillard , als er fort war , » nur zu viel Sentiment . « Siebenundfünfzigstes Kapitel . Wandel muß Politik treiben und sentimental sein . Das Haus der Fürstin schien ein offenes . Man kam und ging , zu jeder Tageszeit ; man war willkommen und empfangen , ohne angemeldet zu sein , und konnte verschwinden , ohne daß es bemerkt ward . Englischer Komfort schien mit französischer Anmuth und Leichtigkeit gepaart . Aehnliches hatte man in Berlin noch nicht gesehen ; man beredete es , aber gefiel sich darin . Keine Thür war verschlossen , die Wände schienen von Krystall ; es ist aber damit nicht gesagt , daß nicht doch manche Thür unter der Tapete versteckt , und der Krystallspiegel eine Wand verdeckte , hinter die zu blicken nicht erlaubt war . Die Fürstin hatte sich neuerdings zu einem längeren Aufenthalt eingerichtet . Alle Welttheile hatten ihre Produkte , Kunstfertigkeit und Erinnerungen beigesteuert , um die Zimmer auszuschmücken . Das Hetrurische und Pompejanische , vor Kurzem die Modepuppe , ward hier paralysirt durch das Chinesische und Hindostanische . Porzellanfigürchen , Pagoden und Pfauenwedel ; dazwischen die rein geschnittenen Schönheitslinien eines griechischen Basreliefs , römische Kaiser und Mohrenköpfe auf echten Konsolen , neben Federkronen von den Sandwichsinseln und urweltlichen Gerippen , Schamanenmäntel und Bogen und Köcher der naturwüchsigen Völkerschaften Sibiriens . Die Ostentation alles dieses