bei weitem weniger dadurch beunruhigt fand , als sie erwartet hatte . So empfingen denn am nächsten Morgen , als der erste Sonnenstrahl die mit Thau bedeckte Erde zu einem blitzenden Himmel unzähliger glänzender Sterne umschuf , sämmtliche Herren das Fräulein in der Halle des Schlosses , wo sie , von Electa und Margarith begleitet , in ihren Reisekleidern ihnen entgegen trat . Einen Augenblick blieb sie noch stehn , und indem ihr Auge die Gegenstände noch ein Mal überflog , gedachte sie ernst des Abends , als sie hier mit Pater Clemens eingetroffen und von Margariths Vater empfangen ward , dessen Tochter sie nun für immer mit sich hinweg führte , und sie hoffte eine Zeit der Leiden abgestreift hinter sich zu lassen , der sie fast unterlegen wäre . Mit Thränen dankte sie noch ein Mal dem Obersten Crawford , umarmte Electa und bestieg mit Margarith dieselbe kleine Sänfte , die sie , von Pater Clemens geleitet , hierher geführt hatte , während die Herren und Lanci mit den übrigen Dienern sich zu Pferde setzten , und Crawford den Reisezug bis zu dem nächsten Ruhepunkt begleiten zu dürfen sich ausbat , da ein ferneres Geleit seiner Milizen von beiden Herren abgelehnt war , um jedes Aufsehn zu vermeiden . Godwie-Castle , als Familiensitz der Nottinghams , erfüllte in dem Augenblick , wo wir jetzt uns demselben wieder nähern , seine Bestimmung in seltenem Maaße . Zwar hatte der Graf Bristol seine eigenen Besitzungen für die nächste Zeit eingenommen , doch ward seine Gegenwart , an die man bei seiner langen Abwesenheit sich keineswegs gewöhnt nennen konnte , kaum vermißt , am meisten wohl nur von der empfunden , die es so wohl verstand , über alle Empfindungen ihres Innern den Schleier zu ziehen , wir meinen seine Tochter , die jüngere Herzogin von Nottingham . Es lag in der Stimmung ihres Innern zu den von Außen sich ihr darbietenden Umständen ein Widerspruch , den die stolze Frau mit einem an Unwillen grenzenden Schmerze fühlte , und diese Stimmung steigerte sich um so mehr , da es ihr an allen Mitteln fehlte , sich derselben zu entledigen , was ihrem stets einschreitenden und ans Beherrschen gewöhnten Sinn einen Zwang auflegte , der sie grollend ihren übrigen Verhältnissen gegenüber stellte . Dagegen war der Himmel blau über allen übrigen zahlreich versammelten Bewohnern von Godwie-Castle . Anna Dorset , nunmehr berechtigt , die Liebe zu entwickeln und zu gestehn , die sie zu ihrem Gemahl hinzog , zeigte ihre ganze Natur zu einem Reichthume und einer Fülle weiblicher Anmuth entwickelt , die ihren jungen Gemahl fesselte und mit ähnlichem Erstaunen erfüllte , als uns wohl ergreift , wenn wir eine Knospe , welche , fest verschlossen , unsern Antheil wenig erregen konnte , am warmen Licht der Sonne zur duftenden Blume entwickelt wiederfinden ; gewiß ward dieser mit Gefühlen vertraut , wie sie einer solchen Ueberraschung gegenüber nicht ausbleiben ! Die Gräfin Dorset hatte mit ihrer Tochter Ollony die Neuvermählten begleitet , und auch Graf Ormond war , nach einer Trennung von mehreren Monaten , in Godwie-Castle wieder eingetroffen . Graf Archimbald ordnete mit großer Sorgfalt die Papiere seines Bruders und gab sich dazwischen mit vielem Geschick den gesellschaftlichen Stunden hin , welchen Alle mit Vergnügen beiwohnten , und über denen die alte Herzogin von Nottingham wie das Prinzip der Güte und Liebe mit ihren ewig klaren , theilnehmenden Augen waltete . So schien Allen hier eine Zeit der Ruhe eingetreten und für die Zukunft nur erfreulichen Hoffnungen Raum gestattet zu sein . Dennoch gab es so manche frisch geheilte Wunden und noch reizbar gebliebene Stellen fast in jeder Brust , daß gerade so viel guter Wille , so viel Liebe , so viel wohlverstandene gute Erziehung , als alle besaßen , dazu gehörte , um nicht jeden Tag neue Störungen des Gefühls und der Ruhe , welche zu schützen , Alle inniges Verlangen trugen , herbei zu führen . Richmonds Abwesenheit , der Zweck derselben , der Jedem bekannt war , und das , was damit zusammen hing , war ein hauptsächlich zum Stillschweigen verwiesener Punkt für Alle . Die Herzogin von Nottingham hatte ihren Unwillen über dies Unternehmen auf eine Weise geäußert und selbst gegen ihren Vater mit einer solchen hartnäckigen Entrüstung durchgeführt , daß Beide darüber in eine Art Spannung gerathen waren , welche die Abreise des alten Lords erleichterte ; und dies wohlbekannte Ereigniß ließ freilich alle Uebrigen völlig darauf Verzicht leisten , die Meinung der Herzogin milder zu stimmen . Sie unterließ es völlig , den Namen Richmond zu nennen , Niemand wagte , ihr darin voran zu gehn , und das Andenken der unglücklichen Gräfin Melville schien bis auf die fernste Erinnerung erloschen . Und dennoch stand das Bild Beider vor der Seele eines Jeden , nur vorsichtig umgangen in Wort und Andeutung . Mit der tiefsten Seelenqual erwartete die unglückliche Mutter Nachrichten , die ihr hartes Geschick erleichtern oder erschweren mußten , und mit der ganzen Größe der Gefahr , wie sie ihr erscheinen mußte , bekannt , behandelte sie ihr ungleiches und finsteres Betragen mit der ganzen Nachsicht einer solchen Berechtigung . Vergeblich hatte der junge Herzog durch Lord Ormond , der so eben aus London eingetroffen war , Nachricht zu erhalten gehofft ; auch ihm war sie gänzlich ausgeblieben , und er selbst hatte sich nur ungern entfernt , ehe ihm Kunde zugekommen . Die Mittheilungen beider Männer über diesen ihnen gleich interessanten Gegenstand waren aber dabei von einer Zurückhaltung geleitet , die nur zu bestimmt ihre Verletzlichkeit in diesem Punkte andeutete , und das Gefühl , wie ihre Stellung zu jenem Gegenstande sich verändert habe , unterstützte den Wunsch Beider , in der Zeit die Erledigung ihrer Empfindungen zu suchen . Konnte sich auch Graf Ormond nicht , wie der junge Herzog , durch die heiligsten Interessen abgezogen halten , war dennoch auch ihm in den Worten der unglücklichen Maria über Ollony ein Aufschluß geworden , der ihn mit der größten