letzten Aufenthalt in Aegina und die Thessalische Reise auch in der öffentlichen Meinung gesunken war , zeigte sich nach ihrer Wiederkunft , in der Art , wie unsre jungen Leute bei Erneuerung ihrer Bewerbungen zu Werke gingen . Sie konnte bald genug gewahr werden , daß man es als etwas Ausgemachtes voraussetze : nachdem sie dem Neffen des Darius einen Thessalischen Centaurensohn zum Nachfolger gegeben , dürfe sich jeder » hellumschiente Achäer « ohne Uebermuth berechtigt halten , Ansprüche an die Gunst einer Schönen zu machen , deren eigentliche Classe keinem Zweifel mehr unterworfen sey . Du kannst dir vorstellen , wie empfindlich ihr Stolz sich durch diese Wahrnehmung gekränkt fühlen mußte . Gleichwohl hielt sie noch eine Zeit lang Stand , in Hoffnung durch ein gewisses vornehmes Ansichhalten , und eine völlige Gleichheit ihres Betragens gegen alle ihre Liebhaber , die Sachen wieder auf den alten Fuß zu setzen . Als aber die Abnahme der hohen Achtung , an welche sie schon so lange gewöhnt war , täglich sichtbarer ward , blieb ihr kein anderer Ausweg , als sich auf die bereits erwähnte Art aus der Gesellschaft zurückzuziehen ; eine Maßnehmung , worüber zwar anfangs ganz Korinth in Aufruhr gerieth , die man aber , da Lais von allem , was über sie geschwatzt , gewitzelt und geverselt wurde , keine Kunde nahm und fest bei ihrem neuen Lebensplan beharrete , sich endlich gefallen lassen mußte , und deren man bereits so gewohnt ist , daß von der weltberühmten Lais vielleicht nirgends weniger die Rede ist als zu Korinth , wo sie lebt , aber schon seit mehr als Einem Jahre , außer dem Bezirk ihres Hauses und seiner Gärten , nirgends , und auch dort nur für wenige sichtbar ist . Ich gestehe dir unverhohlen , lieber Aristipp , daß ich seit diesem Rückzug , mit dessen Beweggrunde ich es nicht gar zu genau nehmen möchte , mich nicht erwehren konnte , sie immer weniger schuldig zu finden , je mehr ich bedachte , wie wunderbar die Natur ihre Fehler mit dem , was das Liebenswürdigste an ihr ist , verwebt hat , und wie verzeihlich es überdieß seyn sollte , daß ein so lange von aller Welt vergöttertes Weib von dem vielen Weihrauch endlich schwindlicht ward , und in der Meinung , daß man ihr auch die Privilegien einer Göttin zugestehen werde , sich mehr herausnahm , als einer Sterblichen , die auf Achtung Anspruch macht , geziemt . Diese Betrachtungen bewogen mich , seit der Zeit , da sich beinahe ganz Korinth gegen sie erklärt hat , ihre Partei wieder mit aller Wärme eines alten Freundes zu nehmen . Was die natürliche Folge davon war , kannst du leicht errathen , und wirst hoffentlich nicht mehr als billig finden , daß dein Freund Learch eine Zeit lang der einzige Korinthier war , der das Vorrecht eines freien Zutritts bei ihr mit Euphranorn und dem Arzt Praxagoras ( der sich vor kurzem bei uns niedergelassen hat ) und mit dem kurzweiligen Sohn des Momus und der Penia , Diogenes von Sinope , nicht nur theilte , sondern vielleicht noch etwas voraus hatte , was ihre Dankbarkeit seiner so lange und vielfach bewährten Freundschaft nicht länger vorenthalten konnte . Aber höre nun auch , was uns der Götter und Menschen beherrschende Dämon Eros unversehens für einen verzweifelten Streich gespielt hat ! Vor ungefähr einem Monat läßt sich in meinem und Euphranors Beiseyn ein fremder Sklavenhändler bei Lais melden , und bietet ihr einen jungen Sklaven zum Verkauf an , den er ( seinem Vorgeben nach ) als Kind von Seeräubern gekauft und mit beträchtlichen Kosten so erzogen habe , daß man weit und breit wenige seinesgleichen finden werde . Der Mann machte so viel Rühmens von der Gestalt und Wohlerzogenheit seines Sklaven , und von seiner Geschicklichkeit im Vorlesen , Abschreiben , Rechnen und in der Musik , daß wir Lust bekamen , seine Waare in Augenschein zu nehmen . Dorylas ( so nannte er den Sklaven ) wurde also vorgeführt . Lais stutzte , glaube ich , nicht weniger als wir beide , da wir einen schlanken , zierlich gewachs ' nen Jüngling mit einer edlen Gesichtsbildung , großen funkelnden Augen und goldgelbem dichtgelocktem Haupthaar , vor uns sahen , etwas bräunlich aber frisch und rosig von Farbe , kurz , einen jungen Menschen von neunzehn oder zwanzig Jahren , den Euphranor auf der Stelle zum Modell eines von den Mantineern bei ihm bestellten Hermes erwählte . Der junge Mensch schien beim Anblick seiner künftigen Gebieterin nicht weniger betroffen , als wir bei dem seinigen , und machte ( unfreiwillig oder absichtlich ) eine Bewegung , wie einer der unversehens von einem Blick in die Sonne geblendet wird . Ich beobachtete ihn von diesem Augenblick an scharf , und konnte mich kaum erwehren , den ganzen Handel verdächtig zu finden . Du nennst dich Dorylas ? fragte ihn Lais , mit einem Blick , der mir ähnliche Zweifel zu verrathen schien . Er bejahete es mit sittsam niedergeschlagenen Augen . - » Woher bist du gebürtig ? « - Ich weiß es nicht ; meine Erinnerungen reichen nicht so weit zurück . Ich war noch Kind , als ich meinen Eltern geraubt wurde . - » Du bist im Vorlesen geübt ? « - Wenigstens hatte ich einen berühmten Lehrmeister . - » Und dieser Mann hier hat dich erzogen ? « - Ich kaufte ihn ( fiel der Sklavenhändler ein ) bloß in der Absicht , ihn , wenn er erwachsen und gehörig ausgebildet seyn würde , mit einem ansehnlichen Gewinn an irgend eine Herrschaft , die einen solchen Sklaven zu schätzen wüßte , wieder zu verhandeln . - » Was forderst du für ihn ? « fragte Lais mit ihrer gewöhnlichen Raschheit . - Einen sehr mäßigen Preis in Betracht dessen was er werth ist ; nicht mehr als dreitausend Drachmen : aber davon geht auch kein Triobolon ab . - Der Handel wurde auf