Gegend fremd sind , sonst würden Sie wissen , was sich im vorigen Herbst zugetragen hat ; – Thornfield-Hall ist nur noch eine Ruine , gerade um die Erntezeit brannte es gänzlich ab . Ein furchtbares Unglück ! solch eine ungeheure Menge wertvollen Eigentums zerstört . Von den Möbeln konnte fast nichts gerettet werden . Das Feuer brach mitten in der Nacht aus , und ehe die Spritzen von Millcote ankamen , war das ganze Gebäude ein Flammenmeer . Es war ein grauenhafter Anblick . Ich war selbst dabei . « » Mitten in der Nacht ! « murmelte ich . Ja , das war die verhängnisvolle Stunde für Thornfield ! » Weiß man , wie es entstanden ist ? « fragte ich . » Man vermutete es , Madam , man vermutete es . In der That , ich könnte wohl sagen , daß es ohne Zweifel festgestellt ist . Vielleicht wissen Sie nicht , « fuhr er fort , indem er seinen Stuhl näher an den Tisch rückte und im Flüsterton sprach , » daß eine Dame , – eine – eine Wahnsinnige im Hause eingesperrt war ? « » Ich habe etwas darüber gehört . « » Sie war unter sehr strenger Bewachung , Madam ; ja , viele Jahre hindurch wußten die Leute nicht einmal etwas Bestimmtes über ihr Dasein . Niemand sah sie ; nur durch das Gerücht wußte man , daß irgend jemand im Herrenhause verborgen gehalten werde , es war jedoch schwer zu vermuten , wer oder was es sei . Sie sagten , Mr. Edward habe sie aus der Fremde mitgebracht , und viele glaubten , sie sei nur seine Geliebte gewesen . Aber vor ungefähr einem Jahre passierte etwas Sonderbares – etwas sehr Sonderbares . « Ich fürchtete jetzt meine eigene Geschichte mit anhören zu müssen . Deshalb versuchte ich , ihn zur Hauptsache zurückzuführen . » Und diese Dame ? « » Diese Dame , Madam , erwies sich als Mr. Rochesters Gattin ! Diese Entdeckung wurde auf die seltsamste Weise herbeigeführt . Im Herrenhause war ein junges Mädchen , die Gouvernante , und Mr. Rochester – » Aber das Feuer ? « unterbrach ich ihn . » Das kommt gleich , Madam – und Mr. Rochester verliebte sich in sie . Die Dienstboten sagten , daß sie in ihrem ganzen Leben keinen so verliebten Menschen gesehen hätten wie ihn . Beständig war er hinter ihr her . Sie pflegten ihm aufzupassen – Sie wissen , Madam , Dienstboten thun das nun einmal – und er hielt mehr von ihr als von irgend etwas Anderem auf der Welt , Außer ihm fand jedoch niemand sie hübsch . Sie war ein kleines unbedeutendes Ding , sagten sie , fast wie ein Kind . Ich selbst habe sie nie gesehen , aber Leah , das Stubenmädchen , hat mir von ihr erzählt . Leah hat sie sehr lieb gehabt , Mr. Rochester war ungefähr vierzig Jahre alt , und diese Gouvernante noch nicht zwanzig . Und Sie wissen wohl , wenn Leute in seinen Jahren sich in junge Mädchen verlieben , so sind sie oft wie behext . Nun also kurz und gut , er wollte sie heiraten . « » Diesen Teil der Geschichte können Sie mir ja ein andermal erzählen , « sagte ich , » aber ich habe einen ganz besonderen Grund , weshalb ich die Geschichte der Feuersbrunst hören möchte . Vermutete man denn , daß diese Wahnsinnige – Mrs. – Mrs. Rochester die Hand dabei im Spiel hatte ? « » Sie haben es getroffen , Madam ; es ist ganz bestimmt , daß sie , und keine andere , als sie , das Haus angezündet hat . Sie hatte ein Weib , das sie bewachen sollte , Mrs. Poole mit Namen , eine ganz geschickte Person in ihrer Art , und ganz vertrauenswürdig ; aber sie hatte einen Fehler – einen Fehler , den beinahe alle alten Weiber und Krankenwärterinnen haben , sie hielt sich eine eigene Brantweinflasche und nahm dann und wann einen Tropfen über den Durst . Es ist verzeihlich , denn sie hatte ein schweres Leben ; aber dennoch war es gefährlich ; denn wenn Mrs. Poole nach ihrem Brantwein fest eingeschlafen war , so nahm die wahnsinnige Frau , die so listig und verschlagen war wie eine Hexe , ihr den Schlüssel aus der Tasche , schlich aus der Thür und wanderte im Hause umher und richtete alles Unheil , das ihr in den Kopf kam , an . Die Leute sagen , daß sie ihren eigenen Gatten beinahe einmal in seinem Bette verbrannt hat ; aber ich weiß nicht , ob das wahr ist . Jedoch an diesem Abend steckte sie zuerst die Vorhänge in dem Zimmer , welches dem ihren zunächst lag , an ; und dann kroch sie hinunter in das erste Stockwerk und schlich sich in das Zimmer , das einst der Gouvernante gehört hatte – ( es war , als hätte sie eine Ahnung von dem gehabt , was sich zugetragen , und haßte das arme Mädchen nun ) – und zündete dort das Bett an . Zum Glück schlief niemand darin . Die Gouvernante war zwei Monate früher fortgelaufen ; und obgleich Mr. Rochester sie suchte , als wenn sie das kostbarste Juwel auf Erden gewesen , so konnte er doch nicht ein einziges Wort über sie erfahren . Und nun wurde er wild – ganz wild in seinem Ungemach . Er war niemals ein heftiger Mann gewesen ; nachdem er sie aber verloren hatte , wurde er geradezu gefährlich . Er wollte ganz allein sein . Die Haushälterin , Mrs. Fairfax , schickte er weit fort zu ihren Verwandten ; aber er handelte anständig , denn er hat ihr für ihr ganzes Leben eine hübsche Jahresrente ausgesetzt . Aber sie verdiente es auch , denn sie war eine herzensgute Frau . Miß Adele , seine Mündel , die ebenfalls im Hause war , wurde in