; denn erst jetzt entdeckte ich , daß ich auf meinem glänzenden Pferde in alten anbrüchigen Kleidern saß . Ich bestrebte mich daher , ferner ungesehen hinter das Haus des Oheims zu gelangen , das ich fast nicht finden konnte . Zuletzt erkannte ich es , wie es über und über mit Efeu bewachsen und außerdem von den alten Nußbäumen überhangen , so daß weder Stein noch Ziegel zu sehen war und nur hie und da ein handgroßes Stückchen Fensterscheibe durch das Grüne blinkte . Ich sah , daß sich etwas dahinter bewegte , konnte aber nichts Deutliches wahrnehmen . Der Garten war von einer Wildnis wuchernder Feldblumen bedeckt , aus denen die aufgeschossenen Gartengewächse baumhoch emporragten , Rosmarin und Fenchelstauden , Sonnenblumen , Kürbisse und Johannisbeeren . Schwärme wild gewordener Bienen brausten auf der Blumenwildnis umher ; im Bienenhause aber lag der alte Liebesbrief , den der Wind einst dahin getragen , verwittert und offen , ohne daß ihn die Jahre her jemand gefunden . Ich nahm ihn und wollte ihn einstecken ; da wurde er mir aus der Hand gerissen , und als ich mich umsah , huschte Judith damit lachend hinter das Bienenhaus und küßte mich dabei durch die Luft , daß ich es auf meinem Munde fühlte . Der Kuß war aber eigentlich ein Stück Apfelkuchen , welches ich begierig aß . Da es jedoch den Hunger , den ich im Schlafe empfand , nicht stillte , überlegte ich , daß ich wahrscheinlich träume und daß der Kuchen wohl von den Äpfeln herrühre , die ich einst küssend mit der Judith zusammen gegessen . Ich fand es also um so geratener , in das Haus zu gehen , wo gewiß eine Mahlzeit bereit sein würde . Ich packte einen schweren Mantelsack aus , der sich plötzlich auf dem Pferde zeigte , als ich es an den zerfallenden Gartenzaun band . Aus dem Mantelsack rollten die schönsten Kleider hervor und ein feines neues Hemde , dessen Brust mit einer Stickerei von Weinträubchen und Maiglöckchen verziert war . Wie ich aber dies Staatshemd auseinanderfaltete , wurden zweie daraus , aus den zweien vier , aus den vieren acht , kurz , eine Menge der schönsten Leibwäsche breitete sich aus , welche wieder in den Mantelsack zu schieben ich mich vergeblich abmühte . Immer wurden es mehr Hemden und Kleidungsstücke und bedeckten den Boden umher ; ich empfand die größte Angst , von meinen Verwandten bei dem sonderbaren Geschäft überrascht zu werden . In der Verzweiflung ergriff ich endlich eines von den Hemden , um es anzuziehen , und stellte mich schamhaft hinter einen Nußbaum ; allein man konnte aus dem Hause an diese Stelle sehen , und ich schlüpfte beschämt hinter einen andern , und so immer fort von einem Baume zum andern , bis ich , dicht an das Haus und in den Efeu hineingedrückt , in Verwirrung und Eile den Anzug wechselte , die schönen Kleider anzog und doch fast nicht fertig werden konnte , und als ich es endlich war , befand ich mich wieder in größter Not , wo ich das traurige Bündel der alten Kleider bergen solle . Wohin ich es auch trug , immer fiel ein zerlumptes Stück auf die Erde ; zuletzt gelang es mit saurer Mühe , das Zeug in den Bach zu werfen , wo es aber durchaus nicht weiterschwimmen wollte , sondern sich auf der gleichen Stelle gemächlich herumdrehte . Ich erwischte eine vermorschte Bohnenstange und quälte mich , die dämonischen Fetzen in die Strömung zu stoßen ; aber die Stange brach und brach immer wieder bis auf das letzte Stümpfchen . Da berührte ein Hauch meine Wangen , und Anna stand vor mir und führte mich in das Haus . Ich stieg Hand in Hand mit ihr die Treppe hinauf und trat in die Stube , wo der Oheim , die Tante , die Basen und Vettern sämtlich versammelt waren . Aufatmend sah ich mich um die alte Stube war sonntäglich geputzt und so sonnenhell , daß ich nicht begriff , wo all das Licht durch den dichten Efeu hindurch herkomme . Oheim und Tante waren in ihren besten Jahren , die Bäschen und Vettern blühender als je , der Schulmeister ebenfalls ein schöner Mann und aufgeräumt wie ein Jüngling , und Anna sah ich als Mädchen von vierzehn Jahren im rotgeblümten Kleide mit der lieblichen Halskrause . Was aber sehr sonderbar war , alle , Anna nicht ausgenommen , trugen lange irdene Pfeifen in den Händen und rauchten einen wohlriechenden Tabak , und ich desgleichen . Dabei standen sie , die Verstorbenen und die Lebendigen , keinen Augenblick still , sondern gingen mit freundlich frohen Mienen unablassig die Stube auf und nieder , hin und her , und dazwischen niedrig am Boden hin die Jagdhunde , das Reh , der zahme Marder , Falken und Tauben in friedlicher Eintracht , nur daß die Tiere den entgegengesetzten Strich der Menschen verfolgten und so ein wunderbares Gewebe durcheinanderlief . Der schwere Nußbaumtisch auf seinen gewundenen Füßen war mit einem weißen Damasttuche gedeckt und mit einem aufgerüsteten duftenden Hochzeitessen besetzt . Mir wässerte der Mund , und ich sagte zum alten Oheim : » Ei , ihr scheint euch da recht wohl sein zu lassen ! « - » Versteht sich ! « erwiderte er , und alle wiederholten : » Versteht sich ! « mit angenehm klingenden Stimmen . Plötzlich befahl der Oheim , daß man zu Tische sitze ; alle stellten die Pfeifen pyramidenweise zusammen auf den Boden , je drei und drei , wie Soldaten ihre Gewehre . Darauf schienen sie schon wieder zu vergessen , daß sie essen gewollt ; denn sie gingen zu meinem Verdrusse nach wie vor umher und fingen allmählich an zu singen : » Wir träumen , wir träumen , Wir träumen und wir säumen , Wir eilen und wir weilen , Wir weilen und wir eilen , Sind da und sind doch dort , Wir gehen bleibend fort , Wem