Grell . » Ich war nie im Feuer und bin deshalb in Furcht , vielleicht Furcht zu zeigen . Auch ist es ein eigen Ding mit den Vorahnungen . « » Glauben Sie daran ? « » Ja « , bemerkte Grell . » Nicht jeder hat sie ; aber wir haben es von der Mutter her . Im Schleswigschen ist es häufig . « Eine kurze Pause folgte . Dann sagte Lewin : » Ich mag nicht in Sie dringen , Grell , über Dinge zu sprechen , von denen Sie vielleicht lieber schweigen . Aber eines möcht ich doch sagen dürfen : ich habe den Eindruck , als ob Sie das , was wir vorhaben , um einen Grad ernsthafter nehmen , als es genommen sein will . Es ist ein Coup , der entweder glückt oder nicht glückt ; das ist alles . Überraschen wir den Feind , so gibt er sich gefangen , überraschen wir ihn nicht oder lassen uns die Russen im Stich , so ziehen wir uns zurück ; aber im einen wie im anderen Falle , nennenswerte Verluste werden schwerlich zu verzeichnen sein . Der Feind ist eben eingeschüchtert und wird sich , selbst wenn er unsern Angriff siegreich abschlägt , auf bloße Defensive beschränken müssen . « Grell lächelte . » Möglich , daß Sie recht haben , Vitzewitz . Jedenfalls wünsch ich es . Aber Sie kennen die Frühjahrsgewitter : ein Blitz aus heiterem Himmel , und dann ist es wieder vorbei . Ein Schlag nur , aber er fordert jedesmal sein Opfer . Und wer will sagen , wer gefordert wird oder wen es trifft . « Beide schwiegen und hingen ernsten Gedanken nach . Dann sagte Lewin , der dem Gespräch eine andere Wendung zu geben trachtete : » Haben Sie Kleists Grabmal besucht ? Es wirkt etwas zopfig mit seinem Schmetterling und seiner Inschrift in drei Sprachen , und doch hab ich immer einen tiefen Eindruck davon empfangen . « » Ja « , bestätigte Grell . » Aber der Eindruck , den ich vorher von dem Herzog-Leopold-Denkmal empfing , war tiefer . « » Und weshalb ? « » Weil es mir noch deutlicher und entschiedener meinen Lieblingssatz predigte , daß es erst der Tod ist , der uns unser eigentliches Leben gibt . Auch hienieden schon . Wer würde von dem armen Herzoge noch wissen , wenn er sein Leben einfach ausgelebt hätte bis auf den letzten Tag . Er unterbrach aber den Gang seiner Stunden und opferte sich ; und nun lebt er fort , weil er zu sterben verstand . « » Es ist unser Tun , nicht unser Tod , was uns ein schöneres Leben sichert . « » Aber doppelt gesichert ist es uns , wenn es ein Tun im Tode ist . « Siebzehntes Kapitel Die Revue Und nun kam der Tag , an dem es sich entscheiden sollte . Schon in aller Frühe war der alte General außer Bett gewesen , hatte nach Jeetze geklingelt und Hirschfeldt rufen lassen , der dann auch sofort erschienen und eine halbe Stunde später abgeritten war , um die ordre du jour an alle im halbmeiligen Umkreise stehenden Bataillone zu überbringen . Diese ordre du jour ging dahin , daß eben diese Bataillone Punkt zwölf behufs abzuhaltender Revue in unmittelbarer Nähe von Hohen-Vietz eintreffen , gleich nach der Revue in eben diesem Dorfe Alarmquartiere beziehen und neun Uhr abends zum Abmarsche gegen Frankfurt bereitstehen sollten . Mit Abfassung dieser Ordres hatte sich Bamme während seiner schlaflosen Stunden beschäftigt . Jetzt erst , wo Hirschfeldt unterwegs war , wurde der Alte ruhiger ; es gab nun kein Zurück mehr , oder um ihn selber sprechen zu lassen , » die Zettel waren gedruckt , und das Stück mußte wohl oder übel gespielt werden « . Er hatte seine Ruhe wieder , aber freilich nicht sein Behagen . Denn so groß sein Selbstbewußtsein war , so groß war auch , selbst unter gewöhnlichen Verhältnissen , seine Selbsterkenntnis . Und nun gar heute ! Er fühlte sich der ihm zugefallenen Aufgabe nicht recht gewachsen und gestand sich unverhohlen , daß er alles , was er an Gaben besaß , nicht recht brauchen und alles , was er nicht besaß , in der Eile weder beschaffen noch durch Eifer und guten Willen ersetzen konnte . Zur Abhaltung der Revue war ein großes Brachfeld ausgewählt worden , das zwischen dem Fichtenwäldchen und der Chaussee lag , dicht neben dem Pflugacker , über den hin , am dritten oder vierten Weihnachtstage , die von ihrem Kirch-Göritzer Besuche heimkehrenden Freunde ihren Wettlauf zur Rettung Hoppenmariekens gemacht hatten . Aber bis zwölf Uhr war noch eine lange Zeit , und jeder suchte sie zu kürzen . Tubal und Lewin fuhren nach Reitwein hinüber , um sich ein Grabmonument anzusehen , das daselbst aufgestellt werden sollte , der alte Vitzewitz traf » auf alle Fälle hin « einige Anordnungen , und Grell ging in die Pfarre ; so schien es in der Tat , als ob Bamme , der allein blieb , die ganze Pein des Abwartens und Stundenzählens am vollsten und ausschließlichsten durchkosten solle . Aber Kniehase half ihm aus der Verlegenheit , ihm meldend , daß von den Nachbargütern her einige Reitpferde zur Auswahl für den » Herrn General und seinen Adjutanten « gestellt worden seien . Sie ständen am Spritzenhause , zwischen dem Krug und dem Schulzenhof . Unter diesen Pferden war auch eine Fuchsstute , die Drosselstein geschickt hatte , ein schönes Tier , beinahe brandrot , das dem Alten außerordentlich gefiel . Dennoch war er in Zweifel , ob er sich dafür entscheiden sollte . » Die Fuchsstute gefällt mir « , sagte er , » aber es hat sein Mißliches damit . Eigentlich halt ich es mit meinem kleinen Isabellfarbenen , den Sie ja kennen ; wir haben dasselbe Maß und passen zusammen . Was meinen Sie , Kniehase , nehm ich den Shetländer , oder nehm