drohende Gefahr abzuwenden , und sich mit seinen zerrütteten Streitkräften auf die Verteidigung zu beschränken , bis fremde Hilfstruppen , langobardische und fränkische , die er erwartete , ihn in den Stand setzen wurden , wieder das offne Feld zu halten . Aber die Hoffnung , Belisar auf seinem Wege nach Ravenna durch diese gotischen Burgen hinzuhalten , erfüllte sich nicht . Er begnügte sich , sie durch beobachtende Truppen einzuschließen , und zog ohne weiteres gegen die Hauptstadt und den letzten bedeutenden Waffenplatz der Goten . » Habe ich das Herz zum Tode getroffen , « sagte er , » werden sich die geballten Fäuste von selbst öffnen . « * * * Und so dehnten sich alsbald um die Königsstadt Theoderichs in weit gestrecktem Bogen die Zelte der Byzantiner , an allen drei Landseiten , von der Hafenstadt Classis an bis zu den Kanälen und Zweigarmen des Padus , die im Westen besonders die Verteidigung der Festungslinien bildeten . Zwar hatte die alte , vornehme Stadt damals schon viel verloren von dem Schimmer , in dem sie seit zwei Jahrhunderten fast strahlte als Residenz der Imperatoren : und auch das letzte Abendrot , das die glorreiche Regierung Theoderichs über sie gebreitet , war seit dem Ausbruch des Krieges verschwunden . Aber gleichwohl . Welche andern Eindruck muß damals die immer noch volkreiche , dem heutigen Venedig gleichende Wasserstadt gemacht haben als heute , wo es den Wandrer aus den ausgestorbnen Straßen , den leeren Plätzen , den einsam schweigenden Basiliken nicht minder melancholisch anhaucht als draußen , vor den Mauern der Stadt , wo sich weithin die öde Sumpflandschaft der Padusniederungen dehnt , bis sie in den Schlamm des weit zurückgetretenen Meeres auslaufen . Wo einst in der Hafenstadt Classis zu Wasser und zu Lande geschäftiges Leben wogte , wo die stolzen Trieren der kaiserlichen Adriaflotte tief schaukelnd sich wiegten , da liegen jetzt sumpfige Wiesen , in deren hohem Schilf und Riedgras verwilderte Büffel grasen ; versumpft die Straßen , versandet der Hafen , verschollen das Volk , das hier freudig geherrscht : - nur ein riesiger runder Turm aus der Gotenzeit steht noch neben der allein erhaltnen , einsamen Basilika San Apollinare in Classe fuori , die , von Witichis begonnen , von Justinian vollendet , nun eine Stunde fern von aller Menschenwohnung auf der sumpfigen Ebene trauernd ragt . Die starke Seefestung galt für uneinnehmbar : darum hatten sie seit dem Sinken ihrer Macht , und der wachsenden Gefährdung Italiens durch die Barbaren , die Kaiser zur Residenz gewählt . Die Südostseite deckte das damals noch bis an und in ihre und der Hafenstadt Mauern spülende Meer . Und um alle drei Landseiten hatten Natur und Kunst ein labyrinthisches Netz von Kanälen , Gräben und Sümpfen des vielarmigen Padus gesponnen , in welchem sich der Belagerer rettungslos verstricken mußte . Und diese Mauern ! noch jetzt erfüllen ihre gewaltigen Reste mit Staunen ; ihre ungeheure Dicke und - weniger ihre Höhe als - die Anzahl von starken Rundtürmen , die von ihren Zinnen noch heute aufsteigen , trotzten vor der Erfindung der Feuerwaffe jedem Sturm , jedem gewaltsamen Angriff . Nur durch Aushungerung hatte nach fast vierjährigem Widerstand der große Theoderich diese letzte Zuflucht Odoakars bezwungen . Vergebens hatte Belisar versucht , gleich nach seiner Ankunft die Stadt mit Sturm zu nehmen . Kräftig ward sein Angriff abgewiesen , und die Belagerer mußten sich begnügen , die Festung enge zu umschließen und , wie einst der Gotenkönig , durch Mangel zur Übergabe zu nötigen . Dem aber konnte Witichis getrost entgegensehn . Denn er hatte mit der Vorsicht , die ihm eigen , in diesem seinem Hauptbollwerk , schon vor dem Aufbruch nach Rom , Vorräte aller Art , namentlich aber Getreide , in außerordentlicher Menge in besonders von ihm ( mit Benutzung und in den Räumen des ungeheuren Marmorzirkus des Theodosius ) erbauten Kornspeichern von Holzgezimmer aufgehäuft . Diese ausgedehnten Holzbauten , gerade gegenüber dem Palast und der Basilika Sancti Apollinaris , waren des Königs Stolz , Freude und Trost . Nur weniges von diesen Nahrungsmitteln hatte man durch das von den Feinden durchstreifte Land nach dem Lager vor Rom führen können : und bei einiger Sparsamkeit reichten diese Magazine ohne Zweifel für die Bevölkerung und das nicht mehr zahlreiche Heer leicht noch zwei und drei Monate aus . Bis dahin aber war das Eintreffen eines fränkischen Hilfsheeres infolge der aufs neue angeknüpften Verhandlungen sicher zu erwarten . Und dieser Entsatz mußte notwendig die Aufhebung der Belagerung herbeiführen . Dies wußten - oder ahnten doch - Belisar und Cethegus so gut wie Witichis : und rastlos spähten sie nach allen Seiten , ein Mittel zu finden , den Fall der Stadt zu beschleunigen . Der Präfekt suchte natürlich vor allem seine geheime Verbindung mit der Gotenkönigin zu diesem Zwecke zu benutzen . Aber einmal war der Verkehr mit ihr jetzt sehr erschwert , da die Goten alle Ausgänge der Stadt sorgfältig überwachten . Und dann schien auch Mataswintha wesentlich verändert und keineswegs mehr so bereit und willfährig , sich als Werkzeug gebrauchen zu lassen , wie ehedem . Sie hatte eine rasche Vernichtung oder Demütigung des Königs erwartet . Das lange Hinzögern ermüdete sie : und zugleich hatten die großen Leiden ihres Volkes in Kampf und Hunger und Krankheit angefangen , sie zu erschüttern . Dazu kam endlich , daß die traurige Verwandlung in dem sonst so kräftigen und gesundfreudigen Wesen des Königs , der stille , aber tiefe und finstre Gram , der über seiner Seele lag , mächtig an ihrem Herzen rüttelte . Wenn sie auch mit der ganzen Ungerechtigkeit des Schmerzes , mit dem bittern Stolz gekränkter Liebe ihn verklagte , daß er ihr Herz verworfen und doch , um der Krone willen , mit Gewalt ihre Hand erzwungen hatte , und wenn sie ihn dafür auch mit der ganzen leidenschaftlichen Glut ihres Wesens zu hassen glaubte und zum Teil auch wirklich haßte , so war doch dieser Haß nur umgeschlagene