Feinheiten des Stils und der Interpunktion gerade jetzt - es war für Beda Hunnius - an folgender Stelle angekommen waren : - - » ohne Zweifel keine andere Bestimmung haben dürfte als , in des hochbetagten , eben verschiedenen Greises Stelle , einzurücken , derowegen eine Verzögerung der Audienz , nicht unwahrscheinlich eingetreten sein möchte , nun aber auch kein Zweifel sein dürfte , daß das Vicariat an einen Candidaten , verliehen werden könnte , welcher , lediglich die kleineren Aemter zu versehen hätte , mittlerweilen die großen dürften , dem jungen Domherrn zugeschlagen werden , worüber , indessen nicht zu zweifeln sein dürfte , daß Ew . Hochwürden zwar keine Berufung dürften zu gewärtigen haben , ohne jedoch nicht unwahrscheinlich sein zu lassen eine schmeichelhafte Erhebung zum Ehren-Kanonikus , falls nämlich , die bevorstehende Visitation durch den Gubernial-Präsidenten von Wittekind-Neuhof , Excellenz , die Hände dem hohen Kirchenfürsten , Eminenz , so ungebunden lassen dürften , als Hochdessen feste Willensmeinung und Geneigtheit für Ew . Hochwürden Wirken über allen Zweifel erhaben sein lassen dürfen und , wenn ich gewogentlichst um Entschuldigung bitten dürfte , daß ich die laufende Mittheilung an Wohldieselben für heute abzubrechen wage , so muß ich die schaudervoll ergebenste Anzeige auch noch eines Mordes anfügen , welcher diese Nacht unbekannterweise einer Dame zugestoßen ist , welche « - » Vöter ! « lautete eben an dieser Stelle durch Unisono die Mahnung der Töchter , auf den eben eingetretenen Besuch zu achten ... Aus den tiefsten Labyrinthen des Periodenbaues , aus den Geheimnissen der Curie und einer sich eben in die Reproduction einer Mordscene verlierenden Phantasie erwacht Schnuphase und wendet die blaue Brille nach der Rechten und zu gleicher Zeit auch dem Drehsessel einen nur ganz harmlos gedachten Ruck gebend ... Da aber des Agenten Hammaker ansichtig werdend bekommt sein Schrecken eine Elasticität , die ihn im Nu um die Achse des Drehsessels herumwirbelt , sodaß er gerade mit dem verfänglichen Nacken einem Manne gegenübersitzt , von dem bekannt war , daß er die Menschen an Kronleuchterhaken aufhängte . Was - » verschöfft « - uns - die Ehre ? stammelt er und windet seine glücklicherweise leichten Beine aus der Umklammerung der Drehschraube des Sessels los und sucht aus seiner schwebenden Lage auf ebenen Boden zu kommen . Die Töchter stehen minder erschrocken . Herr Hammaker war von jeher gegen sie die Huldigung und Süßigkeit selbst . Er nähert sich ihnen und äußert mit Artigkeit und einem sich tief unterwerfenden Tone seinen gerührtesten Dank für die ihm gewordene Aufforderung der Fräulein , sich der Erzbruder- und Schwesterschaft zum schwarzledernen Gürtel einverleiben zu wollen , deren Embleme sie vertheilten ... Beide junonische Gestalten sehen sich mit erstaunten Blicken an . Ihre dunkeln Augen rollen , die Augenbrauen senken sich tief niederwärts und ein ersichtlicher Aerger macht sie in dem Augenblicke jede um zehn Jahre älter , d.h. gerade so alt , als sie waren . » Schwörzlöderner « Gürtel ? fragt Schnuphase zur Besinnung gekommen und ergreift den Brief , den ihm Hammaker als Ausweis entgegenhält ... Es war ein lithographirter und demnach eine an viele Einwohner der Stadt abgesandte Einladung der Fräulein Eva und Apollonia Schnuphase , sich der Gnaden und Ablässe theilhaftig zu machen , die jeden erwarteten , der in die Erzbruder- oder Erzschwesterschaft vom schwarzledernen Gürtel des heiligen Nikolaus von Tolentino eintreten würde . Sofort erkannte man , daß hier ein Falsum vorlag ... Die Aufregung , die diese Entdeckung hervorbrachte , war nicht gering . Die Damen betrachteten den Brief von allen Seiten , der Vater bat um die Erlaubniß , ihn sämmtlichen geistlichen Herren zeigen zu dürfen , was jedoch entschieden von seinen Töchtern abgelehnt wurde . Ein » Extrös-tückchen « der » Pörtei « , rief er , die nicht genug hat , die Kirche zu hindern , nach ihren Gesetzen zu leben , » söndern « die auch noch - Ein vollkommen gerechtfertigter Zorn erstickte seine Stimme . Die Schwestern traten mit dem Briefe bei Seite und flüsterten , von welchem Lieutenant oder Referendar wol dieser ghibellinische Spott herrühren konnte ... Der jetzt aber vertraulichst Eingeführte erhielt alle die Mittheilungen , die er nur über die Versammlung beim Rolandswirth zu hören wünschte . Das Einverständniß war vollständig ... Hammaker seufzte tief auf und zog die eben empfangene zinnerne Medaille , um sie mit Verklärung zu zeigen ... Wie auf ebenso viel Legionen des Himmels hoffend , öffnete Schnuphase eine Schublade des Schreibepults , in der einige Hundert dieser Medaillen lagen . Dann noch ein Austausch des gemeinschaftlichen Schmerzes über die hingeopferte Dame ... Noch keine » S - pur « ? war die dreifache Frage im Unisono . Mit einem Blick gen Himmel , als wenn allen diesen Leiden nur von oben geholfen werden könnte , empfahl sich Hammaker ... Eine Stunde darauf fand Benno beim Eintreten in Nück ' s » Schreibstube « unter einem Dutzend Pulten auf dem seinigen einen Zettel mit den eben erst rasch hingekritzelten , frisch mit Sand bestreuten Worten : » Die Erben des Riedbauern Kipp in Euskirchen wünschen über ihres Erblassers Passiva , ehe sie das Beneficium inventarii antreten , eine vertrauliche Recherche - citissime ! - Freitag früh Termin in Overladen Fasc . 1310a . - Sonnabend in Sachen ca Fiscum bei Zapf am Hüneneck die Vermessung der Ufergrenze - Ich spreche Sie aber noch um sechs - das Dampfboot geht , glaub ' ich , um acht . « Es war die Hand des Procurators . Der Name des Hünenecks war für Benno ein Klang , der ihm auf Augenblicke die Besinnung nahm ... Eine so schnelle Trennung von Bonaventura ! Aber drei - drei volle - selige Tage in Armgart ' s Nähe - vielleicht eine Begegnung mit ihr ! Zum Arbeiten fehlte ihm alle Sammlung . Er zählte nur die Minuten , bis es sechs schlug . An sein Ohr tönte nur die Glocke im Hafen und das Brausen und Rauschen im Dampfrohr , die mahnenden Zeichen zur Abfahrt