ein freier Tummelplatz heitrer Laune und scherzhaften Gespräches dienen zu können . Der große Anbau seines italienischen Hauses war eine Halle , massiv gebaut , aber doch in Form jener antiken Bauart gehalten , die den Ursprung aller Architektur aus zusammengelegten Blöcken durch bunte Malerei , Vergoldung und Zierrath aller Art nicht verbergen will . Schimmerte auch die Decke nicht in goldenen Verzierungen , so wurden ihre Balkengevierte doch durch Farbenschmuck aller Art sehr frisch gehoben . Die Form der Halle war eine dreitheilige . Drei große nach Norden gehende Fenster warfen das der Malerei nöthige Licht in den gewaltigen Raum , der durch zwei von der halben Decke herabgehende schwere grüne Vorhänge in zwei kleinere und eine größere Abtheilung getrennt war . Ließ man die wuchtigen Vorhänge zufallen , so waren die hinter ihnen beschäftigten Maler voneinander getrennt . Standen sie offen , so gewährten sie die Möglichkeit einer gemeinschaftlichen Unterhaltung durch das ganze Atelier . In dem ersten Drittheil saßen einige Schüler und Anfänger , in dem großen Zwischenraum die selbständigen jüngern Kräfte , die sich um Professor Berg scharten , im dritten war dieser selbst beschäftigt . Die große Südwand , ganz massiv , war in pompejanischem Geschmacke gemalt . Die rothe Farbe hatte in dem bunten Gemisch den Vorrang . An der Ostwand war der doppelte Eingang , einer von unten her und einer oben von der Altane , die das erste Stockwerk des Hauptgebäudes mit dem Atelier verband . Auf der Hälfte der Stiege , die von oben her kam , schloß sich ihr von unten herauf eine andere an , die in einer langen hölzernen , mit grauer Ölfarbe gestrichenen Brücke endete , die durch das ganze Atelier ziemlich nahe an der Südwand sich hinzog - diese Brücke diente für große Gemälde , welche von dem Fußboden aus nicht gemalt werden konnten . Hier und da ließ sie sich auseinandernehmen und auf Rollen nach Belieben vor große Cartons oder Ölbilder vorrücken . An der Westwand , im engern Atelier des Professors Berg , waren sehr geschmackvolle Frescoverzierungen angebracht . Zwischendurch standen Statuen , meist von einem Blumenetablissement umgeben . Die Teppiche und Wandsophas , die ursprünglich in der ganzen Halle anzutreffen waren , hatten sich nur noch in dem engern Raume des Lehrers in dem eleganten Zustande erhalten , wie ursprünglich dieser ganze kleine Kunsttempel gedacht war . Hier fanden sich noch Stühle und Polster , die man den Fremden anbieten konnte . An den andern Punkten hatte jugendliche Zwanglosigkeit schon mancherlei Zierrath für seine Bestimmung untauglich gemacht , zum großen Ärger des mit Überwachung dieser Räume beauftragten Dieners . Auch die großen mit Steinkohlen nur heizbaren Öfen hatten sich im Winter schon mit manchem anschwärzenden Protest gegen den Traum eines sich hier nach Italien versetztglaubenden Idealisten geltend gemacht . Die parkettirten Fußböden waren selbst beim Professor nicht recht wieder zu erkennen und trugen alle Merkmale , daß der wahre Künstler , wenn er einmal in die freie Ausbildung seiner Herrschaft über Kreide und Farbe geräth , an äußere Eleganz und fashionable Bestimmung nicht mehr denkt . Siegbert arbeitete im Mittelraum . Nicht weit von ihm Leidenfrost .. Neben diesem ein junger schöner schlanker Mann , Namens Heinrichson , derselbe , dem zu Gefallen Frau von Harder den Ankauf zweier Schwäne aus Island für die königlichen Gärten veranlaßt hatte . Neben ihm stand jener Ofenschirm , hinter welchem Frau von Trompetta die Bewegungen jenes Schwanes , der Jupiter vorstellen sollte , und seine Angriffe auf eine hölzerne Figur , die die Leda sein sollte , mit so vieler Angst beobachtet hatte ... Dann kam ein junger Maler , Namens Reichmeyer , ein Verwandter des Bankiers von Reichmeyer . Diese vier Maler arbeiteten in der mittlern Halle . In der Vorhalle standen drei oder vier Schüler . Der Raum , den Berg allein einnahm , war noch mit einem kleinern , von Tapeten gebildeten oben offenen Cabinet versehen für die Aufnahme lebender Akte . Siegbert , Leidenfrost , Heinrichson und Reichmeyer waren in einem Gespräche begriffen , wie man es mit Unterbrechungen , langen Pausen allenfalls bei mechanischgeistiger Production doch führen kann . Sie hatten vom Morgen an stark an größern Arbeiten geschafft und nahmen jetzt gegen Mittag leichtere vor , die wol erlaubten , daß dann und wann ein Scherz die gesammelte Stimmung durchkreuzte , die vielleicht gerade mit etwas vorher schon ernst Bedachtem beschäftigt war . Siegbert arbeitete an seinem Albumblatt für Frau von Trompetta . Die drei andern Maler standen eben hinter ihm und wollten wissen , was er in ' s Gethsemane » stiften « würde . Man sah noch in schwachen Andeutungen eine orientalische Gegend ... Palmen , Felsgestein , Ölbäume . Am Boden ein schlafender Christus ... Vor ihm eine noch nicht fertige undeutliche Figur ... Negerknaben mit Fackeln ... In der Ferne ein Kameel mit Dienern .. Andeutungen am Horizont zufolge , die auf Sterne rathen ließen , sollte die Beleuchtung Nacht sein . Ist das unklare Menschenbild da vielleicht , sagte Max Leidenfrost , eine kleine Figur mit zusammengetrockneten , sogenannten Silen- oder Sokrateszügen , ist Das vielleicht einer von den heiligen drei Königen , der nach dreißig Jahren einmal wieder nach Jerusalem kommt , um den inzwischen stattlich herangewachsenen Heiland zu sehen ? Er scheint sich recht zu verwundern , wie die kleinen Kinder mit der Zeit so aus Krippen herauswachsen können .. Siegbert antwortete , indem er mit dem Gummi die Negerknaben etwas corrigiren wollte : Diese Jungen tragen Fackeln , um in die Nacht eine Art Rembrandt ' scher Beleuchtung zu bringen . Die schwarzen Mohrenjungen hätten sich unter den Fackeln so prächtig ausgenommen ... sie kommen auch nicht fort . Nein , Nein ! sagte Heinrichson und hielt die Hand mit dem Gummi zurück , nicht zu rasch mit dem Ändern und Vertilgen ! Ein vernünftiges Motiv muß man nicht so bald aufgeben . Leidenfrost ' s Idee scheint nicht einmal die rechte zu sein . Ich glaube nicht , daß Sie der