Entdeckung der Geburt des Fräuleins , die Buckingham höchst unwahrscheinlich zu ihrem Feinde machen konnte . Er fühlte , daß ihm nur eine Annäherung an die höchste und dabei zumeist interessirte Person genügend Aufschluß geben könnte , und er kehrte aus seinem tiefen Nachdenken mit einer Aeußerung zurück , die alle seine Wünsche einschloß , indem sie die mögliche Beschleunigung ihrer Abreise empfahl . Electa ' s Entscheidung war hiebei die wichtigste . Sie bat noch um zwei Tage Ruhe , und die Herren , sich diesem Ausspruch fügend , eilten alle Anstalten so zu treffen , daß jede Sorgfalt mit der möglichsten Eile sich vereinigte . Diese Tage , die Lady Maria in ungestörtem Umgange mit ihren Freunden verlebte , hatten einen so auffallenden Einfluß auf ihre Gesundheit und Stimmung , daß sich kein weiterer Aufschub der Reise nöthig zeigte und sie dies Haus des Schreckens mit völlig leichtem Herzen verlassen haben würde , hätte sie das Schicksal ihrer Wohlthäterin Electa nicht mit Sorge erfüllt . Dies zarte Wesen , dessen Gemüth ohne Kraft und eigne Bestimmungsfähigkeit , den einzigen Anhalt ihres verfehlten Daseins in der selbst gewählten Knechtschaft gegen ihre geistlichen Oberen gefunden hatte , und jede unschuldige Sehnsucht nach der Welt als die schnödeste Sünde in sich verfolgte , der sie doch immer wieder unterlag , fühlte sich nun sogar erschüttert in ihrem Glauben , in ihrer Ergebung gegen diese ihre bisherigen Vorbilder durch die Kenntniß ihrer wahren Gesinnungen , wie sie die letzten Begebenheiten ihr von allen Seiten schonunglos gegeben hatten . Sie lebte nur so lange noch in leidlicher Fassung , als die Wunde der Lady Maria ihr eine ihrer früheren Existenz gemäße Beschäftigung gab . Jetzt , als von dieser Seite ihre Thätigkeit aufhörte und die nahe Abreise der Lady ihr das einzige Wesen zu rauben drohte , zu dem sie sich noch hingezogen fühlte , von dem sie sich geschützt sah , da sank ihr ganzes Wesen in Trostlosigkeit zusammen , und Vergangenheit und Zukunft schien ihr eine ununterbrochene Kette von Unglück und Leiden . Mit zarter Theilnahme suchte Maria den Zustand der Leidenden nach und nach zu erforschen , und wagte es endlich , den Gedanken einer Rückkehr in die Welt in ihr anzuregen . Aber sie fand hier das einzige entschiedene Gefühl der Armen in bestimmter Abneigung dagegen und erfuhr genug , um ein schmerzlich verrathenes Herz zu ahnen , das nur durch gänzliche Flucht aus jeder Beziehung des Lebens Rettung gefunden hatte . Sinnend sah sie der unentschlossenen Leidenden nach dieser gewonnenen Ueberzeugung gegenüber , muthlos selbst ihrer Zukunft gedenkend , als sie plötzlich von einem Gedanken ergriffen ward , dem sie schnell die Frage folgen ließ , ob sie den Aufenthalt des Pater Clemens kenne ? Electa schien von dem bloßen Namen wie electrisirt , und augenblicklich gab sie das Kloster in Frankreich an , wohin der Pater sich zurückgezogen hatte . Nun , rief Maria lebhaft , so geht zu ihm und unterwerft Euer Leben seiner ferneren Bestimmung ! Engel des Himmels ! rief Electa , sich mit Begeisterung vor Maria hinwerfend , welche Eingebung sprach aus Euch . Ja , Ihr habt das Rechte getroffen ; doch wie soll ich ihn erreichen ? sprach sie plötzlich , zur größten Muthlosigkeit zurückkehrend . Dafür laßt mich sorgen , sprach Maria heiter und sicher ; ich gebe Euch mein Wort , Ihr sollt ihn erreichen ohne Fährlichkeit und Noth . Zugleich stand sie auf , drückte das schüchterne Wesen liebevoll an ihre Brust und begab sich in das Nebenzimmer , wo ihre Freunde sie bereits erwarteten . Mit der ganzen Wärme des Gefühls , das ihr so eigen war , trug sie ihnen ihre Absichten und Wünsche in Bezug auf Electa vor , und beschwor sie , die Mittel dazu ihr anzugeben und einzuleiten . Auch fand sie bei Richmond die lebhafteste Bereitwilligkeit , bei Brixton die wohlmeinendste Absicht . Nur Oberst Crawford beobachtete ein ängstliches Schweigen und gestand endlich , als ihn Maria zur Theilnahme aufforderte , er bezweifle , daß er einen der Bewohner des Schlosses entlassen dürfe , bevor seine Instruktionen aus London angekommen sein würden , da er sich genöthigt sehe , bis dahin alle Vorgefundenen als gleich schuldig und als Gefangene zu betrachten . Er setzte hinzu , wie er hoffe , daß man nach seinem Berichte geneigt sein werde , diese ganze Angelegenheit , da sie in sich als aufgelöst anzusehen sei , der Vergessenheit zu übergeben , und wie er alsdann zu der Erleichterung der Reise des Fräuleins alles beitragen wolle , was in seinen Kräften stehe . O Sir ! rief Maria hier mit lebhafter Unruhe , denkt , daß wir morgen das Schloß verlassen , denkt , welch schmerzliche Unruhe ich mit mir nehme , wenn über dem Schicksal dieses armen Wesens eine trostlose Ungewißheit schwebt und mir nicht selbst vergönnt ist , sie zu ihrer Reise auszurüsten . Vertraut sie mir als Euer Vermächtniß , sprach Crawford ehrerbietig , und heilig soll mir das Interesse des Wesens sein , dem wir zum Theil Euer Leben danken . Mit der pünktlichsten Sorgfalt erfülle ich Eure Befehle , und will ihre Reise , der sich höchst wahrscheinlich keine Hindernisse entgegen stellen werden , so sorgsam und anständig einleiten , daß außer dem Meere selbst , dem ich nicht zu gebieten vermag , nichts ihren eigenen Wünschen nachstehen soll . Ich glaube , theure Lady , sprach Brixton , wir dürfen nicht weiter in Oberst Crawford dringen , da seiner Neigung hier seine Pflicht entgegen tritt , und gewiß können wir ohne Sorge dem edlen Manne unsere Freundin anvertrauen ; Euch wird jetzt nur obliegen , sie selbst mit dieser einzigen und bleibenden Auskunft zu versöhnen . Da auch Richmond , auf den Alles , was Pflicht hieß , stets eine starke Gewalt ausübte , schwieg , so fühlte Maria sich bald selbst zu jener Mäßigung ihrer Wünsche gestimmt , und sie eilte nun , Electa davon zu unterrichten , welche sie