, und seine Freunde zu Zeugen der außerordentlichen Anlagen zu machen , die sie in der Musik und Tanzkunst zeigte . Ich hatte damals etwa achtzehn Jahre , und natürlich konnte mir das schönste Mädchen , das ich noch gesehen hatte , nicht gleichgültig seyn ; aber die angenehmen Eindrücke die sie auf mich machte , streiften nur leicht an mir hin ; ich wußte daß Laiska nicht mein seyn konnte ; es fehlte nicht an hübschen Mädchen in Korinth ; überdieß war ich keiner von denen , die sich einbilden , sie müssen alles Schöne , was ihnen zu Gesichte kommt , haben , es koste was es wolle ; und es gab viele Dinge , die mir noch lieber waren als ein hübsches Mädchen . Eine Abwesenheit von mehreren Jahren brachte mir den kleinen Abgott des alten Leontides gänzlich aus dem Sinne . Als ich nach Korinth zurückkam , fand ich sie auf dem Punkt ihrer schönsten Blüthe , im Besitz der reichen Erbschaft ihres Patrons und einer gänzlichen Unabhängigkeit , von einer Menge Freier und Anbeter umgeben , mit denen sie sich auf einen solchen Fuß setzte , daß keiner ohne alle Hoffnung war , wenige sich eines merklichen Vorzugs , und niemand dessen , wornach sie alle trachteten , zu rühmen hatte . Keinen Zutritt im Hause der schönen Lais zu haben , wurde damals in Korinth für ein unzweifelhaftes Zeichen eines schlecht erzogenen und von allen Grazien verabsäumten Menschen angesehen . Ich unterließ also nicht , von der allgemeinen Freiheit , die sie allen meinesgleichen zugestanden hatte , Gebrauch zu machen , zumal da ich nirgends bessere Gesellschaft , und mehr Gelegenheit mit interessanten Fremden bekannt zu werden , finden konnte als in ihrem Hause . Lais , die ihre eigentlichen Liebhaber so ziemlich auf dem nämlichen Fuß behandelte , wie andere Schönen ihre Schoßhündchen , Katzen , Wachteln und Sperlinge , ermangelte nicht diejenigen zu unterscheiden , deren Anhänglichkeit an sie mehr auf die seltnen Vorzüge ihres Geistes , als auf übel verhehlte Ansprüche an ihre Schönheit , gegründet war ; und da ich das Glück hatte einer von jenen zu seyn , so fand sich unvermerkt , daß ich mich unter die wenigen zählen durfte , denen sie eine schmeichelhafte Art von Achtung dadurch bewies , daß sie von ihren häuslichen Angelegenheiten mit ihnen sprach , sie mit kleinen Aufträgen beehrte , und bei wichtigern Vorfallenheiten sich ihres Rathes oder ihrer Dienste bediente . Dieß , Freund Aristipp , war ungefähr das Verhältniß , worin ich mit der schönen Lais stand , bis sie Milet zu ihrem Aufenthalt wählte , und dort mit dem vornehmen Perser bekannt wurde , der ( wenn ich nicht irre ) nach dir selbst der erste war , der sich ihres Besitzes rühmen konnte ; mit dem kleinen Unterschied , daß du sie besaßest , er hingegen von ihr besessen war154 . Nach ihrer Zurückkunft von Sardes lebte sie eine Zeit lang mit dem Prunk einer morgenländischen Fürstin unter uns ; und während sich jedermann zudrängte ihren Hof vergrößern zu helfen , hielt ich mich so lange in geziemender Entfernung , bis sie für gut fand , sich allmählich wieder auf einen bescheidenern Fuß zu setzen . Ohne den großen Gesellschaften gänzlich zu entsagen , oder ihr Haus vor irgend jemand zu verschließen , der sich berechtigt halten durfte jedes gute Haus offen zu finden , lebte sie jetzt am liebsten mit einer kleinen Zahl auserlesener und vertrauter Personen , und unter diesen fand dann auch dein Freund Learch seinen alten Platz wieder . Ich muß gestehen , daß bei dieser Erneuerung unsrer alten Verhältnisse auf meiner Seite unvermerkt einige Veränderung vorging . Mir war als hätte ich die schöne Lais , sogar in ihrer höchsten Blüthe selbst , nie so unwiderstehlich reizend und liebenswürdig gesehen als jetzt , und der Wunsch , ihr mehr zu seyn als andere , ward immer lebhafter : aber Euphranor hatte sich durch seine Kunst Verdienste um sie gemacht , und ich war zu sehr sein Freund , um ihm den Vorzug , den sie ihm zu geben schien , zu mißgönnen . Inzwischen warest du von deiner langen Wanderschaft nach Athen zurückgekommen . Sie begab sich , nach dem bekannten Abenteuer mit dem jungen Aspendier , auf ihr Gut zu Aegina , wo sie einen Besuch von dir erwartete , und wohin ich , wiewohl eingeladen , ihr nicht eher folgen wollte , als ich für nöthig hielt , um dich noch ein paar Tage dort zu sehen . Aber du hattest dich bereits wieder entfernt , und ich glaubte eine Veränderung an Lais wahrzunehmen , die ich mir nicht erklären konnte , bis ihre Vertraute ( die schon lange auch die meinige ist ) mir den Schlüssel zu dem Räthsel gab . Es brauchte also nichts als einen einzigen jungen Menschen , - der ( wie er mir in der Folge selbst gestand ) mehr aus Schüchternheit und Eigensinn , als aus einem mächtigen Drang den Hippolytus mit ihr zu machen155 , sich bei einer hartnäckigen Gleichgültigkeit gegen ihre Reizungen zu erhalten wußte , - es bedurfte nichts als diese kleine Demüthigung , um ihrer gekränkten Eitelkeit eine unumschränkte Gewalt über die bessere Seele zu verschaffen ! Mit einem kaum verhehlbaren Unwillen war ich ein Augenzeuge der Thorheiten , wozu sie sich erniedrigte ; und sie sank damals beinahe noch tiefer in meinen Augen , indem sie in den Anbetern , mit welchen sie sich umringt hatte , durch alle nur ersinnlichen Hetärenkünste eine Leidenschaft zu entzünden suchte , welche sie nicht zu erwiedern gesonnen war , als wenn sie sich , wie eine gemeine Priesterin der Pandemos , einem nach dem andern Preis gegeben hätte . In dieser Stimmung war ich nicht sehr aufgelegt , ihr Abenteuer mit dem Thessalier in dem mildesten Lichte zu betrachten , wie der Ton , worin ich dir darüber schrieb , nur zu sehr verrathen haben wird . Daß sie aber durch ihren