Länder gerollt . Staaten waren untergegangen , Könige und Fürsten entthront , neue Reiche gebildet und neue Herrscher und Könige ernannt worden . Im Schlosse wie in der Hütte hatte man die überall nachzitternde Kraft der ungeheuren Bewegung empfunden , und wie die Verhältnisse der Länder und ihrer Beherrscher sich geändert , so hatten sich mit diesen Wandlungen auch im Gesammtleben der Menschen wie in den einzelnen Ständen und in ihren Beziehungen zu einander große Veränderungen zugetragen . Von jener Freiheit , welche die Franzosen zu erringen gewünscht , als sie den Thron der Bourbonen gestürzt , die Republik erklärt , den König und die Königin hingerichtet und das Blut derjenigen vergossen hatten , welche sie als Feinde der Freiheit betrachteten , war ihnen unter der tyrannischen Herrschaft ihres ersten Kaisers nichts mehr übrig geblieben ; aber die in der Revolution zur Geltung gekommene Erkenntniß der menschlichen und bürgerlichen Gleichheit hatte in den Geistern eine zu tiefe Wurzel geschlagen , um so schnell wie die politische Freiheit vernichtet werden zu können . Der Zauber , welcher die alten adeligen Geschlechter umgeben , war in jener Zeit für das scharfe Auge des Bürgerstandes in Frankreich erloschen , und weder die von Napoleon ernannten Fürsten und Herzoge , noch jener Theil des alten französischen Adels , der sich an den Thron des neuen Kaisers herandrängte , weil er im Dienen , gleichviel , wem er diente , seinen Vortheil und seine Ehre fand , waren dazu angethan , die frühere Geltung des Adels wieder zu erzeugen . Von einer abtrennenden Gliederung der Staatsangehörigen in drei Stände konnte ebenfalls nicht wohl die Rede sein , nachdem der sogenannte dritte Stand das Ruder des Staates jahrelang in seinen Händen gehabt hatte und seit der Sohn eines corsicanischen Advokaten der Welt Gesetze vorschrieb . Die Verehrung des angestammten historischen Adels war in eine Verehrung der Macht übergegangen , und wenn damit der sittliche Gehalt der Menschen und der Zeit auch nicht eigentlich gehoben wurde , so waren der Verehrung doch weitere Grenzen gesteckt , seit dem Verehrenden sich die Aussicht eröffnete , auf den mannigfachsten Wegen sich selbst zu einem Machthaber und damit zu einem Gegenstande der Verehrung zu erheben . Das militärische Genie , der Gelehrte , der Künstler , der Gewerbtreibende fanden dabei gleichmäßig ihre Rechnung , und was für Napoleon in den Herzen des Volkes , das er unterjochte , dessen Steuerkräfte er übermäßig in Anspruch nahm und dessen Söhne er unaufhörlich zur Schlachtbank führte , am allermeisten sprach , das war die Erinnerung , wie er selber aus den Reihen des Bürgerstandes hervorgegangen , Kinder des Volkes zu Königen und Fürsten erhoben hatte , und wie er in seiner Person die Verkörperung dessen darstellte , was der Ehrgeiz des Genies zu erreichen wünschen mußte und jetzt zu erreichen hoffen konnte . Eben so groß als der Wechsel der Zustände , der sich in Frankreich innerlich und äußerlich ereignet , war die Wandlung gewesen , welche sich in Deutschland durch die Nachwirkung jener ungeheuren französischen Revolution im Bewußtsein und in der Empfindungsweise der Menschen vollzogen hatte . Seit mehr als anderthalb hundert Jahren blind der Bewunderung des französischen Geistes , knechtisch der Nachahmung französischer Sitte und Mode unterthan , war schon vor dem Beginne der französischen Revolution mit dem Auftreten Lessing ' s , Goethe ' s und Schiller ' s der Mahnruf an die Deutschen ergangen , sich ihrer eigenen Macht und Bedeutung , sich ihrer eigenen Abstammung und Größe zu erinnern ; und was die Kraft , was die befreiende Erhabenheit dieser Heroen begonnen , das vollendete die napoleonische Tyrannei , deren eiserne Schwere sich stärker und stärker auf Deutschland herabsenkte . In Blut und Thränen , unter dem Drucke der Fremdherrschaft , in der willkürlich über ihm verhängten Zersplitterung , in der Knechtschaft und in den Banden Napoleon ' s war Deutschland frei geworden von jener französischen Sclaverei , zu welcher es sich so lange selbst verdammt hatte . Französische Sprache , französische Mode und französische Sitten waren dem vor der Revolution flüchtig gewordenen Adel entgegen gekommen , wo immer er sich in Deutschland hingewendet . Eine Begeisterung für die in Frankreich durchgesetzte Neugestaltung der Staatsverhältnisse hatte von vielen Seiten die ersten republikanischen Siege der Neu- diesseit des Rheines begrüßt ; aber auch diese Zeiten waren vorübergegangen . Der deutsche Geist war zum Selbstgefühl erwacht ; an dem Hasse gegen den Uebermuth der fremden Vergewaltiger hatte sich die lange niedergehaltene Liebe für die Muttersprache und für das gemeinsame Vaterland entzündet . Ueberall , wo deutsche Herzen schlugen , wo deutsche Hände die Saat auf den Feldern des Landes ausstreuten und deutscher Fleiß sich in Gewerb und Handel bewegte , hatte man das Unheil der französischen Herrschaft zu tragen . Die Kriegszüge , welche sich vom fernen Westen und vom Süden Europa ' s bis an die östlichsten und nördlichsten Grenzen Deutschlands ausdehnten , sie hatten überall Noth und Elend im Gefolge gehabt , aber eben die gemeinsame Noth hatte die Menschen näher zusammengeführt . Die Vernichtung , die Entbehrung äußerer Güter hatte erkennen gelehrt , was Jeder in sich selbst besitze und welche Quellen der Erhebung und des tröstenden Genusses dem Menschen aus der Beschäftigung mit dem Gedanken erwachsen können ; und wie es bei solch völliger Umgestaltung der Verhältnisse nicht anders zu erwarten war , hatte eine neue Vertheilung des allgemeinen Vermögens sich vorbereitet und war theilweise schon ausgeführt . Das Geld war selten geworden und im Werthe gestiegen . Wer Geld besaß , konnte viel damit erwerben , wer Geld bedurfte , mußte es unverhältnißmäßig hoch bezahlen ; während also das Vermögen des Kaufmannes in den Städten mitunter in überraschenden Verhältnissen emporstieg , ward der Wohlstand des Landmannes , des Gutsbesitzers eben so oft verringert oder gar vernichtet , wo die großen Heeresmassen des Eroberers sich über die Länder wälzten . Preußen vor allen anderen Ländern hatte die Gewalt der Ereignisse fühlen müssen . Erst nach mehrjährigem Aufenthalte in den fernen Ostsee-Provinzen war der flüchtig gewordene König