Genie allen Jammer der Erde und alle Seligkeit des Himmels wie in einer wunderbaren Vision zusammengestellt hat . Während sich der göttliche Heiland auf dem Tabor vor seinen drei auserwählten Jüngern in himmlischer Verklärung zeigt , leuchtend , schwebend , strahlend , Mittelpunkt und Spitze eines überirdischen Lichtglanzes , angebetet von Moses und Elias , die in einer niedrigeren Region schweben ; stehen am Fuß des Berges die übrigen Jünger ratlos , angsthaft und niedergeschlagen dem trostlosen Vater gegenüber , der den besessenen Knaben in seinen Armen hält , der verzweiflungsvollen Mutter gegenüber , die ihnen zürnend vorwirft , daß sie ihr Kind , ihr einziges , ihr vielgeliebtes , nicht retten können , dem Volk gegenüber , das von ihnen dieselben Wunderheilungen wie von ihrem Meister verlangt . Aber der Meister ist nicht bei ihnen und deshalb vermögen sie nichts ! ohne Christus keine Rettung , keine Heilung , kein Trost , kein Sieg über den Geist des Bösen . Ohne Glaube ist der Mensch tot in sich und unbrauchbar zum Gnadenwerk . Aber hoffet nur , ihr Geplagten , ihr Leidenden , ihr Hilflosen ! der Herr ist nah . Glaubet nur ! er selbst steigt aus seiner Verklärung , von seinen übernatürlichen Taborshöhen in eure Finsternis und euer Elend herab . Glaubet nur ! bittet nur ! Er kommt , um euch zu retten und euch von der Übermacht des bösen Geistes zu befreien ! Ein göttliches Bild , jeder Menschenseele verständlich ! aber für Corona ganz voll lebendigster Anklänge , für die jammervolle Gegenwart sowohl , als für die Hoffnung , die der göttlichen Barmherzigkeit vertraut , und umsomehr , wenn die Menschen ratlos sind , welche man sonst als gute Ratgeber kennt . Corona brachte immer einen Strahl des Trostes in ihrer Seele von der Transfiguration zurück . So war es auch heute - und sie konnte ihn brauchen . Als Orest ihren Wagen über den Platz fahren sah , eilte er hinab , hinderte sie auszusteigen , während er Felicitas , die ihre Mutter immer in Obhut ihrer Bonne begleitete , schnell aus dem Wagen hob und dabei zu Corona sagte : » Man kann hier im Hause keinen Augenblick vor Störung sicher sein , bald kommt der Papa , bald Hyazinth - also laß uns nach der Villa Borghese fahren ; ich habe verschiedenes mit Dir zu sprechen . « Er setzte sich zu ihr und sie fuhren der porta del popolo und dem großartigen Park zu , den der Fürst Borghese dem Publikum geöffnet hat . Seit jenem traurigen Gespräch am ersten Morgen ihrer Anwesenheit in Rom war Corona nur auf Augenblicke mit Orest allein gewesen , da er jedes besondere Gespräch mit ihr vermied . Aber die Erinnerung an jenen Morgen war so lebhaft in ihr , daß ihr Herz unwillkürlich erhebte bei dem Gedanken , dies könne vielleicht dessen Fortsetzung sein . Sie faltete ihre Hände unter der Mantille und bat um den Beistand des heiligen Geistes , daß er sie stark zum Hören und sanft zum Reden machen möge . Sie harrte schweigend auf das , was ihr Mann ihr sagen werde . Er sah finster aus und wurde es noch mehr , als er anhub : » Bei Deiner Ankunft in Rom hab ' ich Dich gebeten , Corona , mir behilflich zu sein , unsere Ehe für null und nichtig erklären zu lassen , indem ich voraussetzte , es müsse dem weiblichen Zartgefühl willkommen sein , aus einem Verhältnis herauszutreten , in welchem zwei Herzen keine Befriedigung finden . Ich habe mich aber in dieser Voraussetzung getäuscht . Dadurch hast Du mich zu einer anderen Maßregel gezwungen . Damals bat ich um Deine Zustimmung , Deine Mitwirkung ; jetzt zeig ich Dir nun meinen Entschluß an . Ich werde mich einem protestantischen Bekenntnis anschließen . Da sind Ehescheidungen nichts seltenes , weil man nicht die wahnwitzige katholische Idee hat , aus dem Ehebund ein unauflösliches Sakrament zu machen . Man betrachtet ihn als einen bürgerlichen Vertrag , der seine Gültigkeit verliert , wenn die Herzen erkalten , und man kann sich ohne Umstände zwei- , dreimal wieder verheiraten . Übrigens sind ja die Protestanten ebensogut Christen wie die Katholiken und so steht mein Entschluß unwiderruflich fest : ich werde protestantisch , verlange die Ehescheidung und heirate Judith Miranes , die aus ihrem jüdischen Glauben oder Unglauben zum Christentum übertritt . Auf diese Weise ordnet sich alles und drei Menschen - Du selbst bist mit einbegriffen - finden ihren Frieden und ihr Glück . « Orest sprach mit eisiger Ruhe , wie jemand , der entschlossen ist , sich mit seinem Gewissen abzufinden . Das fühlte Corona . Ihr Schmerz war zu groß , um Worte oder Tränen zu finden : Orest wollte seinen Fall durch seinen Abfall krönen und besiegeln ! es war unmöglich , tiefer zu sinken , unmöglich , mit der Leidenschaft einen höheren Götzendienst zu treiben . » Du bist überrascht , wie es scheint , « nahm er nach einer Pause das Wort ; » denn Du kennst die Liebe nicht ! Du hast keine Ahnung , mit welcher Gewalt sie den Menschen ergreift und antreibt , all ' die Schranken von Menschenmachwerk zu durchbrechen . Ich kann nicht anders , ich habe jahrelang gekämpft und gelitten ! ich halte das nicht mehr aus . Einen anderen Ausweg finde ich nicht - ich wende mich dahin , wo ich Rettung sehe . « » Und glaubst Du wirklich , « fragte Corona bebend , » treulos allen Pflichten gegen Deinen Schöpfer und seine Geschöpfe - und dennoch glücklich sein zu können ? « » Die Treue folgt der Liebe nach . Dem geliebten Weibe bin ich treu . « » Und Gott ? .... und seine Heilsanstalt , die heilige katholische Kirche ? « » Vor deren Übertreibungen hatte ich immer einen Abscheu ! umsomehr jetzt , da mir die Unmöglichkeit klar geworden ist , ihre Forderungen zu erfüllen . Die Überspanntheit stößt