sein Schurzfell , zieht zwei blinkende zinnerne Medaillen hervor und will eine davon dem Manne darreichen ... Dann zieht er sie wieder zurück und sagt : Sie sind ein Studirter ! Herr Lengenich ! Ich bin ein Studirter , aber ich habe eine alte Mutter ! Drüben in den Sieben Bergen wohnt sie ! Ich besuche sie oft ! ... Ihr zu Liebe lieb ' ich - Gott - und ich - ich kann Ihnen zeigen - was ich auf dem Leib trage ... Er deutete auf seine Brust und lüftete ein wenig das Oberhemd , um einige Amulete zu zeigen ... Dann nehmen und behalten Sie ! sagte Lengenich . Es ist die - wie heißt der Name ? Hammaker , aufhorchend , liest die Umschrift und spricht das schwierige Wort aus : Athanasiusmedaille ! Kommt von Rom ! ... Was ist der Mensch ohne diesen Beistand ! Da , Herr , konnt ' ich beichten ! Da , Herr , glaubte man mir ! Wenn hier etwas an unsern Rechten , an unsern Gesetzen gerüttelt würde - St ! Vor wem sollen wir uns fürchten ? Nächsten Sonntag - hm ! - auch in Drusenheim ? Jeden Sonntag bin ich in Drusenheim ! Ich meine - am Abend - am andern Ufer - am Hüneneck ? Sie wissen - ? Zu Joseph Zapf ? Ich sollte fehlen ? Würdiger Mann ! Lengenich sah , daß Hammaker über alles unterrichtet war , was vom Rolandswirth Joseph Zapf in dem Drang der Umstände zum Besten der großen Sache des Landes vorbereitet wurde . Stumm schütteln sich beide die Hände - der Küfer die weiche und zarte des Agenten , dieser die rauhe des , wie es schien , von den geheimen Leitern für die Stunde der Gefahr ausersehenen Vorkämpfers . Stephan Lengenich ging jetzt ... Esel ! - lag zwar in dem ihm nachschauenden Blicke Hammaker ' s , als der Küfer mit dem an die mächtigen Lenden schlagenden Schurzfell von dannen schritt ... aber sein Muth zum Humor verläßt ihn ... er sieht die Menschen an den Straßenecken ... Hundert Thaler ! ... Er liest es jetzt selbst : » Besonders ist es wünschenswerth Auskunft zu erhalten über einen Unbekannten , der an einigen Abenden in der Dunkelheit die Ermordete besucht haben soll « ... Nun hält er sich an einem Mitleser , um nicht umzusinken ... Die Zähne klappern ... die Lippen beben und rechnen : Freitag , Sonnabend , Sonntag ! ... Dreimal vierundzwanzig Stunden noch bis zu dem Augenblick , wo - Einer am Hüneneck sich den Hals brechen muß ! » Unbekannter « ! ... Einer muß ausgehoben werden aus dem Neste - mit allen ! ... Ein Bote Nück ' s - ist er ! Ein Vorredner - ist er ! Ein Freisinniger - ist er ! Diese tödlichen drei Tage ... wenn nur Sonntags neun Uhr alles beisammen ! ... Wer kann das wissen ? ... Hier ! Dort drüben ! Jean Baptiste Maria Schnuphase ... Man fürchtet sich zwar drüben auch vor ihm , wie überall ... Er greift aber zu einem Mittel der Demuth ... Weg mit dem Blick von den hundert Thalern an der Straßenecke - da ist ein elegantes Aushängefenster eines Schusters - die glänzenden Schuhe und Stiefel gestatten ihm , in ihrem Spiegel Toilette zu machen ... Sein Rock ist gewöhnlich , wenn auch nicht so diogenesartig , wie der bei seinem Gönner Nück ... aber seine Wäsche ist sauber , der Hut von derselben grauen Farbe wie der Sommerrock , aber vom feinsten Velpel ... Eine weiße Halsbinde legt sich leicht und lose um sein wohlgenährtes Kinn ... Nicht nur ist er so sauber rasirt , daß man fast hätte annehmen mögen , Jodocus Hammaker hätte überhaupt keinen Bart , sondern die ganze Hautfarbe des Gesichts ist von einer Weiche , die nur durch die seiner Hände übertroffen wird ... Die dunkelblauen Augen haben einen schielenden Glanz , die Nase ist stumpf , dem Munde fehlen einige Zähne ... schweigt aber Jodocus oder blinzelt und lächelt süß oder affectirt eine treuherzige Sicherheit , die wieder mit geschäftlichem Eifer verbunden scheint , so liegt nichts Abstoßendes in dem nächsten Eindruck , dem sogar der des Schmachtenden nicht fehlt ... Dabei ist die Stimme leise , flüstert und lispelt und steht mit der Höflichkeit des Benehmens in Einklang ... Tiefauf seufzt er , sich Muth zu holen ... Denn daß sogleich von der gemeinschaftlichen Freundin , dem Opfer dieser Nacht , würde gesprochen werden , weiß er schon ... er überlegt , daß er sein Gespräch beginnen will mit einer Verlegenheit für ihn , für die Damen ... er weiß , daß dem Anlaß zum Eintreten , den er nehmen will , auch der fünfjährige Spott auf Binden und Knüpfen nahe liegt - dieser Spott , der ihn in acht Tagen nach Amerika führen wird - er wagt aber dies Mittel der Einführung und gibt sich eine Haltung . Hammaker findet das hohe lichthelle » Gewölbe « des steinernen Hauses wie immer in seinem saubersten Glanz . Er findet , umflossen von Weihrauchduft , beide Schwestern zugleich anwesend . Die Nebenthür eines etwas dunkeln Zimmers , das einen Ausgang zum Vorplatz des Hauses hat , ist offen . Vor Hammaker hat Eva nicht nöthig die Thür zu schließen . Vollkommen weiß er , was drinnen zu sehen ist ... Die Schwestern haben dort noch ein Extrageschäft von Herrenhemden ... Diese Geschäftsthätigkeit des » Herrn Maria « war eine willkürliche Ausdehnung seiner Privilegien und brachte ihn mit den Schneidern der Stadt in Collision ; allein er nahm nur die Aufträge verschwiegener Herren an und diese gleichsam nur als Vertrauens-und Freundschaftsaufträge . Auf einem Drehsessel , hochthronend , sitzt da aber auch Herr Maria . Erst vor wenig Stunden ist er angekommen von einer seiner vielen Ausfahrten und schon wieder schreibt er , eine bläulich angelaufene Brille auf der Nase , hochachtungsvollst und tiefergebenst Worte der Mittheilung , die mit allen