ohnehin zu jener Jahreszeit meistens von dem Hause abwesend . Ich war nie so spät im Winter in dem Rosenhause gewesen , daß ich diese Einrichtung hätte kennen lernen können . Mein Gastfreund , Eustach , Roland , Gustav und ich saßen also bei dem Frühmahltische . Das Gespräch drehte sich hauptsächlich um das Wetter , welches so stürmisch herein gebrochen war , und es wurde erläutert , wie es hatte kommen müssen , wie es sich erklären lasse , wie es ganz natürlich sei , wie jedes Hauswesen sich auf solche Wintertage in der Verfassung halten müsse , und wie , wenn das der Fall sei , man dann derlei Ereignisse mit Geduld ertragen , ja darin eine nicht unangenehme Abwechslung finden könne . Nach dem Frühmahle begab sich jedes an seine Arbeit . Mein Gastfreund ging in sein Zimmer , um dort im Ordnen der Pergamente , das er angefangen hatte , fortzufahren , Eustach ging in die Schreinerei , Roland , für den die Zeit trotz des trüben Tages doch endlich auch hell genug zum Malen geworden war , begab sich zu seinem Bilde , Gustav setzte sein Lernen fort , und ich ging wieder in meine Zimmer . Da ich dort eine Zeit mit Lesen und Schreiben zugebracht hatte , und da der Sturm , statt sich zu mildern , in den Vormittagstunden nur noch heftiger geworden war , beschloß ich doch , wie es meine Gewohnheit war , auf eine Zeit in das Freie zu gehen . Ich wählte eine zweckmäßige Fußbekleidung , nahm meinen Wachsmantel , der eine Wachshaube hatte , die man über den Kopf ziehen konnte , und ging über die gemeinschaftliche Treppe hinab . Ich schlug den Weg durch das Gittertor auf den Sandplatz vor dem Hause ein . Dort konnte der Südwestwind recht an meine Person fallen , und er trieb mir die Tropfen , welche für einen Winterregen bedeutend groß waren , mit Prasseln auf meinen Überwurf , in das Angesicht , in die Augen und auf die Hände . Ich blieb auf dem Platze ein wenig stehen und betrachtete die Rosen , welche an der Wand des Hauses gezogen wurden . Manche Stämmchen waren durch Stroh geschützt , bei manchen war stellenweise die Erde über den Wurzeln mit einer schützenden Decke bekleidet , andere waren bloß fest gebunden , bei allen aber sah ich , daß man außerordentliche Schutzmittel nicht angewendet habe , und daß alle nur gegen Verletzungen von äußerlicher Gewalt gesichert waren . Der Schnee konnte sie überhüllen , wie ich noch die Spuren sah , der Regen konnte sie begießen , wie ich heute erfuhr , aber nirgends konnte der Wind ein Stämmchen oder einen Zweig lostrennen und mit ihm spielen oder ihn zerren . Die ganze Wand des Hauses war auch im übrigen unversehrt , und der Regen , der gegen dieselbe anschlug , konnte ihr nichts anhaben . Ich ging von dem Sandplatze über den Hügel hinunter . Der Schnee hatte schon die Gewalt des Regens verspürt , welcher ziemlich warm war . Die weiche , sanfte und flaumige Gestalt war verloren gegangen , etwas Glattes und Eisiges hatte sich eingestellt , und hie und da standen gezackte Eistrümmer gleichsam wie zerfressen da . Das Wasser rann in Schneefurchen , die es gewühlt hatte , nieder , und an offenen Stellen , wo es durch die löcherichte Beschaffenheit des Schnees nicht verschluckt wurde , rieselte es über die Gräser hinab . Ich ging , ohne auf einen Weg zu achten , durch den wässerigen Schnee fort . In der Tiefe des Tales lenkte ich gegen Osten . Ich ging eine Strecke fort , ging dort über die Wiesen , und ließ das Schauspiel auf mich wirken . Es war fast herrlich , wie der Wind , welcher den Schnee nicht mehr heben konnte , den Regen auf ihn nieder jagte , wie schon Stellen bloß lagen , wie die grauen Schleier gleichsam bänderweise nieder rollten , und wie die trüben Wolken über dem bleichen Gefilde unbekümmert um Menschentum und Menschenwerke dahin zogen . Ich richtete endlich in der Tiefe der Wiesen meinen Weg nordwärts gegen den Meierhof hinauf . Als ich dort angelangt war , erfuhr ich , daß der Herr , wie man hier meinen Gastfreund kurzweg nannte , heute auch schon da gewesen , aber bereits wieder fortgegangen sei . Er hatte mehreres besichtigt und mehreres angeordnet . Ich fragte , ob er heute auch barhäuptig gewesen sei , und es wurde bejaht . Da ich den Meierhof besehen hatte und in verschiedenen Räumen desselben herum gegangen war , sah ich erst recht , was ein wohleingerichtetes Haus sei . Der Regen fiel auf dasselbe nieder wie auf einen Stein , in den er nicht eindringen , und von dem er äußerlich nur in Jahrhunderten etwas herab waschen könne . Keine Ritze zeigte sich für das Einlassen des Wassers bereit , und kein Teilchen der Bekleidung schichte sich zur Loslösen an . Im Innern wurden die Arbeiten getan wie an jedem Tage . Die Knechte reinigten Getreide mit der so genannten Getreideputzmühle , schaufelten es seitwärts , und maßen es in Säcke , damit es auf den Schüttboden gebracht werde . Der Meier war dabei beschäftigt , ordnete an , und prüfte die Reinheit . Ein Teil der Mägde war in den Ställen beschäftigt , ein Teil richtete auf der Futtertenne das Futter zurecht , ein Teil spann , und die Frau des Meiers ordnete in der Milchkammer . Ich sprach mit allen , und sie zeigten Freude , daß ich sogar in dieser Jahreszeit einmal gekommen sei . Von dem Meierhofe ging ich über den mit Obstbäumen bepflanzten Raum gegen den Garten hinüber . Das Pförtchen an dieser Seite war unter Tags selbst im Winter nicht gesperrt . Ich ging durch dasselbe ein und begab mich in die Wohnung des Gärtners . Dort legte ich meinen Wachsmantel , unter dessen Falten das Wasser rann , ab und setzte mich auf