wichtigen Vorbereitungen getroffen waren , machten es sich die abenteuerlustigen Midshipmen in einem oberen Gemach des heute leeren Kaffeehauses bequem , luden ihre Pistolen und warteten schwatzend die bezeichnete Stunde ab . Wir müssen sie dort einige Augenblicke verlassen , gewiß , sie am rechten oder vielmehr unrechten Orte wiederzufinden , und uns wieder zu den politischen Ereignissen des Tages wenden . - Während Caraiskakis in der Wohnung des Barons beschäftigt und dieser ausgegangen war , erschien ein türkischer Soldat , der Letzteren sprechen wollte . Es war derselbe , den Gregor als Boten vom Schiff benutzt und dessen getreuer Bestellung er hauptsächlich seine Befreiung durch den Baron zu danken hatte . Der junge Grieche war sehr erfreut , den früheren Gefangenen hier wiederzufinden , nach dem er , einen Urlaub der Mannschaft benutzend , sich bei dem Baron erkundigen wollte . Er erzählte Caraiskakis , daß am Vormittag wieder der Engländer an Bord gekommen und sehr erstaunt und erzürnt gewesen sei , ihn nicht mehr zu finden . Dabei kam es denn heraus , daß er auf einen Gegendienst für seine Bemühungen zur Befreiung Gregor ' s hoffte , und daß er beabsichtigte zu desertiren , indem ihm , gewaltsam zum Dienst gepreßt , dieser täglich unerträglicher wurde . Eine glühende Sehnsucht schien das Herz des jungen Mannes nach seiner Heimath zu verzehren , und bittere Thränen rollten über seine Wangen , als er sein trauriges Schicksal erzählte . Man hatte ihn mit Gewalt und ohne daß er eine Ahnung seines Schicksals hatte , plötzlich aus seinem stillen Leben und von seinem kleinen Eigenthum in Anatolien gerissen , als er eben im Begriff war , ein geliebtes Mädchen zu heirathen . Mit Erstaunen über die seltsamen Fügungen des Schicksals entnahm Caraiskakis aus der Erzählung , daß der arme Soldat Vaso , der erwählte Eidam seines treuen Freundes und Schützers Jani ' s des Wegweisers , der Bräutigam Nausika ' s war , der von der Willkür des Musselim von Tschardak unter die Redifs gesteckt und später zum Schiffssoldaten gemacht worden war . Einige Fragen gaben ihm die volle Gewißheit und der junge Mann umfaßte weinend seine Kniee , als er hörte , daß der Mann , dem er in seiner Gefangenschaft freundliches Wohlwollen bewiesen , ein Freund seines Schwiegervaters war und bereits sein Unglück kannte . Die Theilnahme Gregor ' s war durch diese Entdeckung natürlich verdoppelt und er versprach dem Soldaten , ihm auf alle Weise zu seiner Flucht behilflich zu sein . Da er es für das Beste hielt , ihm Nichts von dem Geschehenen zu verschweigen , enthüllte er dem Unglücklichen nach und nach auf seine stürmischen Fragen das ganze Unheil , das die Familie seit der Zeit ihrer gewaltsamen Trennung betroffen hatte . Die Augen des jungen Anatoliers funkelten vor Schmerz und Rachedurst , als er vernahm , daß seine Braut mit Gewalt hinweggerissen und ihr Schicksal unbekannt war , daß Janos ihre und seine Schmach blutig an dem Musselim gerächt und eben so blutig geendet hatte , und ein gewisser Stolz kam ihm bei seinem Leid zu Hilfe in dem Gedanken , daß der berühmte Räuber , von dem er so viel gehört , ohne zu wissen , daß er ihm so nahe stand , der Mann war , der ihn zum Eidam gewählt hatte . Caraiskakis überließ den Flüchtling seinem Schmerz und als er sich mit der Leidenschaftlichkeit seines Volkes ausgeklagt , suchte er ihn zu beruhigen und versprach ihm , daß er bei ihm bleiben und ihn in einigen Tagen begleiten solle auf dem Wege nach Norden . Als der Baron zurückkehrte , wurden rasch einige andere Kleider für den Burschen herbeigeschafft , und da bereits Nachricht eingegangen war , daß die Griechen sich auf dem Okmeidan versammelten , begaben sich alle Drei dorthin . Gregor ' s Seele hatte keine Ahnung , daß die schöne Odaliske , in deren Arm er die Nacht geruht , die geraubte Braut seines neuen Schützlings , die Tochter Jani ' s war , von der jede Spur verloren gegangen schien . - Wir haben jetzt die einzelnen Vorgänge des Tages nachgeholt und nehmen die Erzählung bei dem Zuge vom Okmeidan wieder auf . Es war jetzt Abends um die achte Stunde und die Nacht zu dieser Jahreszeit bereits eingetreten . Die Blitze zuckten am Horizont und der ferne Donner grollte über die Marmora , der heftige sturmartige Wind aber jagte die Wellen in ' s Horn und peitschte die Fahnen des langen Zuges , welcher vom Pfeilplatz aus sich durch Cassim-Pascha und hinter den großen Begräbnißplätzen fort nach der Straße wenden sollte , die zum Ufer von Tschiragan hinunter führt . Die Natur selbst schien sich gegen die Demonstration der Griechen verschworen zu haben , und von verschiedenen Seiten war bereits der Vorschlag gemacht worden , den Zug auf den andern Morgen zu verschieben . Ueberall sah man angsterfüllte Gesichter , als die Kunde sich verbreitet hatte , daß auch die Türken in der Sophia , in der Achmetje und Mahmudje sich versammelt hatten und die Fortsetzung des Krieges erzwingen wollten . Viele schon hatten sich rechts und links in die dunklen Seitengassen verloren und nur mit Mühe noch gelang es den Führern , den Zug zusammenzuhalten und vorwärts zu bringen , denn sie begriffen sehr wohl , daß , wenn erst ein Mal die Demonstration heute aufgegeben worden , schwerlich Aussicht vorhanden war , so bald wieder die feige und uneinige Bevölkerung zusammenbringen zu können . Dennoch sollten alle Bemühungen fruchtlos sein . Als die Spitze der Colonne zu der Höhe von Cassim-Pascha in der Nähe der Artillerie-Kaserne , von wo ein freier Blick durch die Berghänge sich nach dem gegenüberliegenden Stambul öffnet , emporgestiegen war , brach auf ein Mal ein wilder Schrei des Schreckens aus hundert Kehlen und verbreitete sich durch die lang dahin gedehnte Volksmasse . Vom Feuerthurm des Seraskiats erglänzte nämlich das rothe , eine Feuersbrunst verkündende Licht und deutlich konnte man von der Höhe des Berges schauen , wie