wieder einzufinden , welcher keinem Gemälde des Menschlichen fehlen darf . Hermann mußte , sobald er mit ruhigem Blicke seine wunderbare Lage übersehen hatte , über die ihm angefallnen Reichtümer sehr nachdenklich werden . Das alles gehörte ihm vor der Welt und von Rechts wegen , und doch war dieses Recht nur ein Schein , denn - er war nicht der Neffe seines Oheims . Durfte er gleichwohl der Wahrheit in diesem Falle die Ehre geben , das Verborgne enthüllen , und die Asche auch seiner Mutter noch im Grabe beunruhigen ? Sein Innerstes empörte sich dagegen2 . Im Widerstreite der Pflichten wollte er wenigstens tun , was möglich war . Er ließ daher der Herzogin den Rückkauf der Standesherrschaft unter Bedingungen anbieten , welche das Geschäft einer Schenkung so ziemlich nahe brachten . Wilhelmi , welcher die Unterhandlung leitete , hatte ihm aber bald die ablehnende Antwort der Dame zu eröffnen , da sie sich mit der ausgeworfnen Apanage begnügen könne , und jede Verwicklung in die Dinge der Erde scheue . Auch einem Besuche , zu dem er um die Erlaubnis gebeten hatte , versagte sie sich . » Schwerlich wird sie dich jemals wiedersehn mögen « , äußerte Wilhelmi bei dieser Gelegenheit ; » Frauen ihrer Art haben eine Unwiderruflichkeit der Stimmungen , ähnlich der Gnadenwahl . Wer ihnen einmal unangenehm geworden ist , bleibt es , auch wenn sie sich von der Nichtigkeit ihrer üblen Meinung überzeugt haben . Sie wird es dir nie vergeben , daß du Flämmchen auf ihrem Schlosse bei dir gehabt hast , obgleich sie durch den Arzt nun wohl wissen mag , daß die Sache damals die schuldloseste von der Welt war . « Cornelie zog sich , je mehr Hermann der Welt und den Menschen anzugehören begann , wieder sichtlich von ihm und in ihr Innres zurück . Sie mied die Gesellschaft und ihn , wo sie konnte . Eine stille Verlegenheit war an ihr bemerkbar ; es schien ihr an dem Orte , wo ihr Herz , durch gewaltsame Angriffe erschüttert , sich verraten hatte , unwohl zu sein . Hermann blickte zu ihr , wie zu einem höheren Wesen auf , er wagte keinen Wunsch , er erlaubte sich keine vertrauliche Benennung , er gestattete sich nicht , ihre Hand zu ergreifen . Eines Tages sagte sie zu Wilhelmi , daß sie bereit sei , mit ihm abzureisen . Er stutzte . » Nun wollen Sie von hier fort ? Nun ? « fragte er . » Veränderliches Kind ! « » Und warum nicht ? Ich bin hier nicht mehr nötig . Er ist gesund . Also lassen Sie mich in die Dienstbarkeit wandern , der ich von jetzt an doch verfallen bin . « Wilhelmi sann nach . » Wir wollen der Standesherrschaft einen Besuch abstatten « , sagte er , » mein Freund und ich . Von dort kehre ich über diesen Ort nach * zurück , und dann können Sie mich begleiten , wenn Sie noch bei Ihrem Vorsatze beharren . « Er ging zu dem Prediger und hielt mit diesem und mit dessen Gattin Beratung . Darauf schrieb er einen langen Brief an Johannen . Hermann hatte diese erst sehen wollen , wenn noch einige Zeit verflossen wäre . Er sehnte sich , und scheute sich doch , mit der Schwester wieder zusammenzutreffen . Letztes Kapitel Wieder glänzte der klare Herbsthimmel über Park , Schloß und Hügeln , wieder blühten die Georginenbeete der Fürstin , und die Abendsonne verklärte abermals die gelbroten Kronen der Bäume . In großem Ernste hatten die beiden Freunde den Tag über alle die Zimmer , Säle , Stätten und Plätze durchwandert , welche sie nun unter so gänzlich veränderten Umständen wiedersahn . Jetzt saßen sie ausruhend in dem bekannten Gartenkabinette . Dort lag noch ein von der Herzogin vergeßnes Buch aufgeschlagen . Hermann nahm es , und drückte sein tränenfeuchtes Auge auf die Blätter , welche ihre zarte Hand berührt hatte . Wie ward ihm , als er einen Blick hineinwarf ! Es war wieder ein Band von Novalis und das Märchen von Hyazinth und Rosenblütchen , welches ihm einst im Försterhause so prophetisch begegnet war . Er seufzte und legte das Buch weg . Wilhelmi hatte nachgesehen und sagte : » Im Bilde stellen oft die unsichtbaren Lenker unsre Geschicke an beiden Seiten des Lebensweges auf . Erinnerst du dich noch unsrer Gespräche über den Wahn , ferner über die Verflüchtigung des Eigentums ? Das alles ist an dir nun eingetroffen . Und wie viele andre Vorzeichen wurden uns gegeben ! Schon vor Jahren , bei unsrem Ritterspiele machtest du hier den Herrn , und Cornelie wurde zur Königin des Festes ausgerufen . In unsern Geschichten « , fuhr er mit Erhebung fort , » spielt gleichsam der ganze Kampf alter und neuer Zeit , welcher noch nicht geschlichtet ist . Fürchterlich hatte der Adel an seiner eignen Wurzel gerüttelt , seine Laster brachten trostlose Zerrüttung in die Häuser der Bürger . Der dritte Stand , bewehrt mit seiner Waffe , dem Gelde , rächt sich durch einen kaltblütig geführten Vertilgungskrieg . Aber auch er erreicht sein Ziel nicht ; aus all dem Streite , aus den Entladungen der unterirdischen Minen , welche aristokratische Lüste und plebejische Habsucht gegeneinander getrieben , aus dem Konflikte des Geheimen und Bekannten , aus der Verwirrung der Gesetze und Rechte entspringen dritte , fremdartige Kombinationen , an welche niemand unter den handelnden Personen dachte . Das Erbe des Feudalismus und der Industrie fällt endlich einem zu , der beiden Ständen angehört und keinem . « » Und der diesen rechtmäßig-unrechtmäßigen Erwerb nimmer mit Ruhe um sich gelagert sehen würde , hätte er sich mit seinem Gewissen nicht wenigstens abzufinden vermocht « , sagte Hermann . » Dir , meinem Getreusten will ich hierüber meine Entschließungen eröffnen , damit dir das Bild des Freundes rein und unentstellt bleibe . Ich fühle die ganze Zweideutigkeit meiner Doppelstellung . Laß dir also sagen ,