, zu danken . Es schien mir , als ob er gern das Gespräch mit mir fortgesetzt hätte , doch der Unteroffizier , der uns führte , erinnerte , daß es Zeit sei aufzubrechen , und ich verließ mit Schmerz einen Ort , wo ich nach langem Leiden die erste Erquickung gefunden hatte , nachdem ich dem menschenfreundlichen Gutsbesitzer noch meinen Namen gesagt hatte , den er zu wissen begehrte . Erwärmt und gesättigt faßte ich von Neuem den Entschluß , mich so lange als möglich aufrecht zu erhalten , um der Gefahr , in ' s Lazareth zu kommen , zu entgehen , und es war auf unserm zweiten Tagesmarsche , den ich mit höchster Anstrengung als Gesunder machte , als ich den Gutsbesitzer , der uns so wohl aufgenommen hatte , bei uns vorbeifahren sah . Er grüßte uns freundlich , und ich weiß nicht , was ich mir daraus Gutes vorhersagte , aber sein Anblick richtete meinen Muth auf und ich erreichte die Stadt als Gesunder , wo unser ferneres Schicksal entschieden werden sollte . Wir waren auf dem Markte aufgestellt , und sahen nicht ohne schmerzliche Empfindungen uns von den Einwohnern mit Neugierde betrachtet , und erwarteten mit Aengstlichkeit die Entscheidung , wohin wir nun mit kraftlosen Schritten wandern sollten . Ich blickte mit Betrübniß auf das Haus , wo der Obere der Polizei wohnte , der unsere weitere Versendung zu besorgen hatte , als sich die Thür desselben öffnete und der mir so wohlbekannte Gutsbesitzer an der Seite dessen heraustrat , der unser Schicksal zunächst zu bestimmen hatte . Mein wohlwollender Bekannter näherte sich mir und fragte mich , ob ich etwas dagegen hätte , wenn er mir den Vorschlag machte , das Ende des Krieges als sein Hausgenosse zu erwarten und indessen die Verpflichtung zu übernehmen , seine Kinder in der französischen Sprache und , worin ich sonst vermöchte , zu unterrichten , vor Allem aber beständig französisch mit ihnen zu sprechen , damit sie sich die nationale Aussprache ganz eigen machen könnten . Ich ging mit Freuden auf sein Anerbieten ein , und in wenigen Minuten war die Sache zwischen ihm und dem Obern der Polizei abgemacht , und ich folgte zum großen Aerger der Italiener , um die sich Niemand bemühte , dem wohlwollenden Manne , dessen Hausgenosse ich werden sollte . Die wenigen Franzosen unter den Gefangenen waren bald auf eine ähnliche Art wie ich selbst untergebracht , und nur die unglücklichen Italiener und Spanier wurden weiter gesendet . Mein neuer Beschützer kaufte mir zu allererst einen Mantel , der , obwohl nichts weniger als fein , mir dennoch höchst erfreulich war , denn ich konnte nun die erstarrten Glieder erwärmen , auch in dem Gasthofe , wo er selbst abgestiegen war , mich durch eine anständige Mahlzeit stärken , und den andern Tag saß ich neben ihm im Schlitten , von wärmenden Decken geschützt , und flog schnell und bequem den Weg nach seinem Gute zurück , den ich so kummervoll und mühevoll vor wenigen Tagen gewandert war . Im Hause meines Beschützers angelangt , fand ich die wohlwollendste Aufnahme . Der lang entbehrte Besitz eines freundlichen , anständig möblirten Zimmers erfreute mein Herz ; ein reinliches , bequemes Lager lockte mich an , doch wurde ich dieses Genusses erst durch ein Bad würdig , das man mir , die Nothwendigkeit erkennend , sogleich bereitete . Die zarte Vorsorge der Gebieterin des Hauses ließ es mir auch an Wäsche nicht mehr mangeln , und da von meinen Kleidungsstücken durchaus keines brauchbar war , brachte man mir für ' s Erste einen Schlafrock meines Beschützers . In diesem so sehr verbesserten Zustande war ich doch einige Tage ein Gefangener auf meinem Zimmer , bis der Schneider des Gutes , ein Eingeborner des Landes , der die Bedienten des Hauses kleidete , seine Kunst zu meinem Besten ausgeübt hatte . Da ich nicht mit ihm sprechen konnte , mußte ich mich seiner Willkühr überlassen , doch wären Erinnerungen auch überflüssig gewesen ; er kannte nur einen Schnitt der Kleider , den er seit Jahren für alle Bedienten des Hauses benutzte . Der Stoff , aus dem mein neuer Anzug verfertigt wurde , war zwar von feinem Gespinnst , ein Fabrikat des Hauses , worin ich nun lebte , doch aus Mangel an Kenntniß und den nöthigen Vorkehrungen so schlecht bereitet , daß er nur in der Ferne eine Aehnlichkeit mit Tuch hatte . Auf gleiche Weise wurde meine Fußbekleidung durch einen Eingebornen besorgt , und um das Werk zu vollenden , schnitt einer der Bedienten , der dieß Geschäft bei seinen Kameraden besorgte , mein Haar , das auf den mühseligen langen Märschen völlig verwildert war , auf eine Weise zurecht , daß ich vor mir selbst erschrak , als ich mich im Spiegel erblickte . Und nun war ich fähig , der Familie des Hauses vorgestellt zu werden . Nennen Sie mich nicht undankbar , verehrte Eltern . Ich erkannte mit dankbarer Seele die wohlthätige Verbesserung meiner Lage , aber ich stand dennoch betrübt vor dem Spiegel und betrachtete mich mit einem erzwungenen Lächeln , durch das ich mich selbst aufzurichten strebte . Ich mußte daran denken , daß ich sonst nur die feinsten , ausgewähltesten Zeuge für würdig hielt meinen Leib zu bedecken , und daß die vorzüglichsten Kleiderkünstler in Paris oft noch von mir getadelt wurden und mich nicht zufrieden stellen konnten . Meine Haut durfte nur Battist oder höchstens die feinste holländische Leinwand berühren , und ich gestehe , ich war nicht frei von Eitelkeit in Bezug auf mein vorzüglich schön gelocktes Haar , und ich hielt Wohlgerüche für ein unentbehrliches Bedürfniß des Lebens , und nun - wie demüthig umhüllt , ja , wie lächerlich entstellt blickte mich mein Bild aus dem Spiegel an , mir allen Muth benehmend , mich vor den Frauen zu zeigen . Der Graf hatte viele Stellen dieses langen Schreibens mit bewegter Stimme gelesen . Die Thränen der zuhörenden Frauen waren häufig