Holzaxt dumpfe Schläge . Der Tag war heiß , die Luft war still , Der Wald schwieg wie beklommen , Nur leise rauschten die Wipfel sich zu : » Sie sind es : die Buckower kommen . « Der Kampf ist nur kurz . Die gräflichen Holzschläger strecken die Waffen und die Sägen und Äxte werden gepfändet . Ein Hurra klingt dreimal durch den Wald . Aber der Sieg ist von keiner Dauer . Die Gräflichen verstärken sich und rücken andren Tags , unterstützt durch die ganze Polizeimacht der Kreise Barnim und Lebus , ins Feld . Die Polizei , bekanntlich ein prosaisches Institut ohne Glauben an Gespenster , hat auch kein Herz für Romantik und Mittelalter , und schickt die Buckower in sehr bestimmten Ausdrücken heim . Die Buckower sprechen noch immerzu Vom Forst und ihrem Streite ; Und doch wo das strittige Waldstück stand , Da stehen jetzt Klafter und Scheite . Und kommt ein Buckower still entlang Halb traurig und halb verbissen , Da singen die Vögel so lustig . Warum ? Die Vögel werden ' s schon wissen . Aber ich habe vielleicht zu lange schon bei den Buckowern verweilt ; wenden wir uns wieder ihrer Stadt zu . Buckow und seine Umgebungen bilden die » Märkische Schweiz « . Freilich geht es der Stadt mit diesem Namen und Anspruch nicht viel besser als mit ihrem Forst , denn Freienwalde tritt mit überlegener Miene in die Schranken und sagt : » Dieser Name ist mein . « Wo liegt denn nun aber die wirkliche Märkische Schweiz ? Wir werden uns einen Dualismus , wie auch sonst wohl , gefallen lassen müssen . Freienwalde ist immerhin eine Dame , Buckow ist eine ländliche Schönheit , die mit nacktem Fuß in den See tritt und unter Weidenzweigen ihr Haar flicht . Nun wähle jeder nach seinem Sinn . Binnen kurzem wird sich solche Wahl erleichtern . Die neuprojektierte Eisenbahn zwischen Berlin und Küstrin führt auf kürzeste Entfernung an Buckow vorüber und einmal in den Verkehr hineingezogen , wird das » Aschenputtel « von heute ihrer bevorzugten Schwester vielleicht schon morgen gefährlich werden . Buckow liegt in einem Kesseltale , dessen Sohle von einem großen See gebildet wird . Dieser See hat die Form eines abgestumpften Halbmonds , ist also bohnen- oder nierenförmig und heißt der Schermützelsee . Wir werden noch weiter von ihm hören . An der konkaven Seite des Sees , ziemlich genau an der Stelle , wo sich das hügelige Erdreich in den See hineinbuchtet , liegt die Stadt , von der aus sich in kürzester Zeit und mit leichtester Mühe die verschiedensten Ausflüge in die Umgegend ermöglichen . Alle diese Ausflüge , verschieden wie sie sind , lassen sich nichtsdestoweniger in drei ganz bestimmte Gruppen bringen : in Spazierfahrten über den See , in Besteigung des Bollersdorfer Plateaus und in Wanderungen durch die Täler und Schluchten der nach Nord und Ost hin gelegenen » Märkischen Schweiz « . Besteigen wir zunächst das Plateau . Wir wählen dazu , statt der Fahrt über den See , einen Umweg und zwar durch jene lieblichen Schluchten und Waldpartien , die von einem Bergwasser , dem Sophienfließ , durchflossen werden . Alles hat hier den mitteldeutschen Charakter . Wer den Harz , wer Thüringen und die sächsische Schweiz kennt , ist manche liebe Stunde unter gleichen Bildern und Eindrücken bergan gestiegen . Tannen und Lärchenbäume fassen zu beiden Seiten die Hügelabhänge ein , Buchen und Birken sind in das Nadelholz eingestreut , der Kuckuck ruft , der Bach plätschert und auf dem frischen Rasen , der das Wandern so leicht macht , liegen die Tannenäpfel oder spielen die Schatten und Lichter der Nachmittagssonne . So auch hier . Über die primitivsten Brücken hinweg – sechs Feldsteine quer durch den Bach – schreiten wir vom linken auf das rechte und wieder vom rechten auf das linke Ufer , bis wir , nach halbstündigem Marsche den Tann ohne Weg und Steg durchbrechend , uns plötzlich auf dem ersehnten Plateau befinden , das wir , den Windungen des Baches folgend , fast wie auf einer Wendeltreppe ohne Stufen erstiegen haben . Aber noch wissen wir es kaum , daß es ein Höhenpunkt ist , auf dem wir stehen , denn das Plateau dehnt sich bis zum Horizont hin wie eine Ebene vor uns aus und erst am Ausgang eines tiefen Ackereinschnittes , der uns einer hier und dort unterbrochenen Wand von Brombeer- und Weißdornsträuchern entgegenführte , blicken wir überrascht in eine völlig senkrechte Tiefe nieder . Zweihundert Fuß unter uns der See . Wir nehmen nun unseren Stand und haben vielleicht das schönste Landschaftsbild vor uns , das die » Märkische Schweiz « oder doch der » Kanton Buckow « aufzuweisen vermag . Links und rechts in gleicher Höhe mit uns die Raps- und Saatfelder des Plateaus , unmittelbar unter uns der blaue , leicht gekräuselte Schermützelsee , drüben am anderen Ufer , in den Schluchten verschwindend und wieder zum Vorschein kommend , die Stadt und endlich hinter derselben eine bis hoch hinauf mit jungen frischgrünen Kiefern und dunklen Schwarztannen besetzte Berglehne . Die Nachmittagssonne fällt auf die Stadt , die mit ihren roten Dächern und weißen Giebeln wie ein Bild auf dem dunklen Hintergrunde der Tannen steht , das Auge aber , wohin es auch durch die Mannigfaltigkeit des Bildes gelockt werden möge , kehrt immer wieder auf den rätselvollen See zurück , der in genau zu verfolgenden Linien unter uns liegt . Auf den rätselvollen See . Noch wissen wir es nicht , aber wir ahnen es , daß er unter anderen Schätzen auch einen Sagenschatz umschließen muß , und unser Führer , ein Buckower Fischer , der uns bis hierher schweigend geleitet , hebt jetzt an : » Dort unten liegt die alte Stadt . Drüben am anderen Ufer , wo Sie die spiegelglatte Stelle sehen , dort hat Alt-Buckow gestanden . Wir kennen die Stelle ganz genau . Von dem Eck dort , wo die Binsen hundert Schritt