wollen , und lächelnd fand man eines Morgens die Baronin auf ihrem Lager liegend . Sanft lächelnd , Amanda ' s Rosenkranz , der sie nie verlassen , in ihrer Hand , war sie wie unter dem Eindrucke eines milden Traumes eingeschlafen . Es war auch ein heller , klarer Herbstmorgen , an welchem man die Leiche der Schloßherrin zu ihrer Ruhestätte in der neuen , von ihr gelobten Kirche führte . Von nah und fern war der benachbarte Adel herbeigekommen , ihr das letzte Geleite nach der prächtigen Familiengruft zu geben . Der erste Reif lag auf dem Rasenplatze vor dem Schlosse und auf dem Kirchhofe , als der von sechs Pferden gezogene Leichenwagen sie überschritt . Wie weiße Rosen hingen die leicht geballten Flocken des Rauhreifs in den Tannenbäumen des Kirchhofes . Die Freifrau Angelika von Arten-Richten war die Erste des jetzt lebenden Geschlechtes , welche zu den Ahnen ihres Mannes in die Gruft herniederstieg , die Erste , welche dieses Weges ging . Der Traum , den sie am Morgen der Kirchweihe geträumt , fand seine Erfüllung . Sie war die Erste , über deren Asche der Pfarrer ihrer Kirche die Seelenmesse las . Als die Beerdigung vorüber war und die Fremden das Haus verlassen hatten , befanden der Freiherr und der Pfarrer sich allein in dem Wohnzimmer der verstorbenen Baronin . Der Freiherr , in tiefer Trauerkleidung , ging langsam auf und nieder . Er trat an das eine , er trat an das andere Fenster . Die weithin sich erstreckenden gradlinigen Hecken von Buxbaum , die scharf zugespitzten Obelisken und Taxus-Pyramiden hatten auch in diesem Herbste durch die späte Jahreszeit noch nichts von ihrer Farbe und Form verloren . Am Ende des Gartens hoben sich die Bäume des sogenannten Bosquets empor , majestätische Kiefern , deren braunrothe Stämme wie die Pinien breite , grüne Kronen trugen , und prächtige Eichen , noch voll von ihrem üppigen und jetzt goldgelb gefärbten Laube . Sie waren immer noch gewachsen . In dem Kamine brannte ein helles Feuer . Sein Schein streifte bald die Portraits der freiherrlichen Eltern , bald die schönen Bilder Amanda ' s und Angelika ' s , die an den Wänden hingen . Dann wieder beleuchtete er die antiken Statuen der Venus und des Amor , die in den Ecken des Zimmers standen . Eine Erinnerung zuckte in dem Freiherrn auf . Ein schöner Herbsttag wie dieser war es , sprach er , indem er vor dem Pfarrer stehen blieb , der traurig an dem Kamine saß , ein Tag wie dieser war es , an dem wir einst diese beiden Statuen hier aufgestellt haben ! Und wieder , wie damals , stehen wir hier allein ! Ich habe auch daran gedacht , entgegnete der Pfarrer , während der Freiherr abermals umherzugehen begann , bis er wieder vor dem Pfarrer stehen blieb . Was ist seitdem geschehen ! Welche Umwälzungen hat die Zeit gebracht , die Welt erfahren , und ich selber , was habe ich erlitten und erlebt ! - Er setzte sich nieder und fuhr sich mit der Hand über die Augen . Aber er schien sich dessen wie einer Schwäche zu schämen , denn er erhob sich augenblicklich wieder , und dem Pfarrer die Hand reichend , sprach er : Und doch muß man sich sagen , was ich damals erstrebte , ist erreicht , und mehr als das ! In Renatus wächst mir der Erbe meines Hauses , der Erhalter unseres Geschlechtes gesund empor . Ich habe meinem Hause und unserer Kirche hier in der Gegend eine schöne , eine erhabene Zukunft gesichert . Arbeiten Sie mit mir gemeinsam daran , mein Freund , daß mein Geschlecht in meinem Sohne einen würdigen Vertreter und unsere Kirche hier zu Lande die Verbreitung finde , welche sie gewinnen muß , um dem aufrührerischen Geiste , um dem thörichten Verlangen nach Freiheit zu begegnen , die jetzt die Zeit beherrschen . Der Einzelne muß dem Leben seinen Tribut bezahlen , das Blut und der Sinn des wahren Adels erben sich fort ! Und wenn auch ich einst die dunkle Straße gegangen sein werde , auf der wir heute unsere theure Todte zu geleiten hatten , wird der Name derer von Arten fortleben von Geschlecht zu Geschlecht . Lassen Sie uns darauf hoffen , versetzte der Pfarrer ; denn Sie haben Ihr Andenken mit unserer Kirche , mit der Verbreitung des allein selig machenden Glaubens in unserer Provinz verbunden , und wie die Zeit auch in ihrem Wechsel kreist , der Geist unserer Kirche ist unwandelbar und wenigstens ihr Bestehen ist dauernd ! Von der Kirche herüber ertönte bei der hereinbrechenden Dämmerung der Gruß , welcher , aus der fernen Vorzeit die Geschlechter der Menschen überlebend , allabendlich durch die katholische Christenheit erklingt . Die Glocken läuteten das Ave Maria . Der Freiherr und der Pfarrer bekreuzten sich beide . Es war still in dem Gemache . Die Nacht sank nieder , ohne daß sie es gewahrten . Sie hofften in ihrem Herzen auf ein ewiges Bestehen dessen , was ihnen werth und heilig war , und vergaßen , daß es nichts Dauerndes giebt , daß Alles sich wandelt und vergeht . Zweite Abtheilung Der Emporkömmling Erstes Buch Erstes Capitel Eine Reihe von Jahren war entschwunden , seit man die Leiche der Baronin von Arten in dem Erbbegräbnisse der neuen katholischen Kirche in Rothenfeld zur Ruhe bestattet hatte , und schwere , blutige Zeiten waren seitdem über die Erde hingegangen . Aus dem schöpferischen Chaos der französischen Revolution hatte sich die finstere , gewaltige Gestalt Napoleon ' s des Ersten emporgehoben , dessen unersättlicher Ehrgeiz die Kriegsfackel über Europa schwang , während Zerstörung , Blut und Thränen den Weg bezeichneten , den sein Fuß von Sieg zu Sieg , von Eroberung zu Eroberung fortschreitend betrat . Vom fernsten Westen Europa ' s bis hin an Deutschlands und Preußens östliche Grenzen waren die Wogen des Krieges , das Bestehende umgestaltend oder verschlingend , über die