zum Haupte dienen konnte ... eben kommt er daher ... Ein Mann mit kühnen Schultern und von freier Rede , ein Fürsprech im neubegründeten Severinus-oder Handwerkerverein ... Eine große , stattliche Figur von herculischem Körperbau , über die Vierzig hinaus , gerötheten Antlitzes , mit dem Ausdruck gutmüthiger , aber reizbarer Beschränktheit ... An dem unter einem langen Oberrock getragenen Schurzfell erkennt man den Küfer ... Wie geht es Ihnen , mein lieber Herr Lengenich ? Ei , Herr Hammaker ! Endlich ein Mann , der sich über die Begegnung mit ihm zu freuen schien ... Haben Sie endlich den Proceß gewonnen ? Welchen ? Den Drusenheimer ! Schlagen Sie den Blutacker los ? Sechshundert Thaler ja wol ? Neunhundert , Herr Hammaker ! Ich schlag ' ihn nicht los ! Eigensinniger Mann ! Neunhundert Thaler ! Viel Moos ! Die Ehre , Herr Hammaker ! Die Ehre ! Die Ehre ! Was ist der Mensch ohne Ehre ! Ein wahres Wort ! Wir , denk ' ich , wir beide wissen es ! Braver Mann ! Aber was nützt Ihnen die drusenheimer Ehre ? Wo ich geboren bin , Herr ! Bin in die Welt mit Ehren hinausgezogen ! Der Acker soll wüst und leer bleiben , bis die Gemeinde und mein Bruder nicht mehr hinter mir rufen : Ab instantia ! Erhaben ! Aber - Verkannt , Herr Hammaker ! Aber - Ein Ehrgefühl muß der Mensch haben , wo ein Nadelstich aus Leben geht ! Wie fühl ' ich mit Ihnen ! Ab instantia - Wegen Mangel an Beweis ! Alle glauben und wissen meine Unschuld ! Nur ein Bruder und die drusenheimer Gemeinde sagen : Laß hier deinen Acker ! Sagen ' s so zweideutig , als wenn ich - Ruchlos ! Ruchlos ! Dornen und Disteln und Steine sollen drauf wachsen - ich bin Bürger in Drusenheim und bleib ' es ! Wenn nur - Seligmann nicht Auftrag hätte - Ihnen zu bieten , was Sie wollen ! Fuld ' s junges Weibchen will einen Pavillon hinter ihrer Villa haben ! Es ist so prächtig draußen ! Waren Sie lange nicht dort ? Ach , meine Heimat ! ... Ach , meine alte Mutter ! ... Guter Herr Hammaker ! Auch Sie verkannt ! Um diesen Acker hab ' ich Thränen vergossen , mehr , als in Drusenheim Wasser fließt ! Das ist kein Wort , Herr Lengenich ! In Drusenheim ist der Bach das ganze Jahr trocken und nur der Saft der Rebe fließt ... Eine Prise ? Zitternd wird sie dargereicht ... freudig angenommen . Lengenich und Hammaker , wie dieser ihm aufgeredet , sind die Opfer des Ab instantia -Absolvirens . Lengenich lebte in der Dunkelheit der Moppes ' schen Weinkeller , wußte nichts von der Oberwelt , nicht einmal etwas von dem Mönche Sebastus , dessen Vater er beschuldigt worden ermordet zu haben , er sah nur immer , wenn es Licht um ihn wurde und er im Severinusverein präsidirte , den Himmel offen und die heilige Jungfrau mit der Wagschale der Themis in der Hand , wie sie ihm zuwinkte und alle Kronen der jenseitigen Gerechtigkeit an ihn austheilte . Seine Stimmung war die des geblendeten Simson , der zuletzt die Säulen der Paläste zusammenreißt ... Einen Proceß gegen den Kronsyndikus zu beginnen hatten ihm Nück und Hammaker entschieden widerrathen - fehlte doch vor allem jenes im ersten Augenblick von ihm an der Leiche gefundene Stück eines grünen Tuches , das so plötzlich damals abhanden gekommen ... Glauben Sie Gespenster , Herr Hammaker ? fragte Lengenich jetzt und wie heimlich . Entschieden ! sagte Hammaker und zitterte , obgleich er nur scherzen wollte ... Ich sah den Mann , den ich soll erschlagen haben , neulich deutlich und als Mönch sah ich ihn , aber hager und lang - das Gesicht war es - Der Deichgraf ? Stephan Lengenich erzählte , daß er kürzlich in den großen Weinkellern seines Principals , des Herrn Moppes , einsam gearbeitet hätte . Düster hätte die Lampe neben ihm gebrannt , mehrmals wäre sie ihm ausgegangen , wie zuweilen geschähe , wenn er gerade an den Fässern arbeitete , die an einem der kleinen vergitterten Fenster stünden , die in einen alten unterirdischen Gang einigen Lichtschimmer fallen ließen . Seit Jahren galt dieser Gang für verschüttet oder zum Aufbewahrungsort für Geräthschaften dienend , die zu den noch in der Nähe befindlichen geistlichen Häusern gehörten . Von seiner Arbeit aufblickend , erzählte Stephan Lengenich , hätte er durch das Gitter das volle Gesicht des Deichgrafen erblickt ... Ich glaube Gespenster , Herr Lengenich ! Aber manchmal ist es auch blos der Dunst von altem Nierensteiner ! Meinen Sie ? In dem Gang steht ein altes Marienbild , nicht weit von einem der Fenster ... Halt ' ich die Lampe drüberher oder thun ' s die Grubenräumer , die zuweilen durchziehen - So lebendig geht ' s da unten her ? Das meiste Leben geben die Ratten , Herr ! ... Aber das uralte Marienbild , das muß ich mir alle Tage betrachten , obgleich ich eigentlich - die Gnadenreiche vergeb ' es mir - Ihre alte verrätherische Geliebte in ihr erkennen ? Die nicht ! Die andere ! Die Geliebte von dem Doctor ! Die gegen Sie aussagte ! Wie aus den Augen geschnitten ! Obgleich das Bild schwarz ist - sie hieß auch Schwarz - Wer ? fragte Hammaker zerstreut folgend ... Lucinde Schwarz - ! Lucinde Schwarz ! ... Hammaker wußte doch sonst alles in seinem Gedächtniß unterzubringen , er hatte auch ein Schubfach für diesen Namen , er wußte das , er konnte es jetzt nicht sogleich wiederfinden , obgleich er erst vor einer Stunde sie zu sehen geglaubt hatte ... er grübelte auch : Sollte der Küfer nichts von dem Mönche Sebastus wissen ? Gerne hätte er alles das gesagt , aber Wichtigeres wälzte sein Inneres ... Sie sind zu fromm ! sagte er ... Statt aller Antwort greift Lengenich in