was ich zu fordern habe . « » Das steht genau verzeichnet auf der Liste . « » Mein Verdienst an der Maschine , ja , gnädiger Herr , was Sie mir aber außerdem noch schuldig sind , das weiß nur ich allein ! « Adrian warf einen sonderbar stechenden Blick auf den Spinner im zerrissenen Kittel , doch schwieg er . » Zuvörderst , « fuhr Martell ruhig fort , » zuvörderst haben Sie mir das Entsetzen zu vergüten , das Ihr schreckliches Erfindungstalent nicht mir allein , sondern Ihren sämmtlichen Arbeitern bereitet hat . « » Eine Liebe ist der andern werth , « sagte Adrian teuflisch lächelnd . » Das meine ich auch , « entgegnete Martell . » Sie haben uns schon so viel ähnliche Liebe geschenkt , daß wir wirklich , ohne ungerecht zu sein , dies nicht mehr stillschweigend mit ansehen können . Darum werden Sie die Güte haben , nicht nur die in Ihrem Dienst verhungerten Kinder ehrlich und anständig auf Ihre Kosten begraben zu lassen , sondern uns auch eine Summe , die wir später näher bestimmen wollen , auszuzahlen , wenn Sie wünschen , daß diese Geschichte nicht mit zur Sprache kommen soll in dem Prozesse , der gegen Sie anhängig ist und der Ihnen vielleicht noch einige ruhelose Nächte verursacht ! Ich fordere dies ganz ruhig von Ihnen , Herr am Stein , als Ihr Arbeiter ; machen Sie aber Umstände , so werfe ich das Arbeiterkleid ab und trete als Verwandter vor Sie , und diese Verwandlung , denk ' ich , wird Ihnen nicht ganz gleichgiltig sein ; denn alsdann fordere ich noch besonders Abrechnung für mich ! « Bei dieser fast spöttisch gegebenen Antwort fühlte Adrian , wie sich sein Herz zusammenzog und erkaltete . Seine Abneigung , sein Haß und seine Furcht , die er immer gegen Martell empfunden hatte , fanden plötzlich die vollkommenste Erklärung . Er ward noch bleicher , seine Augen schienen den armen Spinner durchbohren zu wollen , und die Geldstücken in seiner zitternden Hand , die auf dem Rahmen des geöffneten Fensters ruhte , begannen zu klingen und entglitten eins nach dem andern . Die Gruppen , welche sich unmittelbar vor dem Hause gebildet hatten , drängten jetzt herein , indem die Vordersten mit drohend ausgestreckten Armen schrien : » So ist ' s , Herr am Stein ! Er sagt die Wahrheit ! Martell ist Ihr Vetter und könnte Graf sein , so gut wie Sie ! « » Das könnte er auch und das soll er ! « rief lautschallend dazwischen die Stimme des Maulwurffängers , der in dem Augenblicke , als Martell dem Grafen mit der erwähnten Verwandlung drohte , die Insel erreicht hatte . Sich jetzt an das gaffende Volk der Arbeiter wendend , fuhr er fort , indem er Martells Hand erfaßte und ihn mitten in ' s volle Tageslicht führte , so daß von gleich hellem Sonnenschein der Kopf des Grafen und der des Spinners grell beleuchtet wurden : » Seht her , Ihr Armen , Hungernden und Darbenden ! Das ist Adrian , Graf von Boberstein , und hier steht Martell , Graf von Boberstein , sein älterer Bruder ! Können zwei Brüder einander körperlich mehr gleichen ? « Die Aehnlichkeit war , wie wir bereits anduteten , auffallend an diesem Tage , wo alle Leidenschaften in Martell erregt waren , was bekanntlich die Familienähnlichkeit der Boberstein ungemein erhöhte . Das Volk zweifelte keinen Augenblick . Es stürzte in drängendem Knäuel auf den so unerwartet in den Grafenstand erhobenen Spinner und rief , daß es bis in die fernsten Gruppen auf den See wiederhallte : » Martell ist des Grafen Bruder ! Es lebe Graf Martell ! « Adrian ließ den Schieber sinken und stand auf . Man hörte , daß er röchelnd wiederholt » fort ! Fort ! « rief und schlürfend in seine Zimmer zurückkehrte . Martell stand mehrere Minuten ohne Bewegung , nur an dem Zittern seiner Oberlippe und dem krampfhaften Zucken der Augenbrauen konnte man sehen , daß er lebte . Die Augen hielt er krampfhaft geschlossen . Als er sie wieder öffnete , fielen sie zuerst auf die stattliche Figur des greisen Wenden . » Martell , « redete ihn dieser an , » Martell , Sohn meiner erschlagenen Schwiegertochter , Dein alter Großvater , der leibeigene Knecht Deines Vaters , reicht Dir die Hand zum Gruße . Komm an meine Brust , unglücklicher Sohn ! Sie kennt den Schmerz und weiß ihn zu tragen mit Andern ! « Martell ließ dem Wenden seine kalte , zitternde Hand . Das jetzt wild aufflammende Auge suchte den Maulwurffänger . » Ist es - wahr ? « stammelte er und lehnte seine herkulische Gestalt auf die Schultern Sloboda ' s. » Du bist Martell , Graf von Boberstein , « sagte dieser kurz und rund . » Taufschein und sonstiges Papier liegt schon lange auf dem Landesgericht , und geht der Teufel nicht ganz allein hier herum spazieren , so mußt Du binnen Jahr und Tag sein , was der Schalksknecht da drinnen jetzt ist . Straf ' ihn Gott ! « » Rache ! Rache ! Rache ! « flüsterte Martell und richtete sich in seiner ganzen wilden Größe auf . Indem fiel abermals der Schieber am Fenster herab . Vollbrechts Gesicht grüßte die staunende Gruppe . » Herr am Stein bietet Euch heut ' doppelten Lohn , « sagte der Geschäftsführer . » Eine glückliche Chance , von der er so eben Kenntniß erlangt , hat diesen Umschwung des Geschäftes bewirkt . « » Rache ! « schrie Martell und schlug sich mit beiden Fäusten an seine mit Lumpen bedeckte Brust . Ein Theil der lohnbegierigen Arbeiter war nahe daran , dem so plötzlich großmüthig geworden Grafen ein Lebehoch zuzuschreien , ein Wink Antons genügte jedoch , dies zu verhindern . » Komm , fasse Dich , mein Sohn ! « sagte Sloboda » Gott ist gerecht und mild