zu sehen , fast erwartete . Doch Emmy kehrte allein zurück - und auf Elmerice zueilend , führte sie diese mit froher Geschäftigkeit in das nächste Gemach . Hier waren große Fensterthüren nach dem kleinen Gärtchen geöffnet ; die sternenhelle Nacht , die herein sah , unterstützte das Licht der Kerzen ; es war hell und von dem wunderbaren Gegensatze dieser Beleuchtungen magisch verklärt . Gegen die mittlere Thür stand ein hoher Lehnstuhl , als sei dies ein besonders bezeichnetes Lieblingsplätzchen . Rosen blühten in schönen Gefäßen umher ; am Boden aber , nach der Mitte des Fensters zu , war ein Teppich ausgebreitet , auf dem glänzendes , silbernes Spielzeug lag . Welch eine gediegene Pracht athmete dies hohe Gemach ! Diese seidenen Tapeten , mit Spiegeln und Goldarbeiten unterbrochen ; diese schweren , goldenen und silbernen Gueridons , die Tischchen und Büchergestelle von Gold , Marmor oder seltenen Holzarten und endlich das kleine Positiv , von Engeln getragen , und das künstlich geschnittene , hohe Lesepult von Eichenholz - dahinter die Sitzbank von gleicher Arbeit - Alles jetzt von brennenden Kerzen beleuchtet ! » Sieh - sieh ! « rief Emmy immer fort ; - » ist es Dir so recht - bist Du zufrieden - sag mir - sag mir - habe ich Alles gut besorgt ? « » O , schön - schön , wunderbar schön ist es bei Dir ! « rief Elmerice , ganz berauscht von den Eindrücken , die ihr im wahnsinnigen Eifer aufgenöthigt wurden - und sah dabei liebevoll zu der Alten auf , die , so wie sie die Lippen öffnete , wie angerührt von neuem Entzücken , horchend stehen blieb und über das alte , gefurchte und vergrämte Antlitz alle Sonnenlichter des Glückes , die auf diesen verhärteten Boden noch wirken konnten , treiben ließ . » Nun gehört Dir das Alles wieder ! « sagte sie dann seufzend und sinnend - » Du wirst das Alles wieder bewohnen - und ich werde Dir dienen - und werde Dich sehen - Deine Engelsstimme hören - Deine hellen Augen sehen - und horchen , wie der Boden so leise knistert , als fühle er es gern , wenn Deine kleinen Füße darüber hinfliegen ! Alle Nächte habe ich Deine Blumen begossen - den anderen frisch Wasser gegeben , die welken verscharrt - und Alles gelüftet und den Staub ausgekehrt . Sieh nur , wie es da draußen in Deinem Gärtchen ist ! « - Sie zog sie zur Thüre hinaus , und plötzlich stand Elmerice vor einem grünen Hügel , unter dem Schatten blühender Rosensträuche - und vor ihr ruhete auf einem Ruhebette von schwarzem Marmor die schöne , runde Gestalt einer jugendlichen Frau , in weißem Marmor gebildet . - » Gott , « rief Elmerice - » wer ist das ? O Emmy , Emmy , ist das Deine Fennimor ? « » Das ist meine Fennimor ! « erwiederte Emmy stöhnend und sank über das schöne Bild . - » Du weißt ja , er ließ nach Lesüeur ' s Bilde Deinen Grabstein mit Deiner lieben Gestalt hier meißeln - da - da - hier unten lagst Du so lange ! « Sie stöhnte herzzerreißend . - - Elmerice ward hingerissen ; es stürmte in ihrem Busen ; sie wußte nicht mehr , ob sie Fennimor sei , ob nicht ; aber sie war geneigt es zu glauben und fühlte ein inniges Bedürfniß , hier mit dieser Stelle so vertraut zu sein , als Emmy es begehrte . Eine Fülle von Liebe sprang aus reicher Quelle in ihrem Busen auf . Wie liebte sie diese schöne , kalte Fennimor , diese treu ergebene Emmy mit ihrem finstern poetischen Schmerze ; - wie einem Kinde der Eltermutter , schlug ihr Herz ihr entgegen ! Sie kniete zu ihr - sie umschlang sie - sie legte ihr warmes Haupt an die erkaltende Wange der Alten , die auf Fennimors Marmorhand ruhte . » Emmy ! « sagte sie erst leise , dann immer dringender flehend - endlich mit allen weichen Lauten der Liebe : » siebe auf und liebe mich - ich will Dich ja lieben , wie Deine Fennimor ! « Emmy schien aus ihrer Betäubung zu erwachen , und die letzten Worte trafen ihr Bewußtsein . » Ha , Mädchen , wer spricht da ? « rief sie wild , und riß Elmerice mit sich empor - » war das meines Engels liebe Stimme - Fennimor redet , « sagte sie sinnend - » und ist doch so lange todt , daß braune Locken weiß wurden , und Jugend zum Greise - sag , wie kam das ? « fuhr sie fort und schritt vor , Elmerice mit fester Hand sich nach in das Gemach zurückziehend . Sie sah vor sich nieder ; ihr starker Verstand wollte die magische Gewalt brechen , von der sie beherrscht war ; - sie sann und sann , und blieb vor dem hohen Lehnstuhl in der offenen Thüre stehen . - » Hier starbst Du - hier sah ich Dich als Leiche - Du warst todt - ich war jung damals - und jetzt im höchsten Alter - das ist Alles richtig ! « So weit hatte sie sich durchgearbeitet , da sagte Elmerice : » Ach , liebe doch mich , die Lebende ! « Sie zuckte zusammen - ihre Augen folgten dem Tone ; - da stand das schöne Abbild ihrer Fennimor hell von den Kerzen umstrahlt , von dem Nachthimmel mit blauen Lichtern ätherisch angehaucht . - » Ha , « rief Emmy , » alte Thörin ! - Mein göttlich Kind , da bist Du ja ! Und ich - wo war ich ? - Sag mir , Du bist da , und ich will nach Nichts fragen ; - nein , schweig , mein Engel , sage nichts ! - Die falschen Menschen schwören - beflecke Deine Lippen nicht damit - sehe ich Dich doch - Du