wer könnte wünschen , daß Euer unschuldiges Herz , Euer hochgestellter Geist eine Ahnung gehabt hätte von den bösen Absichten , die man Euch sicher mit größerer Schlauheit zu verhüllen suchte , als Ihr vorauszusetzen vermochtet . Wir konnten nur beklagen , daß uns kein Recht zustand , in Euern mißleiteten Willen mit höherer Gewalt einzuschreiten , als eben das einer kurzen Freundschaft , die das Glück uns gegönnt . Daß ich diese nicht ausreichend fand , erwiederte Maria , daß irgend etwas mich abhalten konnte , sie für meine Autorität anzuerkennen , muß ich mir zum schmerzlichsten Vorwurf machen und kann Eure gütige Absicht , mir Beschämung zu ersparen , nicht wegläugnen ; aber gewiß ist es , und ich halte dies zu meiner Rechtfertigung gern fest , daß meine Lage traurig und ungewöhnlich war , und gewiß geeignet , Neigung und Pflichtgefühl in einem unerfahrenen Wesen in Verwirrung zu bringen . Ganz , fuhr sie nun ruhiger fort , ist es mir noch nicht möglich , den Plan und die Absicht zu durchschauen , um derentwillen man mich dem ehrwürdigen Schutze Eurer Familie , Lord Richmond , entzog . Betrogen scheint mir aber jedenfalls von meinen spätern Feinden der gewesen zu sein , der mich zuerst betrog . Doch betrogen werden um Freiheit und Lebensglück sollte ich , und vielleicht erhielt diese erste Absicht hier noch eine Ausdehnung durch den Haß der Lady Sommerset , welche selbst meinen Tod herbei zu führen suchte . Es wird mir schwer , fuhr sie nach einigem Nachdenken fort , welches keiner der gespannt Lauschenden zu unterbrechen wagte , unter meine Feinde einen Mann zu zählen , der mir Hochachtung und Vertrauen , ja , Dankbarkeit eingeflößt hat , da er mich von der verhaßten Nähe des Lord Membrocke befreite . Er war es zwar , der mich hier in mein Gefängniß führte , aber es schien mir nur zu oft , daß er wider Neigung und Gefühl einem Zwange gehorchte , der seinen lichtvollen Geist in Fesseln hielt , den er mir auch später andeutete , und der ihn als einen Anhänger des Ordens Jesu bezeichnete . Er war Mönch und nannte sich mit seinem Ordensnamen Clemens . Mußte er mich auch hier begraben , so war er doch freundlich bemüht , mich im Schutze meiner Beschäftigungen und einiger wohlthuenden Aeußerlichkeitn zu erhalten , denn diese Zimmer bestimmte er mir selbst und endlich die größte Wohlthat , Margarith theilte er mir zu . Lange habe ich gehofft , er würde es sein , dem ich meine Befreiung danken könnte , und habe ich mich darin getäuscht , so kann ich die Ueberzeugung nicht aufgeben , daß er nur gehindert ward , vielleicht durch eben die Autorität , der er sich so willig beugte , obschon sein Geist über ihr stand . Ich habe ihm daher geglaubt , als er mir die Täuschungen enthüllte , die mich in mein Verderben stürzten , obwol ich nicht einzusehn vermochte , warum ich so wichtig war für einen der mächtigsten und , wie Pater Clemens ihn nannte , einen der verdorbensten Großen des Landes , von dem Lord Membrocke nur als Mittelsperson gebraucht worden war , mich zu entführen , und den er den Herzog von Buckingham nannte . - Herzog von Buckingham ! rief Brixton , so heftig aufspringend , daß Maria zusammenfuhr , ist es möglich , großer Gott , in dessen Händen waret Ihr ? Und kannte er Euch , sagt , wußte er , wen er in Euch hatte ? Theurer Sir , sagte Maria in sanftem Vorwurf , Ihr vergeßt , daß ich selbst mich nicht kenne , daß ich nicht zu sagen wissen würde , ob er mich kannte , hätte er mir selbst einen Namen beigelegt . Doch jedenfalls wußte er mehr von mir , als ich erwarten konnte , denn betrogen hat er mich nur durch diesen Brief und dieses Petschaft , denen ich zu folgen für Pflicht hielt , wie ich denn früher jede andere Art , mich zu überreden , zurückgewiesen hatte . Maria zog hier Beides hervor , es Brixton überreichend . Großer Gott ! rief Brixton , als sein Blick auf diese Gegenstände fiel , es ist Alles verrathen ! Pater Clemens , fuhr Maria mit dem Bestreben , den Erschrockenen zu beruhigen , schnell fort , sagte mir , dieser Brief sei nicht von meinem Oheim , dessen geliebte Handschrift er trägt , er sei nur nachgeahmt , und der Inhalt hätte mich warnen sollen , trotz seiner liebevollen Worte : und dieser Ring , den ich so oft spielend von seinem Finger gezogen , er sei ihm heimlich genommen . Ach theure Lady , sagte Brixton , es ändert wenig ; war der Herzog unterrichtet , daß Beides von Bedeutung sei , so mußte eine höchst wichtige Entdeckung bereits geschehen sein , und Eure Sicherheit bleibt dann noch von einer gefährlichen Seite her bedroht ! Ich hoffe , rief Richmond mit glühender Stirn , keine Gefahr , welche den freien Willen der Lady Maria bedroht , kann eintreten , so lange sie Euch vertraut und mir vergönnt , ihren Willen gegen jede Anmaßung zu vertreten . Wobei Ihr über ein so starkes Gefolge von Milizen , als Euch gut dünkt , ja , über meine eigene Person , so weit es meine Dienstpflicht erlaubt , gebieten mögt , rief Oberst Crawford , mit tiefer Ehrerbietung sich vor Lady Maria neigend . Unsere Abreise muß so sehr beschleunigt werden , als es Eure Gesundheit erlaubt , theure Lady , sprach Brixton , von Gedanken , wie es schien , überfüllt . Ich hoffe , die Frau Herzogin , Eure Mutter , Lord Richmond , wird dem Fräulein vorläufig einen Schutz verleihen , den die hochgeehrte Frau dereinst nicht bereuen wird , gewährt zu haben ; während ich dafür Sorge tragen will , ihr den mächtigen und ehrenvollen Schutz zu verschaffen , zu dem ihre Geburt sie berechtigt . Seid sicher , Mylady