Respekt vor jener , aber Vorsorge gegen diese . Seine Häuser kleben wie Nester an Abhängen und Hügelkanten und sein Straßenpflaster , um das schlimmste vorwegzunehmen , ist lebensgefährlich . Es weckt mit seiner hals- und wagenbrechenden Passage die Vorstellung , als wohnten nur Schmiede und Chirurgen in der Stadt , die schließlich auch leben wollen . Von Löchern ist längst keine Rede mehr ; wo dergleichen waren , sind sie zu einer rinnenartigen Vertiefung geworden , und als Friedrich Wilhelm IV. vor einer Reihe von Jahren Buckow passierte , sah sich die Kommune veranlaßt , die Hauptstraße der Stadt fußhoch mit Sand bestreuen zu lassen . Dieser Beschluß wurde aber nicht gleich gefaßt . Viele hatten vielmehr vorgeschlagen , das Pflaster zu lassen wie es sei , um den König desto eher zu einer milden Beisteuer zu bewegen , in dankbarer Erinnerung » an Rettung aus Lebensgefahr « . Aber der Vorschlag mußte freilich scheitern , weil eben niemand diese Rettung als gesichert voraussagen durfte . So wurde denn Sand gestreut und das alte Pflaster der Stadt erhalten . Für schwache Achsen ist Buckow dasselbe , was Wien für schwache Lungen ist – keiner kommt heil heraus . Buckow war einmal wohlhabend , aber das ist lange her . Im vierzehnten Jahrhundert , auch später noch , blühte hier der Hopfenbau und gab dreiunddreißig Hopfengärtnern reichliche Nahrung . Sie gewannen jährlich weit über tausend Wispel und der Buckower Hopfen war es , der dem Bernauer Bier zu seinem Ruhme half . Noch gibt es Hopfengärten in Buckow , aber ihre Bedeutung für die Stadt ist hin und die überall siegreiche Kartoffel erobert auch hier das Terrain . Kümmerlich schlägt sich die Stadt mit Spaten und Hacke durch ; Kommunalvermögen ist nicht da ; die vier Jahrmärkte werden nicht besucht und die alte Hügelkirche , mit reichem Altar und mächtigen Glocken , würde schwerlich in solcher Stattlichkeit auf die Stadt herabsehen , wenn sie vom jetzigen Buckow gebaut werden sollte . Die Buckower sind ordentliche , fleißige Leute , die sich ' s sauer werden lassen ; aber sei es , daß ihre wendisch-deutsche Blutmischung nicht ganz die richtige ist , oder daß sie ' s nicht verwinden können , vor lieber langer Zeit einmal reich gewesen zu sein , gleichviel , sie haben eine Vorliebe für ' s Prozessieren und gelegentlich auch wohl für die Selbsthilfe . Es existieren darüber viel heitre und viel traurige Geschichten . Eine Geschichte dieser Art , die lustig und traurig zugleich , spielte vor kurzem erst , als die Buckower mit ihrem » Grafen « – dem Grafen Flemming , Besitzer der Herrschaft Buckow – in Streit gerieten . Dieser Streit nahm ein paar Tage lang den Charakter an , als habe sich ein Vorgang aus dem fünfzehnten Jahrhundert in unsre Zeit hineinverirrt ; die Bürger zogen zu Felde , schlugen die gräflichen Mannen in die Flucht , nahmen Posseß vom streitigen Terrain und pflanzten ihr Banner auf dem eroberten Grund und Boden auf . Kurzum eine mittelalterliche Fehde in bester Form . Streitobjekt war ein Forst , den der Graf als seinen , die Stadt als ihren beanspruchte . Die Gerichte hatten zugunsten des Grafen entschieden , aber die Stadt schüttelte den Kopf und so geschah , was eben gemeldet . Ein Bänkelsänger , der just des Weges kam , hörte von dem kaum geschlichteten Streit und das Balladenhafte des Vorganges rasch erkennend , brachte er alles in » neue Reime aus diesem Jahr « . Ich habe das Blatt zufällig in die Hand bekommen und gebe etliche Strophen daraus . Die Bürger von Buckow saßen beim Bier , Das gab ein lärmen und streiten , Sie sprachen vom Grafen und ihrem Prozeß , Von Instanzen , ersten und zweiten . Sie wußten es alle klipp und klar , Daß der Graf die Richter bethörte Und daß der Forst , trotz erster Instanz , Von je zur Stadt gehörte . Drum ( hieß es ) hätten sie appellirt Und sie wußten aus guten Gründen , Daß über ein Kleines , in Woch oder Tag , Die Sachen ganz anders stünden . So klang es . Nur einer saß am Tisch , Der spielte mit Gabel und Teller , Und rief jetzt : » Heh ! zwei Seidel frisch , Zwei bairisch aus dem Keller . « Er leerte das aufgehobene Glas Mit einem einzigen Zuge ( Seine blinzelnden Augen tranken zugleich Aus dem stehen gebliebenen Kruge ) ; Er strich den Schaum sich aus dem Bart Und wetterte über die Tische : » He , Bürger von Buckow , was immer ihr prahlt , ' s sind alles faule Fische . Ihr habt keinen Muth ; dieweil Ihr hie Abschießt eure Pfeile und Bolzen , Läßt draußen der Graf in eurem Forst Die Tannen niederholzen . Ihr habt keinen Muth ; ich sprech es mit Scham , Ihr seid wie andre Philister ; Wer heute die Orgel spielen will , Der braucht ein tiefer Register . Ihr wißt nichts von der hohen Magie , Von dem Zauber dieser Tage , Der Zauber nennt sich fait accompli Und sein Spruch ist : thu und wage . Ihr kommet nie und nimmer zum Ziel Mit Klagen , Akten und Pakten , Es giebt nur eines , das heut hilft : Thatsachen , Griffe , Fakten . Greift zu , verschafft euch selber Recht Mit euren eig ' nen Händen , – Die Schläger des Grafen schlagen im Wald , Wohlan , ihr müßt sie pfänden . « Nun folgen sechs , acht Strophen , in denen beschrieben wird , wie alles dem Redner zujubelt , wie die Bürger sich rüsten und andern Tages wirklich ausziehen , um die » Pfändung der Gräflichen « vorzunehmen . Drei andre Strophen schildern den Zug selbst ; 14 dann endlich treten sie in den Wald . Und als sie sich nahten dem strittigen Grund – Da , vernehmbar aus dem Gehege Herklangen schon durch die stille Luft Der