Tisch und einen Sarg , so sagt man nicht , solange diese Dinge ihre nutzbare Bestimmung erfüllen bringt mir das Tannenholz , das dermalen eine Wiege formiert ; setzt euch an das Tannenholz , welches auf vier Beinen sich zum Tische erhebt , legt mich in das sechsbretterige Tannenholz ; sondern man nennt diese Gegenstände schlechtweg eine Wiege , einen Tisch und einen Sarg , und erst wenn sie ihre vergängliche Bestimmung erfüllt haben , erinnert man sich wieder an das Holz , aus welchem sie gemacht , und man sagt beim Anblicke ihrer Trümmer Dies ist altes Tannenholz , lasset es uns verbrennen ; alles zu seiner Zeit ! Ihre Zeit hat auch die Rose . Wer wird , wenn sie erblüht , um sie herumspringen und rufen He ! dies ist nichts als Pottasche und einige andere Stoffe , in den Boden damit , auf daß der unsterbliche Stoffwechsel nicht aufgehalten werde ! Nein , man sagt Dies ist zurzeit eine Rose für uns und nichts anderes , freuen wir uns ihrer , solange sie blüht ! Während Schiller , der idealste Dichter einer großen Nation , seine unsterblichen Werke schrieb , konnte er nicht anders arbeiten , als wenn eine Schublade seines Schreibtisches gänzlich mit faulen Apfeln angefüllt war , deren Ausdünstung er begierig einatmete , und Goethe , den großen Realisten , befiel eine halbe Ohnmacht , als er sich einst an Schillers Schreibtisch setzte . So niederschlagend dieser ausgesuchte Fall für alle verklärten und übernatürlichen Idealisten sein mag , so wird während des Genusses von Schillers Geistestaten deswegen niemand an die faulen Apfel denken oder mit besonderer Aufmerksamkeit bei ihrer Erinnerung verweilen . Aber der Professor konnte sich von der Vorstellung des ununterbrochenen aktiven und passiven Verhaltens des Gehirnes und der Nerven , als des hervorbringenden lebendigen Ackergrundes , niemals trennen zugunsten des Hervorgebrachten , der moralischen Frucht , als ob eine Ähre und eine Erdscholle nicht unzweifelhaft zwei Dinge , zwei Gegenstände wären . Das kam daher , daß er jedesmal auf diesem Punkte einer kleinen Verwirrung anheimfiel , welche seine Begeisterung für seinen materiellen Gegenstand anrichtete und in welcher er ein wenig zu jener großen Schule derer gehörte , die das Wesentliche vom Unwesentlichen nicht zu unterscheiden wissen ; denn in dem Augenblicke , wo es sich um eine moralische Welt handelt , hört die Materie , so fest jene an diese geschmiedet ist , auf , das Höchste zu sein , und nach dem Edleren muß man trachten , sonst wird das , was man schon hat , blind und unedel . Es reizte Heinrich , auch in dieser Frage die Welt seinem Gotte , zwar immer in dessen Namen , unabhängig gegenüberzustellen und einen moralischen freien Willen des Menschen , als in dessen Gesamtorganismus begründet und als dessen höchstes Gut , aufzufinden . Sogleich sagte ihm ein guter Sinn , daß , wenn auch dieser freie Wille ursprünglich in den ersten Geschlechtern und auch jetzt noch in wilden Völkerstämmen und verwahrlosten einzelnen nicht vorhanden , derselbe sich doch einfinden und auswachsen mußte , sobald überhaupt die Frage nach ihm sich einfand , und daß , wenn Voltaires Trumpf » Wenn es keinen Gott gäbe , so müßte man einen erfinden ! « viel mehr eine Blasphemie als eine » positive « Redensart war , es sich nicht also verhalte , wenn man dieselbe auf das Dasein des freien Willens anwende , und man vielmehr nach Menschenpflicht und - recht sagen müsse Wenn es bis diesen Augenblick wirklich keinen freien Willen gegeben hätte , so wäre es » des Schweißes der Edlen « wert , einen solchen zu erringen , hervorzubringen und seinem Geschlechte für alle Zeiten zu übertragen . Gegenüber den materialistischen sowohl als den mystischen Gegnern des freien Willens , den Leuten von der Gnadenwahl , steht die rationelle Richtung , die Vernunftgläubigkeit von Gottes Gnaden , die Bekennerin des bestimmten und unbeschränkten freien Willens , göttlichen Ursprungs , unzweifelhafter Allmacht und der untrügliche Richter seiner selbst . Aber diese Richtung hegt , bei diesem Anlasse , ebensowenig Achtung vor dem Körperlich-Organischen und dessen bedingender Kontinuität als die Materialisten von der gröbsten Sorte vor dem vermeintlichen Abstraktum , und ihr absoluter rationalistischer freier Wille ist ein kleiner Springinsfeld , dessen Leben , Meinungen und Taten eben auch nicht weiter reichen , als es gelegentlich allerlei Umstände erlauben wollen . Heinrich , welcher seinen bisherigen Meinungen nach ganz dazu angetan war , sich zu dieser Fahne zu schlagen , hatte jetzt schon zuviel Aufmerksamkeit und Achtung für das Leibhafte und dessen gesetzliche Macht erworben , als daß er es unbedingt getan hätte . Vielmehr geriet er auf den natürlichen Gedanken , daß das Wahrste und Beste hier wohl in der Mitte liegen dürfte , daß innerhalb des ununterbrochenen organischen Verhaltens , der darin eingeschachtelten Reihenfolge der Eindrücke , Erfahrungen und Vorstellungen , zuinnerst der moralische Fruchtkern eines freien Willens keime zum emporstrebenden Baume , dessen Äste gleichwohl wieder sich zum Grunde hinabbögen , dem sie entsprossen , um dort unablässig aufs neue Wurzeln zu schlagen . Diesen Prozeß , sagte er sich , kann man am füglichsten mit einer Reitbahn vergleichen . Der Boden derselben ist das Leben dieser Welt , über welches es gilt hinwegzukommen auf gute Manier , und kann zugleich den festen derben Grund aller Materie vorstellen . Das wohlgeartete und geschulte Pferd ist das besondere , immer noch materielle Organ , der Reiter darauf der gute menschliche Wille , welcher jenes zu beherrschen und zum freien Willen zu werden trachtet , um auf edlere Weise über jenen derben Grund wegzukommen ; der Stallmeister endlich mit seinen hohen Stiefeln und seiner Peitsche ist das moralische Gesetz , das aber einzig und allein auf die Natur und Eigenschaften des Pferdes gegründet ist und ohne dieses gar nicht vorhanden wäre , nicht » gedacht werden könnte « , wie die Juden sagen . Das Pferd aber würde ein Unding sein , wenn nicht der Boden da wäre , auf welchem