verstorbenen Tochter unter den Kämmen am Boden sitzen , in einer Stellung , als wolle sie die abfallenden Wollflocken einsammeln ! - Fast zu gleicher Zeit wiederhallten noch mehrere Säle von ähnlichen Entsetzenstönen . Ueberall wurden die Maschinen gehemmt , überall die Arbeit sofort eingestellt . Adrians Wunsch ging wirklich in Erfüllung . Die unglücklichen Aeltern , die ihre verhungerten Kinder in der stürmischen Sylvesternacht dem Despoten als Neujahrsgabe vor die Thür gelegt hatten , trugen die Wiedergefundenen auf ihren Armen heim in ihre Hütten . Die Freude , die dem Gesammtwillen der Darbenden dahingegebenen Opfer jetzt wieder zu besitzen , unterdrückte jede andere Herzensregung bei sämmtlichen Aeltern , und ohne den boshaften Hohn zu empfinden oder zu ahnen , der sich in dieser Wiederbescheerung kund gab , verließen die Trauernden , die Kinderleichen im Arm , die Fabrik . Wie sie in die Maschinensäle gekommen und daß nur Adrian der Veranstalter dieser Ueberraschung sein konnte , darüber dachten die Betheiligten nicht nach . Um desto größer und anhaltender war das Grauen aller Uebrigen . Die Hand jedes Einzelnen erlahmte , seine Pulse stockten , Schwindel erfaßte Alle , als stünden sie dicht an einem unergründlichen , höllentiefen Abgrunde , in den eine finstere Gewalt sie hohnlachend hinabstoßen wolle . Diesem allgemeinen Grauen und Entsetzen folgte ein Moment unbeschreiblicher Aufregung . Man dachte zwar nicht , was doch nahe gelegen und worin der rohe Sinn der Menge die sicherste Genugthuung für die ihr angethane Beleidigung ohne Zweifel gefunden hätte , an Zerstörung , Aufruhr , Brand und Mord , aber man fühlte das unabweisbare Bedürfniß , jetzt unmittelbar etwas Gemeinsames , etwas Wohlüberlegtes zu unternehmen . Zuvörderst ward die Arbeit eingestellt . Vollbrecht selbst , der nicht weniger erschüttert und empört war , als die Arbeiter , ließ die Maschinen hemmen und befahl , den Dampf auszulassen . Als dies geschehen war , versammelte man sich im größten der Säle . Dieser faßte ungefähr die Zahl der anwesenden stimm- und berathungsfähigen Männer . Die Kinder und Frauen wurden heimzugehen bedeutet oder mußten sich ruhig verhalten . Sie zogen sammt und sonders das Letztere vor und blieben . Diese über drei Stunden dauernde Arbeiterberathung hier zu schildern , kann nicht unsere Absicht sein . Sie würde den Gang der Begebenheiten nur unnöthig aufhalten und unsere Leser vielleicht langweilen . Auch würde sie ihres Zweckes in so fern verfehlen , als die während jener Versammlung gefaßten Beschlüsse an diesem Tage , wie auch später nicht sogleich zur Ausführung kamen , indem andere Ereignisse dazwischen traten und Allem eine andere Wendung gaben . Tiefer in seinem Wesen als Martell konnte Niemand erschüttert sein . Dennoch wußte er sich zu mäßigen und erhielt , wie er wünschte , im Namen seiner Mitgenossen zum zweiten Male den Ehrenposten eines Sprechers . In der zehnten Stunde endlich verließen sämmtliche Arbeiter die Fabrik , um von Adrian den Lohn in Empfang zu nehmen . Vollbrecht eilte ihnen der Abrede gemäß voraus , um die Ankommenden dem Herrn zu melden . Damit kein nutzloser , nur störender Zudrang entstehen möge , war beschlossen worden , daß bis auf die zehn Abgeordneten , die man erwählt hatte , Niemand an der Verhandlung mit Adrian Theil nehmen sollte . Es schieden sich daher die Nichtbetheiligten einstweilen in einzelne Gruppen , die müßig theils in der Nähe des Hauses , theils auf dem See hin und wieder gingen . Martell war sehr bleich , als er an das Schiebefenster trat , aus welchem der Millionair an drei tausend seiner Sclaven mit zögernder Hand den kargen Zehrpfennig für wenige Tage mit verdrießlicher Miene und falschem Auge reichen wollte . Die scharfkantige , hohe Stirn , der feste Mund mit dem ironischen Schmerzenszuge , das düstere Auge und der starke schwarze Haarwuchs , dessen natürliches Gelock ihm finster und drohend in die Stirn hing , gaben Martell das Ansehen eines entschlossenen Richters , der im Begriff steht , ein unwiderrufliches Todesurtheil zu fällen . Nach kurzem Zögern klang das Fenster und Adrian , in einem Morgenrocke von kostbarem Seidenstoff gekleidet , nahm Platz auf dem Lehnsessel , den ihm ein Bedienter an das Fenster schieben mußte . Auch Adrian war bleich und um seinen Mund spielte ebenfalls ein seltsames ironisches Lächeln . Sein kleines boshaftes Auge funkelte unter den stark hervorspringenden Stirnknochen wie das einer giftigen Schlange . Die Blicke Martells und Adrians berührten sich und Beide erbebten innerlich , Jeder vor dem Andern . Wer in diesem Augenblicke den beiden sich tödtlich hassenden Männern einen Spiegel hätte vorhalten können , würde wahrscheinlich ein noch größeres Wunder bewirkt haben , denn nie sahen sich zwei Menschen einander ähnlicher . » Du bist pünktlich , Martell , « sagte Adrian mit erkünsteltem Lächeln , indem er sich von Vollbrecht eine Schwinge mit Silbergeld reichen ließ und diese vor sich hin stellte . » Das freut mich , denn ich liebe pünktliche Arbeiter . « Martell schwieg , seine Brust hob sich in wildem Kampf . Er rang vergeblich nach der ihm so nöthigen Ruhe . Inzwischen suchte Adrian auf einer langen Tabelle den Namen Martells , um zu sehen , wie viel Lohn der Feinspinner zu fordern habe . » Hier , Martell , nimm ! « sagte er vornehm kalt . » Du verdienst es zwar nicht , daß ich so freundlich mit Dir verkehre , denn Du hast mich letzthin an den Feiertagen , wo ich Dein so väterlich gedachte , durch Deine harte und lieblose Antwort recht sehr beleidigt . Aber ich will Nachsicht haben und Dir Dein Unrecht nicht weiter nachtragen . « Adrian hielt das Geld aus dem Fenster , doch Martell rührte keine Hand , um es in Empfang zu nehmen . Langsam erhob er seinen strafenden Blick zu dem Grafen , und indem ein schreckliches Lächeln seine todtenbleichen Züge überzitterte , versetzte er : » Lassen Sie uns erst Ahrechnung halten mit einander , Herr am Stein , ehe Sie mich ablohnen . Sie wissen nicht ,