Thränen . « Emmy zuckte zusammen und ergriff mit beiden Händen ihre Stirn . » Kann es denn sein ? « fragte sie zagend . » O sprich , « fuhr sie leise bebend fort - » bist Du mein Herzenskind - der Abgott meines Lebens - bist Du Fennimor ? « » Fennimor ? Fennimor hieß meine Großmutter , « rief Elmerice . » Deine Großmutter ? - Du - Du bist nicht Fennimor ? « stöhnte Emmy Gray , - » Bedenke Dich , Kind , « rief sie mit halber Geistesverwirrung - » Du hast ihre blauen Augen - das sind ja ihre braunen Locken - ihre runden Kinderwangen - ihre langen , weißen Finger - so trug sie den Kopf halb zur Seite geneigt . Ach , sage doch - gestehe es doch ein - sieh , das sind ja Fennimors Thränen - da schimmern ja ihre kleinen , weißen Zähne ! - Du wirst doch nicht nein sagen ? Denke doch - denke doch ! « Ein lautes , krampfhaftes Schluchzen zerriß Emmy ' s Brust - sie verhüllte ihr Gesicht . Elmerice bebte und dachte an Nichts , als an den Trost , den sie mit ihrer Liebe ihr zu geben trachtete , mochte sie ihr auch gelten , für was sie wollte . » Emmy , Emmy Gray ! Ich will Alles sein , was Du willst ; - Deine Fennimor - oder ihre Enkelin - ich will Dich lieben , wie Beide ! Nur weine nicht mehr - und vertreibe mich nicht von Dir ; - laß mich bei Dir - nie will ich von Dir gehen - nur weine nicht ; - das bricht mir das Herz . « Die Alte gab den zarten Händen nach , welche die ihrigen wegzogen , und erfaßte mit neuem Vertrauen den süßen Wahn , den jeder Zug , jeder Ton des lieblichen Wesens ihr bestätigte . » Komm , mein Engel ! « sagte sie leise - » ich schließ Deine Zimmer auf - Du sollst sehen , wie gut ich sie gehütet habe - da ziehst Du ein - Du , die Herrin dieses Schlosses ! Ich will aufstehen und Dir Dein Bettchen machen - es ist Alles gelüftet , an die Sonne gekehrt und geklopft - ich lege Dir das kleine Kissen unter Dein Köpfchen , wie Du es liebst - der Fußschemel mit der seidenen Decke steht vor dem Bettchen . Ach , weißt Du wohl noch , wie Du mit Deinen kleinen Füßen darauf schlugst , als wolltest Du unartig sein und lächeltest doch dazu , daß ich all Deine kleinen , weißen Zähne sehen konnte ! Komm nur , mein Engel - hast Du auch schon Deine Milch getrunken und Dein Obst gegessen ? - Komm nur - ich bringe es Dir - ich habe Dir Alles aufgehoben - Deine schönen Tellerchen und Täßchen - es ist spät - Du mußt schlafen gehen . « Unaufhaltsam , wie ihr ganzer Karakter , folgte Emmy dem Strom ihrer Phantasie . Diese blühende , jugendliche Fennimor , die kein Zeichen der Krankheit trug , versetzte sie schnell in die Zeit der Jugend ihres Lieblings , wo sie ihrer Pflege allein anvertraut war , und der neckende Frohsinn dieses lieblichen , jungfräulichen Kindes ihr Herz entzückt hatte . Mit leisem Drucke wies sie Elmerice von ihrem Lager , um aufzustehen und auszuführen , was sie so eben ausgesprochen . Die Taufe , die diese so eben mit Fennimors Namen bekommen , schien sie auch in den Bann von Emmy ' s Gefühlswelt zu ziehen . Wir sehen sie stumm , freundlich hingebend an die Phantasien der armen Alten sich anschließen und betrachten ihre Hingebung , ohne sie mit anatomischen Finger berühren zu wollen ; selbst eine Ahnung ihres Busens , die sie in vergeltender Liebe der Alten unterordnete , gern möglich haltend . Bald stand Emmy , wie in vergangener Nacht , gerüstet ; aber sie wankte nicht , obwol Elmerice durch Nichts gehindert ward , sie zu stützen . Was in ihr angeregt war , trieb sie , von dem heftiger wiederkehrenden Fieber gesteigert , anscheinend mit der alten Kraft vorwärts . Bald hatte sie Kerze und Schlüssel ergriffen , und Elmerice ward der geheimnißvollen Thür entgegen gezogen . Mit welchem Herzklopfen trat sie in die verhängnißvollen Zimmer , die sie mit tiefem Dunkel umhüllten . Denn was vermochte das Licht einer Kerze in diesen großen Räumen ! Selbst Emmy ' s leitende Hand verließ sie bald , und sie hörte sie , immerfort leise und freundlich redend , nach einer andern Gegend des Zimmers zu gehen . Bald entzündeten sich mehr und mehr vielfach vertheilte Kerzen , und die Wohlthat , sich durch eigne Anschauung zurecht zu finden , kam ihr zu Hilfe . In dem Maaße schwanden auch die Schrecken . Wie hätten sie sich hier sollen anknüpfen lassen , wo die sorgfältigste Liebe mit Fleiß und Ausdauer eine schöne , mit Geist und Geschmack geordnete Einrichtung behütet hatte ? Hier war nicht die eingeschlossene Luft lang unbewohnter Räume ; nicht Moder , nicht Staub hatte hier Platz gefunden . Neben dem dauernden Geruche , den kostbare Möbel von edlem Holze verbreiten , waren hier in schönen , reichen Gefäßen aus Japan und China die köstlichsten , frischen Blumen aufgestellt , deren Duft die Luft erfüllte , und welche , als die einzigen Bewohner dieser stillen Räume , ein um so ungestörteres , frischeres Leben führten . Daneben standen die breiten , bequemen Möbel , wie der Glanzpunkt des Luxus unter Ludwig dem Vierzehnten sie hervor rief ; alle geordnet oder ungeordnet , wie der Gebrauch es herbeigeführt hatte , so lebenswarm , so bewohnt scheinend , daß Elmerice , plötzlich erschrocken , von ihren Beobachtungen abließ , der Alten nachblickend , die in einem Nebenzimmer dieselben Vorkehrungen mit dem Anzünden der Kerzen zu machen schien , wie hier , und die sie jetzt mit dem geheimnißvollen Bewohner wiederkehren