Ich erklärte mich zu allem bereit , was nur im Umfange menschlicher Kräfte stehe ; man nahm meine Versprechungen nicht an , und der Alte bediente sich harter Ausdrücke gegen mich , die ich seinem Kummer zu vergeben hatte . So ist denn diese Ruine zur Hölle geworden , die im engen Raume drei unselig Leidende vereinigt . Ich bin keiner Entschließungen fähig , mein ganzes Wesen ist eine blutende Wunde , in welcher die scharfen Messer der grimmigsten Reue wühlen . Hast Du ein Wort , ein Zeichen für mich , was mir Rat oder Lindrung geben kann , so laß es mir werden ! IX. Derselbe an Denselben * den 8. November 1795 Lies den anliegenden Brief Babettens , und schaffe Hülfe ! Die Verzweiflung überspringt alle Schranken , wer das Mittel bei sich trüge , uns aus der greulichen Not zu retten , dem könnte ich den Degen auf die Brust setzen , und ihn um das Mittel ermorden . Hermann , unser Schwur , geleistet über den vereinigt-rinnenden Blutwellen der Freunde ! Nun ist die Gelegenheit da , nun beweise , daß Du ihr Dasein fühlst ! Ich sage nicht mehr ; Du mußt mich verstehen , oder der Bund zweier Männer war eine Posse , eine gemeine Lüge . Beilage - Babette an den Grafen Heinrich Sie stürmen und dringen an der Türe meines Zimmers , um mit mir zu reden ; ich wiederhole , was ich Ihnen schon durch meinen Vater sagen ließ , daß ich nimmer mit Ihnen mehr spreche . Was Sie von mir zu erfahren haben , sei diesen Zeilen anvertraut . Ich habe gestern die Absicht gehegt , mir das Leben zu nehmen , welches mir völlig gleichgültig ist , seit ich weiß , daß Sie ein unehrlicher Mann sind . Ich stieg auf die Spitze des Felsens hinter der Burg , und wollte mich von seiner jähen Höhe hinunterstürzen in die schwarze Tiefe , daß da drunten mein zerbrochnes , blutiges Gebein von den Wogen des Waldstroms fortgeschwemmt werden möchte . Mein alter unglücklicher Vater war mir nachgegangen , und hat mich zurückgehalten . Was er mir über die Sünde dieses Schrittes , soweit es nur mich allein betrifft , gesagt , habe ich nicht verstanden , denn mein Leben ist so ganz unnütz geworden , daß ich nur glauben kann , ein so verwelktes und zerknicktes Blütenblatt werde am besten dahin getan , wo der Kehricht ist . Allein das zweite Leben , welches mein verfluchter Schoß empfangen , darüber darf ich allerdings nicht verfügen , ohne zur Mörderin zu werden . Hievon haben mich die Reden meines Vaters überzeugt . Ich soll also nicht sterben und kann nicht leben . Ihren Antrag , sich scheiden zu lassen , und mich zu heiraten , verabscheue ich . Dadurch würde ich mir einen neuen Frevel aufladen , und mich an Ihrem Ehebruche beteiligen . Meine Ehre will ich gleichwohl von Ihnen wiederhaben , und diese mir zu schaffen , gebiete ich Ihnen . Wie es geschieht , gilt mir gleich , ich bin völlig willenlos , alle Dinge sind mir recht , die geschehn , den einzigen Wunsch , den ich noch habe , zu erfüllen . Was man mir vorschlagen wird , es sei noch so fremd und widerwärtig , ich genehmige es schon jetzt , ohne es zu kennen . Wenn Sie in dieser Beziehung etwas ausfindig machen , so haben Sie mir es zu melden , ohne Beisatz und Redensart , die mich von Ihnen anwidern , da ich Ihnen nichts mehr glaube , nicht einmal Reue und Scham . X. Hermann an den Grafen Heinrich Abschrift Bremen , den 16. November 1795 Es gibt Dinge , die nichts weiter zulassen , als die Handlung , alles Reden darüber ist unnütz . Was hülfe es mir , Dir meine Betrachtungen über die trostlose Geschichte mitzuteilen ? Es ist nun dahin gekommen , - was ich immer vorausgesehen , und Dir vorhergesagt habe , - daß Dein Sinn Dich vor einen Punkt führen würde , wo Dir Blick und Aussicht , ja Bewußtsein verschwinden müßte . Aber wie gesagt , hier gilt es die Tat , die Worte sind leere Spreu . Aus den Briefen des Mädchens sehe ich , daß sie keine Metze , keine Närrin ist , die mit Phrasen umgeht ; der Lapidarstil , in dem sie an Dich schreibt , zeugt von einer starken Seele . Und ein solches Wesen hat mein Freund entwürdigt , und sein Kind soll ein Bankert heißen ? Dem soll nicht so sein . Du nennst mich kalt , der Kalte wird Dir seine Kälte beweisen . Wenn Du diese Zeilen empfängst , bin ich schon unterwegs . Ich werde vor Babetten hintreten und sie fragen , ob sie meine Hand annehmen will , und ob ich ihre Schande mit meinem ehrlichen Namen zudecken soll ? Dich wünsche ich nicht zu treffen ; diese Sache ist nur zwischen dem Mädchen und mir ; Dein Anblick würde mir nur unnütze Schmerzen machen . Antworte mir nicht , danke mir nicht , laß uns überhaupt eine Zeitlang , bis die Gemüter sich einigermaßen beruhigt haben werden , für einander nicht vorhanden sein . Ich weiß , was ich tue , opfre mich für Dich , gebe ein Leben und seine Freuden dahin , Dir zu helfen . Ein solches Gefühl will geschont sein , und wird durch jedes Anrühren , auch durch das wohlgemeinte , nur noch quälender aufgeregt . In seinen Tiefen werde ich mit der Zeit , wo nicht Trost , doch Beschwichtigung schöpfen . Was mir schon jetzt Halt und Stärke gibt , ist die Empfindung , daß ich ja gewußt habe , wie alles sich fügen würde . Graf und Bürger sollen die Hand einander nie zu so engem Bunde reichen , sollen bleiben , wohin der Stand einen jeden gestellt hat . Den einen treibt sein Geschick in das Weite und Freie , den andern