am Feuer und Rauch zu trocknen . In diesem trostlosen Zustande fühlte ich nur noch dunkel die Nothwendigkeit , mich fortwährend zu bewegen , wenn ich mein Leben erhalten wolle . Mit höchster Anstrengung setzte ich meine Wanderungen fort , selbst völlig erblindet , denn der Wind trieb mir den Schnee in ' s Gesicht ; dieser blieb an den Augenliedern hängen , die sogleich zufroren . Endlich waren meine Kräfte erschöpft ; trotz der großen Kälte bemeisterte sich eine unwiderstehliche Schläfrigkeit meiner , und ich glaube , ich würde nach wenigen Minuten niedergesunken sein und würde , wie so viele Tausende , mein Leben durch die Gewalt der furchtbaren Elemente verloren haben , wenn nicht eine rauhe Hand die meine ergriffen und mich in eine kleine Hütte gezogen hätte , der ich mich , ohne es in meiner Blindheit zu bemerken , genähert hatte . Die große Hitze in der Hütte ließ den Schnee schmelzen , mit dem mein Gesicht bedeckt war , und meine Augen öffneten sich . Ich erkannte , daß ich mich unter Kosacken befand , die hier die Nacht zugebracht zu haben und der Kälte draußen eine gleiche Hitze in ihrer Hütte entgegensetzen zu wollen schienen . Dieser plötzliche Wechsel der Luft betäubte mich vollends , und ich sah die Gestalten sich nur wie Schatten in dem in der Hütte verbreiteten Rauch bewegen . Der Anführer dieses kleinen Trupps bemerkte es vielleicht , daß ich dem Tode nahe war . Er trat zu mir , schüttelte meine Hand , und das braune , kriegerische Gesicht blickte mich gutmüthig an ; er sprach einige Worte , die mich vermuthlich ermuntern sollten ; ich verstand aber seine Gebehrden besser ; er reichte mir nämlich eine Flasche hin und deutete an , ich solle trinken . Ich that es und fühlte , wie die Wärme des Getränks wohlthätig auf mich einwirkte , zugleich aber meine Müdigkeit sich erhöhte . Auf einige Worte ihres Anführers hatten zwei Kosacken mir die völlig durchnäßte Uniform ausgezogen . Sie bekleideten mich mit einem gemeinen Soldatenmantel und setzten mir eine ähnliche Mütze auf . Ich ließ Alles mit mir geschehen , ich war völlig betäubt und willenlos ; ich weiß nur noch , daß ich auf einen für mich bereiteten Haufen Stroh sank und in einen so tiefen Schlaf fiel , daß ich nichts mehr vernahm , was in der Hütte vorging . Ich mochte mehrere Stunden geschlafen haben , als ich durch heftiges Rütteln aus diesem todtenähnlichen Zustande erweckt wurde . Man deutete mir an , daß wir weiter ziehen müßten , und reichte mir grobes Brod , gesalznes Fleisch und gemeinen Branntwein als Frühstück . Ich verschlang diese dürftige Nahrung und sah mich dann vergeblich nach meiner Uniform um ; sie war verschwunden , zugleich vermißte ich meine Uhr , mein letztes Besitzthum von Werth , und die wenigen Goldstücke , die ich bei mir getragen hatte . Ich sah also wohl , daß mein tiefer Schlaf von den behenden Kosacken nicht unbenutzt gelassen war . Da ich aber den Kriegsgebrauch kannte , so erhob ich keine vergebliche Klage und bequemte mich , in der demüthigen Kleidung eines gemeinen französischen Soldaten mit meinen Ueberwindern , die sich im Uebrigen aber menschlich zeigten , den Weg in eine trostlose Gefangenschaft anzutreten . Ein kurzer Schimmer von Hoffnung leuchtete mir noch ein Mal . Wir stießen auf einen Theil eines französischen Regimentes . Die Kosacken wurden angegriffen , sprengten nach ihrer Art zu fechten sogleich aus einander und entflohen einzeln mit Blitzesschnelle dem überlegenen Gegner , und ich blieb in der Gewalt der Franzosen . Ehe ich aber noch Gelegenheit finden konnte , mich mit dem Officier zu erklären , stießen wir auf neue Feinde , und nach einem kurzen Gefecht , in welchem der Officier blieb , geriethen wir in deren Gewalt , und meine Befreier waren meine Mitgefangenen geworden . Ich will nichts von dem Elende erwähnen , das ich auf den endlosen Märschen erdulden mußte , ehe wir das Armeecorps erreichten , dem das uns führende Regiment zugeordnet war . Ich verdankte es der Kraft der Jugend , daß ich diese Mühseligkeiten überstand , denen die meisten meiner Unglücksgefährten unterlagen . Endlich war dieß traurige Ziel erreicht , und die wenigen noch lebenden Gefangenen , die der Obrist des russischen Regimentes , das uns genommen hatte , vorstellen konnte , wurden einer großen Anzahl zugesellt , die nach dem Innern des Reiches geführt werden sollte . Hier traf ich Franzosen , Deutsche , Italiener und Spanier im bunten Gemisch , aber Alle in gleichem Elend . Unsere Namen wurden hier flüchtig verzeichnet , und da meine höchst armselige Erscheinung in der zu Lumpen gewordenen Kleidung eines gemeinen Soldaten , hätte ich die Wahrheit angegeben , meine Glaubhaftigkeit verdächtig gemacht haben würde , so nannte ich mich bloß Evremont , Officier des Regimentes , das ich geführt hatte . Aber auch dieß konnte bei der unglaublich großen Anzahl Gefangener , die stündlich eingebracht wurden , nicht weiter beachtet werden . Da ich nur mein Wort dafür hatte und meine Erscheinung dem widersprach , auch unter den gegenwärtigen Gefangenen Niemand war , der mich kannte , so traf mich das Loos , als gemeiner Soldat mit einer Anzahl , worunter wenige Franzosen waren , meist Italiener , einen Weg anzutreten , dessen ich mich mit Schauder erinnern werde , so lang ich lebe . Unsere Nahrung war der Masse nach zwar hinreichend , aber von der gröbsten Art , so daß sich meine Natur dagegen sträubte und ich beinahe dem Hunger unterlag , und ich gestehe , daß ich , menn wir durch kleine Städte zogen , in welchen Bäcker wohnten , die schlechte Waizenbrote zum Verkauf ausgelegt hatten , alle Kraft der Seele aufbieten mußte , um meine Hand nicht danach auszustrecken , und mich hielt nur die Furcht vor den schimpflichen Folgen davon zurück , denn auch in diesem Elende blieb mir das Gefühl , daß ich Ihnen , meine