Der verfluchte Hundsjude hat sich nicht bekehren wollen , und der Pater versichert , daß ihm angst und bang bei dem Sünder geworden sey : dermaßen habe der Teufel , der in ihm sitzt , geschnauft und gefaucht und geknurret , so oft der Pfaffe mit Gebet und Beschwörung angesetzt . « - » Ist denn der Sohn bei dem Sterbenden ? « fragte der Richter , und der Wärter schüttelte den Kopf . Das Kopfschütteln begann wieder , als er den Befehl erhalten hatte , David zu Jochai zu führen . » Gott genade unsern Ohren ! « sprach der Brummbär , nach den Schlüsseln suchend : » das verdammte Volk wird ein Geschrei und Geklage anheben , daß man sein eigen Wort nicht versteht , und es hilft doch zu nichts . Der Schurke muß dennoch fort . « - Der Oberstrichter wiederholte kalt und bestimmt seinen Befehl , und ließ sich indessen Jochai ' s Gemach öffnen . Da lag der Greis , ausgestreckt auf einem elenden Lager , das doch immer im Vergleich mit seinem vorigen modernden Strohbette eine köstliche Ruhestelle war , - ganz allein , ohne Hülfe , ohne Labung , und nur der Tod war bei ihm , begriffen in seinem traurigen Geschäft . Das Gesicht hatte schon beinahe die Züge angenommen , die der alte Arzt Hippokrates als die letzten bezeichnet ; die Brust hob sich ängstlich und keuchend , weil in ihr das Leben sich sträubte gegen das Erlöschen , während schon die Glieder regungslos ruhten , unvermögend , den armseligen Wasserkrug , der zu Haupten des Bettes stand , an die fieberisch zitternden Lippen des Sterbenden zu bringen . Der Oberstrichter erwies diesen Dienst dem Hülflosen , er unterstützte dessen Haupt , und sprach sanfte Worte zu ihm . Das Labsal der kühlenden Tropfen und der milden Rede rief den Entschlummernden zur Besinnung zurück , und die starren Augen belebten sich wieder , und sahen in der feindlichen Amtstracht einen Menschen an dem Bette des Todes stehen . - » Der hochgelobte Gott soll Euch vergelten , « sprach der Greis , welcher den Oberstrichter gar wohl erkannte : » mich hat überfallen die elende Zeit , da uns der Herr hinweggehen heißt aus dem Leben , und Versöhnung befiehlt mit dem Feinde . « - » Auch unser Gott nicht minder will Versöhnung im Sterben ; « entgegnete der Richter mit trübem Blicke und dumpfer Stimme : » Vergib meiner Pflicht , was ich Dir Böses gethan , und fluche meinem Namen nicht . « - » Da sey Gott vor , « redete Jochai , » daß ich fluche dem , der meinen Mund genetzt hat mit kühlem Wasser . Genommen sey von Euch jeglicher Fehl und das Vergehen Euers Vaters , denn ich kann Euch vergeben für Israel , doch nicht für den gebenedeiten Gott , welcher Edom verdammt hat zum Feuer . Ich will aber bitten für Euch im Thale Josaphat , so Ihr mir gewähren wollt zwei Bitten . « - » Sprich ! « erwiederte der Oberstrichter . - » Jaget den Pfaffen von meinem Lager , « versetzte der Sterbende wehmüthig : » seine Götter sind mir ein Gräul des Baal , und weil kein Rabbi stehen kann zu meiner Seite , und keiner von den Freunden , so will ich seyn allein mit dem Engel , der da bringt das Ende . « - Der Oberstrichter nickte , und der Alte fuhr fort : » Sehen möchte ich noch den Sohn , meinen Bechor , und dessen Tochter , die arme Esther . « - » Von Esther weiß ich nicht , « äußerte der Richter : » jedoch Dein Sohn , ... so eben bringt man ihn . « - Man muß den leidenschaftlichen Schmerz der Völker des Südens gesehen haben , um Davids furchtbaren Kummer sich denken zu können . Er strebte gewaltsam vorwärts aus den Händen der Wächter , die im Begriff waren , ihm die Ketten abzunehmen , und hätte sich mit der ganzen schweren Eisenlast über den Körper des Vaters geworfen , wenn man es zugelassen hätte . - Endlich , von den Banden befreit , stürzte er an dem Bette nieder auf die Knie , faßte die erschlafften Hände des Sterbenden , küßte sie und den bleichen Mund unter Thränen und Schluchzen und stieß von Zeit zu Zeit ein Geschrei und eine laute Klage aus , die man im Munde des Weibes , aber nicht auf den Lippen des alternden Mannes erwartet haben würde . Der Ungestüm dieses Auftrittes , welchem der Oderstrichter mit Thränen im Auge entfloh , um nach dem Hause seiner eigenen Trauer zu kehren , und zu überlegen was ferner zu thun sey , dauerte eine gute Weile hindurch , und Jochai schien diese heftigen Schmerzäusserungen als den schuldigen Tribut der kindlichen Liebe hinzunehmen . Endlich verstummte jedoch der allzulaute Jammer in ängstliches Stöhnen , und auch dieses hörte auf , da Ben David das bekümmerte Auge auf Jochai ' s erlöschendes richtete , gleichsam als wolle er die Augenblicke zählen , die noch dem Sterbenden übrig blieben . Der Greis begann nun mit brechender Stimme ein Gebet zu murmeln , in welches der Sohn einstimmte , und das bald beendigt war . Nun sprach Ben David trostlos und zögernd : » Raaf ! wirst du mich segnen , bevor Du hinweggehst , oder wird mein Name verflucht seyn von Dir ? Raaf ! Du hast mir gegeben das Leben , und ich habe Dir gegeben den Tod ; ach ! es ist wahr geworden , was Du gesagt hast in Weisheit . Du stirbst hin in edomitischen Banden , und ich hab es verschuldet , daß Dein Angesicht bleich wird ausser Israel und den Hütten Jakobs ! « - » Sohn ; « entgegnete Jochai sanft : » So Du mir hättest Gift gegossen in den Leib , würde ich Dir doch verzeihen , nun ich sterbe , denn wir werden