machte , zur Gräfin bringen , aber über einen kürzern Weg ! « sagte sie , nahm seine Hand , führte ihn hinaus , öffnete das Zimmer gegenüber , wo Linda wohnte , und sagte : » Ich stelle dir meinen Bruder vor . « Hoch errötend ging ihnen die edle Gestalt entgegen und umarmte ohne ein Wort die liebe Freundin . Als ihr Auge Albano wiederfand , wurde sie so betroffen , daß sie die Hand zurückzuziehen suchte , die er küßte ; denn sie hatte gestern kaum nur dämmernd sein schönes Auge und seine edle Stirn und den Mund der Liebe gesehen ; und dieser blühende Mensch stand , von doppelter Rührung beseelt , so hell und still und ernst vor ihr , voll edler , rechter Liebe . Ihr Herz wäre gern an seines gefallen ; wenigstens ihre Hand gab sie ihm in seine wieder und wünschte ihm Glück zu diesem Morgen . Die nahe Antwort : » Und zum gestrigen Abend « konnt ' er nicht über die Lippe bringen , aus eigner verschämter Scheu , Lob zu geben wie zu nehmen . » Endlich ist der dritte Mann zum Reise-Kollegium gefunden « ( sagte Julienne ) - » Denn du mußt in einigen Tagen gleich fort , nach Pestitz mußt du mit , Albano . « - » Ich mit , Schwester ? « ( sagt ' er ) » ich wollte einen Monat bleiben , in einige Tage aber ist der Besuch des Vesuvs , Herkulanums und Neapels zusammengedrängt . « - Er wunderte sich nachher selber über den süßen Gehorsam unter die schönen Befehle der Liebe , da er sonst zu sagen pflegte : » Befiehl mir , zu befehlen : so gehorch ' ich nicht . « - » Ich begleite meine Freundin , « ( sagte Linda ) » so gern ich nach Griechenland gegangen wäre , dem ich schon zweimal so nahe bin . « » Noch in dieser Nacht flieg ' ich fort , « ( sagt ' er ) » ich will nur wachen , sehen , leben , lieben . « Julienne fing schon mit Schwester-Sorgen für seine Gesundheit und seine Zwecke an - geteilt zwischen zwei Brüder , hätte sie sich gern , wär ' es nur möglich , beiden zugleich geopfert . - » Ischia hat der gute Mensch auch noch nicht genossen , « ( sagte sie ) » das muß er heute haben . « Albano fühlte bei dieser neuen weiblichen Liebe , das Weib sei das Herz in der schönsten Gestalt . In ihm klang ein Freudenlied : welch ein Tag liegt vor dir , und welche Jahre ! - Vom Überhang der doppelten Liebes-Blüten süß umschlungen und eingesponnen , sah er das Leben und die Erde voll Duft und Licht - über den Morgentau der Jugend war nun eine Sonne heraufgeführt , und die dunkeln Tropfen strahlten durch alle Gärten hinauf und hinab . Er warf endlich einen Blick auf den Ort , der ihn umgab ; Niobes Gruppe , der Genius von Turin , Amor und Psyche standen abgegossen da , aus dem Kabinette eines Künstlers in Neapel entlehnt - die Wände waren mit seltenen Gemälden geschmückt , worunter der - niesende Schoppe war . Dieser allein drang mit der nordischen Vergangenheit heftig in sein erweichtes Herz , und er sagte der Geliebten sein Gefühl . » Sie ziehen « ( sagte sie ) » der Kunst die Freundschaft vor , denn das Porträt ist das Schlechteste in meiner Sammlung ; aber das Original verdient wohl alle Achtung . « Sie ging ins Kabinett und holte ein Miniaturbild von sich selber , das sie nach türkischer Sitte darstellt , eingeschleiert und nur ein Auge aufgedeckt . Wie neben der Schleier-Dämmerung das offne Seelen-Auge lebendig blickte und traf ! Wie die Flamme ihrer Macht die Hülle der Milde durchbrannte ! - Linda nannte den Meister des herrlichen Bildes , eben diesen Schoppe , und setzte dazu : er habe gesagt , hier müsse der Meister aus Gegengefälligkeit selber ein Werk loben , das ihn so parteiisch und kräftig lobe wie noch kein anderes Werk von ihm . Sie erklärte diese Verschiedenheit seines Pinsels aus einer Ursache , die er ihr selber fast wörtlich gesagt : er habe nämlich in seiner frühesten Jugend ihre Mutter so lange geliebt , als er sie gesehen , und hernach niemand weiter , und darum hab ' er , da sie ihr ähnlich sei , sie con amore gemalt und wirklich etwas zu leisten gesucht . » O redlicher alter Mensch ! « sagte Albano und konnte sich kaum der Tränen aus Augen , die so oft glücklich waren , erwehren ; aber nur aus heiligem Freundschafts-Schmerz . Denn es fuhr nun durch ihn - wie ein Wetterstrahl durch den hellsten Himmel - die durch alles , durch Schoppens Tagebuch und Lindas Worte und Rabettens Brief gewisse Vermutung , daß Linda die Seele sei , die der sonderbare Mensch verborgen geliebt . Ein scharfer Schmerz schnitt eilig , aber tief durch seine Stirn ; und er überwand sich bloß durch seine jetzige jüngere Frische des Geistes , durch neu gesammelte Kraft und Gewalt und durch den freien Gedanken , daß ein Freund dem Freunde wohl und leicht die Geliebte , aber nicht die Liebende geben und opfern könne oder dürfe . Julienne sagte : » Ein Wunder ists nur , daß der Bruder zwischen zwei solchen Phantasten - wie dieser Schoppe und Roquairol - nicht selber einer geworden . « Ein flüchtiger Krieg brach aus . Linda sagte : » Schoppe ist nur eine südliche Natur im Kampfe mit dem nordischen Klima . « - » Eigentlich mit dem Leben selber « , sagte Albano . Julienne blieb dabei : » Ich liebe überall Regel im Leben ; bei beiden ist man nie ruhig und a son aise , sondern nur a leur aise . « Sie fragte ihn geradezu über Roquairol . » Er war