dieser Ronald nicht , das sah man auf den ersten Blick , aber es lag ein Zug nervöser Ueberreizung in seinem ganzen Wesen . Es verriet die fieberhafte Rastlosigkeit eines Menschen , der die Ruhe überhaupt nicht kennt , dessen Geist unaufhörlich arbeitet an neuen Plänen und Entwürfen . » Edith und meine Nichte werden sogleich hier sein , « hob Marlow wieder an . » Was übrigens den Besuch aus Heilsberg betrifft , so ist er Ihnen nicht ganz fremd . Sie haben ja wohl den jungen Maler Max Raimar in meinen Salons gesehen ? « Ronald war an die Glasthür getreten und blickte zerstreut auf die Terrasse hinaus . » Ich glaube ja , « sagte er nachlässig . » Ein hübscher , unbedeutender Junge , soviel ich mich erinnere . Eine Art Schützling von Fräulein Edith , die ja überhaupt die Kunst protegiert . « » Ganz recht , aber auch Ernst Raimar ist hier . « » Wer ? « » Der ältere Bruder , der jetzt als Notar in Heilsberg lebt . Sie haben ihn ja doch auch gekannt . « Ronald hatte sich jäh umgewandt , als der Name genannt wurde , und eine sichtlich unangenehme Empfindung malte sich in seinen Zügen , als er entgegnete : » O ja ! Der junge Herr hat mir damals genug zu schaffen gemacht , als die Katastrophe im Hause seines Vaters eintrat . Er wollte die Sache durchaus › aufklären ‹ , wie er es nannte – als ob sie nicht klar genug gewesen wäre – und als ich auf seine tollen Hirngespinste von Diebstahl der Depots und dergleichen nicht einging , gerieten wir ernstlich aneinander . Er verstieg sich einmal sogar bis zur Beleidigung gegen mich – ich habe ihm das heute noch nicht vergessen ! « Die Worte klangen in voller Gereiztheit , aber Marlow schüttelte ernst den Kopf . » Nun , einem Sohn muß man es schon verzeihen , wenn er an die Schuld des Vaters nicht glauben will ; ihm kam der Schlag ja ganz unerwartet . Jedenfalls werden Sie es nicht vermeiden können , ihm heut zu begegnen . « » Meinetwegen , wenn er es nicht vermeidet ! « sagte Ronald hochmütig , aber in diesem Augenblick traten die Damen ein , denen Major Hartmut und Max folgten , das machte dem Gespräch ein Ende . Die Begrüßung konnte selbstverständlich noch keine vertrauliche sein , das entscheidende Wort sollte ja erst gesprochen werden , man blieb also in den Schranken des gewohnten Verkehrs , Hartmut berührte mit keiner Silbe die einstige Bekanntschaft im Raimarschen Hause und ließ sich als Fremder vorstellen , und Ronald wollte sich offenbar jener früheren Begegnung nicht mehr erinnern , aber er war immerhin artig und verbindlich dem Offizier gegenüber . Dagegen machte er mit Max nicht die geringsten Umstände , dieser wurde mit einem kurzen Kopfnicken und einem sehr herablassenden : » Ah , Herr Raimar , wie geht es Ihnen ? « abgefertigt und die Antwort wurde gar nicht abgewartet . Ernst schien sich draußen im Parke verspätet zu haben , das Gespräch war schon im vollen Gange , als er endlich eintrat . Ediths Augen richteten sich gespannt auf die beiden Männer , deren Begegnung ihr ein Rätsel lösen sollte , es wurde auch teilweise gelöst , denn schon in der nächsten Minute wußte sie , daß die Feindschaft eine gegenseitige war . Wilma stellte Herrn Notar Raimar vor , und Ronald , der dessen Eintritt kaum zu bemerken schien , mußte nun notgedrungen Notiz von ihm nehmen . Er wandte sich um , mit einer sehr nachlässigen Bewegung und zweifellos in der Absicht , den älteren Bruder mit derselben beleidigenden Nichtachtung zu behandeln , wie vorhin den jüngeren , aber hier scheiterte der Versuch völlig . Ernst Raimar stand ihm gegenüber in einer so eisigen Haltung , mit einem so unnahbaren Stolze , daß er sich wenigstens zur äußeren Form der Höflichkeit herbeiließ . Er grüßte kalt und gemessen , und der Gruß wurde ebenso förmlich erwidert , aber dabei begegneten sich die Blicke der beiden Männer mit einem Ausdruck , daß Edith unwillkürlich an zwei sich kreuzende Schwerter denken mußte . Sprühender Haß auf der einen Seite , drohendes Aufflammen auf der anderen ! Das war keine Gegnerschaft , wie zwei Todfeinde standen sich die beiden gegenüber , Auge in Auge und maßen einander , wortlos , aber als gelte es einen Kampf auf Leben und Tod . Das dauerte freilich nur Sekunden , und zu Worten kam es überhaupt nicht , denn Raimar wandte sich sofort an die Frau vom Hause . » Wir möchten uns Ihnen empfehlen , gnädige Frau , wir müssen aufbrechen . – Arnold , der Wagen ist bereits vorgefahren . « Der Major sah etwas überrascht aus bei dieser Ankündigung , man hatte ja erst in einer Stunde fahren wollen , aber er stimmte sofort zu . Marlow dagegen atmete erleichtert auf ; nach dieser Begegnung hätte sich ein längeres Zusammensein allerdings sehr unerquicklich gestaltet . Der Abschied war ziemlich kurz , man bedauerte den schnellen Aufbruch der Gäste , der im Grunde allen erwünscht war , machte aber keinen Versuch , sie zurückzuhalten . Nur Klein-Lisbeth war sehr betrübt , daß ihr Freund schon fort wolle und hing sich schmeichelnd an ihn mit der Bitte , doch noch zu bleiben . Er versicherte lachend , die Aufmerksamkeit der jungen Dame sei ihm unendlich schmeichelhaft , aber fünf Minuten später saß er bereits mit den anderen im Wagen . Anfangs herrschte ein unbehagliches Schweigen . Hartmut lehnte verstimmt in der einen Ecke des Wagens , Ernst stumm und düster in der anderen , während Max mit einem sehr langen Gesichte dasaß . Erst als man das Haus und den Park hinter sich hatte , fing der Major an . » Das war ja eine nette Ueberraschung ! Was zum Kuckuck hat dieser Ronald in Gernsbach zu suchen ? Wir waren gerade mitten in der