Vorland gehörte hier der Gemeinde , ihren einzelnen Mitgliedern eine Zahl von Anteilen , je nach der Größe ihres Besitzes im Gemeindebezirk oder nach sonst zu Recht bestehender Erwerbung ; er begann zusammenzuzählen , wieviel Anteile er von seinem , wie viele er von Elkes Vater überkommen und was an solchen er während seiner Ehe schon selbst gekauft hatte , teils in dem dunklen Gefühle eines künftigen Vorteils , teils bei Vermehrung seiner Schafzucht . Es war schon eine ansehnliche Menge ; denn auch von Ole Peters hatte er dessen sämtliche Teile angekauft , da es diesem zum Verdruß geschlagen war , als bei einer teilweisen Überströmung ihm sein bester Schafbock ertrunken war . Aber das war ein seltsamer Unfall gewesen , denn so weit Haukes Gedächtnis reichte , waren selbst bei hohen Fluten dort nur die Ränder überströmt worden . Welch treffliches Weide- und Kornland mußte es geben und von welchem Werte , wenn das alles von seinem neuen Deich umgeben war ! Wie ein Rausch stieg es ihm ins Gehirn ; aber er preßte die Nägel in seine Handflächen und zwang seine Augen , klar und nüchtern zu sehen , was dort vor ihm lag : eine große deichlose Fläche , wer wußt es , welchen Stürmen und Fluten schon in den nächsten Jahren preisgegeben , an deren äußerstem Rande jetzt ein Trupp von schmutzigen Schafen langsam grasend entlangwanderte ; dazu für ihn ein Haufen Arbeit , Kampf und Ärger ! Trotz alledem , als er vom Deich hinab- und den Fußsteig über die Fennen auf seine Werfte zuging , ihm war ' s , als brächte er einen großen Schatz mit sich nach Hause . Auf dem Flur trat Elke ihm entgegen . » Wie war es mit der Schleuse ? « frug sie . Er sah mit geheimnisvollem Lächeln auf sie nieder . » Wir werden bald eine andere Schleuse brauchen « , sagte er ; » und Sielen und einen neuen Deich ! « » Ich versteh dich nicht « , entgegnete Elke , während sie in das Zimmer gingen ; » was willst du , Hauke ? « » Ich will « , sagte er langsam und hielt dann einen Augenblick inne , » ich will , daß das große Vorland , das unserer Hofstatt gegenüber beginnt und dann nach Westen ausgeht , zu einem festen Kooge eingedeicht werde : die hohen Fluten haben fast ein Menschenalter uns in Ruh gelassen ; wenn aber eine von den schlimmen wiederkommt und den Anwachs stört , so kann mit einem Mal die ganze Herrlichkeit zu Ende sein ; nur der alte Schlendrian hat das bis heut so lassen können ! « Sie sah ihn voll Erstaunen an . » So schiltst du dich ja selber ! « sagte sie . – » Das tu ich , Elke ; aber es war bisher auch soviel anderes zu beschaffen ! « » Ja , Hauke ; gewiß , du hast genug getan ! « Er hatte sich in den Lehnstuhl des alten Deichgrafen gesetzt , und seine Hände griffen fest um beide Lehnen . » Hast du denn guten Mut dazu ? « frug ihn sein Weib . – » Das hab ich , Elke ! « sprach er hastig . » Sei nicht zu rasch , Hauke ; das ist ein Werk auf Tod und Leben ; und fast alle werden dir entgegen sein , man wird dir deine Müh und Sorg nicht danken ! « Er nickte . » Ich weiß ! « sagte er . » Und wenn es nun nicht gelänge ! « rief sie wieder ; » von Kindesbeinen an hab ich gehört , der Priel sei nicht zu stopfen , und darum dürfe nicht daran gerührt werden . « » Das war ein Vorwand für die Faulen ! « sagte Hauke ; » weshalb denn sollte man den Priel nicht stopfen können ? « – » Das hört ich nicht ; vielleicht , weil er gerade durchgeht ; die Spülung ist zu stark . « – Eine Erinnerung überkam sie , und ein fast schelmisches Lächeln brach aus ihren ernsten Augen . » Als ich Kind war « , sprach sie , » hörte ich einmal die Knechte darüber reden ; sie meinten , wenn ein Damm dort halten solle , müsse was Lebigs da hineingeworfen und mit verdämmt werden ; bei einem Deichbau auf der andern Seite , vor wohl hundert Jahren , sei ein Zigeunerkind verdämmet worden , das sie um schweres Geld der Mutter abgehandelt hätten ; jetzt aber würde wohl keine ihr Kind verkaufen ! « Hauke schüttelte den Kopf : » Da ist es gut , daß wir keins haben , sie würden es sonst noch schier von uns verlangen ! « » Sie sollten ' s nicht bekommen ! « sagte Elke und schlug wie in Angst die Arme über ihren Leib . Und Hauke lächelte ; doch sie frug noch einmal : » Und die ungeheuren Kosten ? Hast du das bedacht ? « – » Das hab ich , Elke ; was wir dort herausbringen , wird sie bei weitem überholen , auch die Erhaltungskosten des alten Deiches gehen für ein gut Stück in dem neuen unter ; wir arbeiten ja selbst und haben über achtzig Gespanne in der Gemeinde , und an jungen Fäusten ist hier auch kein Mangel . Du sollst mich wenigstens nicht umsonst zum Deichgrafen gemacht haben , Elke ; ich will ihnen zeigen , daß ich einer bin ! « Sie hatte sich vor ihm niedergehuckt und ihn sorgvoll angeblickt ; nun erhob sie sich mit einem Seufzer . » Ich muß weiter zu meinem Tagewerk « , sagte sie , und ihre Hand strich langsam über seine Wange ; » tu du das deine , Hauke ! « » Amen , Elke ! « sprach er mit ernstem Lächeln ; » Arbeit ist für uns beide da ! « – – Und es war Arbeit genug für beide