sie nicht kennen gelernt hat . Der würde sich die Hände gerieben haben , wenn er gesehen hätte , wie seine Erziehungsprinzipien auch noch in der zweiten Generation Früchte trugen . Selbstverständlich habe ich die zwei Schlingel nach seinen Maximen erzogen . Wenn solch ein Bengel nur nicht stiehlt , lügt oder gar ein feiger Hund ist , so ist ’ s ganz gleichgültig , was aus ihm wird . Auch mit dem Krepieren auf dem Stroh ist ’ s nicht so schlimm , wie die Frau Mütter sich gewöhnlich einbilden . Jeder , der sich als einen rechten Mann schätzt , hat das wohl schon in seiner eigenen Seele erfahren , daß es ihm ungeheuer einerlei scheint , auf was für ein Material ihn sein Schicksal beim letzten Schnappen bettet . Aber die Mädchen – ja mit den Mädchen ist ’ s eine andere Sache ! Nun , das meinige hab ’ ich , sowie es neunzehn Jahre alt war , und das war im vorigen Winter , glücklich einem braven Kerl in Straßburg aufgehängt , und der mag nun sehen , wie er mit der wilden Hummel fertig wird . Ich hab ’ s ja auch mit ihrer Mama ausgehalten . « » Hessenberg , wenn ich dich reden höre , so möchte ich fast zweifeln , ob wir hier wirklich auf dem Gebiet der freien Stadt Frankfurt gehen , – ob wir nicht beide träumen – « » Was dich angeht , so hattest du zum Träumen in deiner Jugend keine Anlage . Als ihr mich damals dingfest machtet , hab ’ ich mein wahres Wunder über deine Aufgewecktheit gehabt . – Du verstandest es mit offenen Augen und Ohren ein Protokoll zu führen . « Der Legationsrat von Nebelung ließ auf dieses gutmütig munter gesprochene Wort die Ohren ein wenig sehr sinken . » Lieber Friedrich , « stotterte er , » es ist eine lange Zeit seit jenen unangenehmen , mir auch – du kannst es mir glauben – jenen auch mir sehr verdrießlichen Tagen hingegangen . « » Da hast du recht , Alter ! « sagte der voreinstige Vaterlandsverräter . » Schlagen wir dieses Faß zu ; mir liegt nicht das geringste an dem Geruch , der einem daraus in die Nase steigt . Übrigens hat ja auch das Fatum meine Sache in die Hand genommen . 0x0burg existiert nicht mehr , und ich bin noch da und Lohgerber zu Romanshorn in der freien Schweiz . « » Lohgerber ? – Lohgerber ? ! « rief der Legationsrat . » Ja entschuldige , daß ich darauf noch einmal hindeute . Ist es denn wirklich war ? Ist es möglich ? Hast du in der Tat die Jurisprudenz , die Wissenschaft aufgegeben ? Hast du in Wahrheit die Loh – Tannerie zu deinem Studium und Lebensberuf gemacht ? Es ist mir fast unmöglich , daran zu glauben , mein guter Friedrich ! « Der gute Friedrich blieb stehen , um seinen breiten Lungen einen noch bequemeren Spielraum für das jetzt aus ihnen vorbrechende Gelächter bieten zu können . » Verlaß dich auf deine Nase ! « brüllte er . » Rieche mich an , – rieche mich dreist an und ziehe die schauderhafte Gewißheit durch deine Geruchsorgane in dich hinein ! Riechst du ’ s mir nun ab ? « » Rieche ich es dir nun ab ? « stammelte der verstörte Diplomat . » Hast du es mir abgerochen ? « » Abgerochen ? ! « hallte wie ein schwächliches Echo der Legationsrat und Inhaber des Alexiusordens nach . » Gut ; dann beruhige dich in der furchtbaren Überzeugung , daß es sich so verhält , wie ich dir schon da droben vor dem alten Turm sagte . Sonst aber habe ich nicht die Jurisprudenz aufgegeben , sondern sie mich , und du hast das Protokoll dabei geführt . Lohgerber bin ich geworden , Lohgerber bin ich , und die Lohgerberei war mein innerster Beruf . Mein Glück aber war ’ s , daß mich euer wahrscheinlich eigens zu diesem Behuf in die Welt gesetzter Untersuchungsrichter mit der Nase drauf stieß . Was sind ein paar Jahre Festung , wenn man dadurch auf das Handwerk hingewiesen wird , zu dem einen Gott der Herr erschaffen hat ? Ja , der Herrgott hat ’ s gut mit mir gemeint . Er wußte , daß ich in dieser nichtswürdigen Welt notwendig mit dem Rind- und anderem Vieh in Konflikt geraten müsse , und so wies er mich in seiner Güte auf die Häute , und ich habe meinen Groll an manchem Ochsen ausgelassen und meine Wut an manchem Eselfelle vergerbt . « » Ganz der alte Fritz Hessenberg ! « murmelte der Legationsrat , und der breitschulterige Weggenosse fing das Wort grinsend auf und sprach : » Natürlich ! Wem zuliebe sollt ’ ich denn anders werden ? Um euch etwa ? Um euer Kuckucksnest , eure Durchlaucht , euer Kriminalgericht und was sonst drum und dran hängt ? Das glaubt ihr doch wohl selber nicht . Sieh ’ – deiner Schwester war ich recht , wie ich war ; auf ihren Wunsch hätte ich meine eigene Haut , wohin sie wollte , zu Markte getragen . Ihr übrigen aber – bah , laß uns davon lieber abbrechen ; es verstimmt mich selbst heute als Witwer und Vater von drei erwachsenen Kindern noch , wenn ich daran denke ; wie ihr mich und die arme Lina schikaniert habt . « Der Legationsrat hatte die Hälfte des halben Schoppen Apfelweins auf dem Tische der Isenburger Warte stehen lassen . Das Getränk konnte es also nicht sein , was ihm plötzlich so scharf durch den Leib und die Seele schnitt . Lina ? Lina ! Und sie saß ja jetzt drunten in Frankfurt vor dem Allerheiligentor , und er – Alexius Nebelung – wußte , daß er auch heute wieder eigentlich schändlich an der Schwester gehandelt habe , und daß auch er – in dieser Beziehung wenigstens