der Himmel werde die Rache des feigen Mannes sinken lassen . Ich eilte hinunter und beobachtete den Einzug , mich möglichst beiseite haltend . Herr Thomas war nicht verändert , seine Gebärde so ruhig und sein Gewand so kostbar wie vordem . Der König in seiner heftigen Art stürzte den Söhnen und seinem Kanzler entgegen , nach dem er sich wohl noch mehr als nach seinen Kindern gesehnt hatte . Dieser ersparte ihm jede Scham und äußerliche Reue , er verneigte sich ehrfürchtig vor ihm und redete dann von den Knaben mit Sorgfalt und Wohlwollen , fügte aber mit milder Ruhe hinzu , seine Zeit , die wachsenden Staatssorgen , seine Reisen und Gesandtschaften , auch eine früher ihm unbekannte Müdigkeit erlaube ihm nicht länger , ihre Erziehung persönlich zu leiten , er werde ihnen berühmte Männer zu Lehrern geben , die ihn leicht entbehrlich machen würden . Der König stand betroffen von dieser Rede und seine Kinder umringten den Kanzler und umarmten ihn mit Tränen , bittend und flehend , er möge sich ihnen nicht entziehen . Nur der kleine Hans schnitt eine vergnügte Grimasse . Da bat Herr Heinrich mit den Knaben , daß er sie nicht von sich weise . Die beredten Lippen des Kanzlers wiederholten seine Weigerung mit neuen anmutigen Wendungen , aber seine dunkeln Augen richteten sich auf den König und schienen zu sagen : › Grausamer Mann , du hast mich meines Kindes beraubt und verlangst , daß ich mich um die deinigen bekümmere ! ‹ Ich weiß nicht , ob Herr Heinrich in diesem Blicke die Wahrheit las ; aber er drang nicht weiter in den Kanzler . Von jener Stunde an brach Hader aus zwischen den vier Königskindern und die Liebe des Kanzlers versöhnte sie nicht denn sie waren ihm gleichgültig geworden und er überließ sie ihren Trieben . Ich habe Euch schon erzählt , daß ich im Bogen und in der Armbrust der Lehrmeister der vier Jungherren war . Ich hatte strenges Verbot , von ihnen jemals zu weichen , oder ihnen eine Armbrust in den Händen zu lassen ; denn da sie von verschiedener und unbrüderlicher Natur waren , mußte gewehrt werden daß sie nicht mit der Schießwaffe aufeinander losgingen . Eines Tages nun , da ich mit den vier Armbrusten zu den vier Jungherren in den hintern Burghof ging , hörte ich schon von weitem zwischen dem Gebelle der Bracken Getümmel und Schlachtruf . Ich fand die Herren dort so hart ineinander verwickelt , daß ich Mühe hatte , sie zu sondern . Das Löwenherz hatte Herrn Gottfried mit der Rechten an der Kehle , mit der Linken aber Herrn Heinrich an den gekräuselten Haaren gefaßt und schüttelte beide wacker . Ihm selbst hinwiederum hatte sich der kleine Hans , der es mit den beiden Ältesten hielt , an den Rücken gekrallt und biß ihn in den Hals . Ich griff zuerst nach dem Kleinen , der Wildkatze , und löste dann die Herren Heinz und Gottfried aus den streitbaren Fausten des Löwenherzens . Da warf sich Herr Richard mit flammendem Zorne nach mir herum und schrie mich an : › In Teufels Namen , Armbruster , willst du uns unser Hauserbe rauben ? ‹ – › Welches Erbe , Beausire ? ‹ fragte ich verblüfft . – › Uns zu hassen ! ‹ rief er . › Darauf leistet keiner von uns Verzicht . ‹ – Mich erfaßte ein tiefes Verbärmnis über diesen Worten eines Unmündigen . Ich zog ihn beiseite und redete ihm christlich zu , wie süß : es sei , wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen . Herr Richard aber brach in stürmische Tränen aus und schluchzte : › Er hat mich heute nur nicht angeschaut ! ‹ Und ich erriet , daß er von Herrn Thomas sprach . › Wenn der Kanzler sich weniger mit Euch abgibt ‹ , tröstete ich : › so ist es dringender Staatsgeschäfte halb Eurem Herrn Vater zu Nutz und Lieb . ‹ Da schüttelte Jung Richard trotzig den Kopf , leuchtete mich mit seinen großen blauen Augen an und rief : › Das lügst du , Armbruster ! Der Kanzler liebt den Vater nicht ! ‹ Aber nicht nur untereinander verfolgten sich die viere ; sondern – wehe – sie begannen auch der Majestät ihres Vaters die schuldige Ehrerbietung zu versagen . Ich weiß noch , wie es mir ins Herz schnitt , was ich sehen und hören mußte , als ich einst meinen Herrn und König in seine Schlafkammer geleitete . Er hatte sich den Kopf an den Staatsgeschäften zerarbeitet und den Leib mit einer Hirschjagd ermüdet ; so hatte er denn sein schweres Haupt über dem Schlaftrunke geneigt und schnarchend in seine auf den Tisch gelegten Arme versinken lassen . Wir begegneten auf dem Gange den schlimmern seiner Söhne , dem ältesten und dem jüngsten . Erfrechte sich da nicht der kleine Hans , der , wäre der Herr bei unverhüllten Sinnen gewesen , sich vor ihm verkrochen hätte , schwankend , als spotte er eines Trunkenen , hinter den königlichen Tritten herzuziehen , und der andere , der Kleidernarr , wandte sich von seinem Erzeuger mit einem hochmütigen Pfui . Nachdem ich meinen Herrn wohl versorgt hatte , traf ich Junker Heinrich noch auf dem Gange . Da ließ ich ihn hart an , nannte ihn einen schwarzen Ham und drohte , ihn bei dem Kanzler zu verklagen . › Herr Thomas verachtet den Vater ‹ , versetzte der Knabe . › Wie hielte der feine Berberhengst mit dem borstigen Eber Freundschaft ? ‹ Entsetzt hielt ich ihm die Hand auf den Mund ; er aber warf die langen weichen Locken aus dem Gesicht und entsprang mit einem scharfen Gelächter . Ich mußte mich über die feine Witterung wundern , welche oft kindliche Unerfahrenheit von den verborgenen Dingen des Gemütes hat . Denn , wahrlich , es war nicht Herr Thomas , der sich etwas merken ließ von seinem Widerwillen gegen den König , oder der