will etwas heißen . Ich hätte Euch das nie zugetraut . Freilich meinte Lignerolles , Ihr hättet Euch die Brust etwas gepanzert . Das sieht Euch nicht gleich , doch zuletzt hilft sich jeder wie er kann . « Während dieses grausigen Geplauders saß Gasparde stumm und bleich . Jetzt wurden die Tiere vorgeführt , der Böhme half ihr , die unter seiner Berührung zusammenschrak , kunstgerecht in den Sattel , ich schwang mich auf das andere Roß , der Hauptmann grüßte , und wir sprengten durch den hallenden Torweg und über die donnernde Brücke gerettet von dannen . Zwei Wochen später , an einem frischen Herbstmorgen ritt ich mit meinem jungen Weibe die letzte Höhe des Gebirgszuges hinan , der die Freigrafschaft von dem neuenburgischen Gebiete trennt . Der Grat war erklommen , wir ließen unsre Pferde grasen und setzten uns auf ein Felsstück . Eine weite friedliche Landschaft lag in der Morgensonne vor uns ausgebreitet . Zu unsern Füßen leuchteten die Seen von Neuenburg , Murten und Biel ; weiterhin dehnte sich das frischgrüne Hochland von Fryburg mit seinen schönen Hügellinien und dunkeln Waldsäumen ; die eben sich entschleiernden Hochgebirge bildeten den lichten Hintergrund . » Dies schöne Land also ist deine Heimat und endlich evangelischer Boden ? « fragte Gasparde . Ich zeigte ihr links das in der Sonne blitzende Türmchen des Schlosses Chaumont . » Dort wohnt mein guter Ohm . Noch ein paar Stunden , und er heißt dich als sein geliebtes Kind willkommen ! – Hier unten an den Seen ist evangelisches Land , aber dort drüben , wo du die Turmspitzen von Fryburg erkennen kannst , beginnt das katholische . « – Als ich Fryburg nannte , verfiel Gasparde in Gedanken . » Boccards Heimat ! « sagte sie dann . » Erinnerst du dich noch , wie froh er an jenem Abende war , als wir uns zum ersten Male bei Melun begegneten ! Nun erwartet ihn sein Vater vergebens – und für mich ist er gestorben . « Schwere Tropfen sanken von ihren Wimpern . Ich antwortete nicht , aber blitzschnell zog an meiner Seele die Geschichte der verhängnisvollen Verkettung meines Loses mit dem meines heitern Landsmannes vorüber und meine Gedanken verklagten und entschuldigten sich untereinander . Unwillkürlich griff ich an meine Brust auf die Stelle , wo Boccards Medaille mir den Todesstoß aufgehalten hatte . Es knisterte in meinem Wams wie Papier ; ich zog den vergessenen , noch ungelesenen Brief meines Ohms heraus und erbrach das unförmliche Siegel . Was ich las versetzte mich in schmerzliches Erstaunen . Die Zeilen lauteten : Lieber Hans ! Wenn Du dieses liesest , bin ich aus dem Leben oder vielmehr bin ich in das Leben gegangen . Seit einigen Tagen fühle ich mich sehr schwach , ohne gerade krank zu sein . In der Stille leg ich ab Pilgerschuh ' und Wanderstab . Dieweil ich noch die Feder führen kann , will ich Dir selbst meine Heimfahrt melden und den Brief an Dich eigenhändig überschreiben , damit eine fremde Handschrift : Dich nicht betrübe . – Bin ich hinüber , so hat der alte Jochem den Auftrag ein Kreuz zu meinem Namen zu setzen und den Brief zu siegeln . Rot , nicht schwarz . Ziehe auch kein Trauergewand um mich an , denn ich bin in der Freude . Ich lasse Dir mein irdisches Gut , vergiß Du das himmlische nicht . Dein treuer Ohm Renat . Daneben war mit ungeschickter Hand ein großes Kreuz gemalt . Ich kehrte mich ab und ließ meinen Tränen freien Lauf . Dann erhob ich das Haupt und wandte mich zu Gasparde , die mit gefalteten Händen an meiner Seite stand , um sie in das verödete Haus meiner Jugend einzuführen .