mütterliche Eifersucht mischte sich die gekränkte Eigenliebe einer selbstsüchtigen Frauennatur , die selbst vom Sohne herrisch verlangte : » Du sollst nicht andere Götter haben neben mir ! « Es war nicht allein mehr die verachtete Tänzerin , es war weit eher noch das schöne , an seinem Herzen ruhende weibliche Wesen , das sie mit unauslöschlichem Haß verfolgte – zu ihrem eigenen Befremden – bis dahin hatte ihr der Gedanke an eine Wahl ihres Sohnes das Herz nicht berührt . Und nun dieser furchtbare innere Sturm , der ihr den letzten Rest äußeren Gleichmutes raubte ! ... Sie wußte , daß hinter jeder Tür gespannte Ohren , an jedem Schlüsselloch wißbegierige Augen lauerten ; sie mußte sich sagen , daß morgen die Familienszene in dem Hausflur des Klostergutes durch das Gesinde nach allen Richtungen in die Welt hinausgetragen wurde , und doch gab sie sich der Leidenschaft hin , die ihre Stimme erschütternd anschwellen , ihre Gebärden furchterweckend machte . » Da sieht man , wie schnell ein Kind seine Mutter verläßt ! « rief sie mit zuckenden Lippen . » Bei so schwarzem Undank muß jeder Frau der Wunsch vergehen , einem Kinde das Leben zu geben ! Habe ich deshalb die Nächte an deinem Krankenbette verwacht , nur deshalb dich mit Mühen und Opfern großgezogen , damit ich der ersten besten , jungen Kreatur weichen muß , die die Kinderschuhe kaum ausgetreten hat ? ... Wenn auch nur ein Funke von Dank , von Rechtsgefühl in dir lebt , so hältst du zu mir – ich will keine Tochter ! « In scheuer Bestürzung streifte der Blick des jungen Mannes die empörte Mutter – bei dieser plötzlich und maßlos hervorbrechenden , ungerechtfertigten Eifersucht , dieser unerhörten Beschlagnahme des ganzen Menschen , als ihres angeketteten Eigentums , mußte er an seinen unglücklichen , verschollenen Vater denken ; der grenzenlose Egoismus seitens der Frau mochte die Ehe gesprengt haben ... Diese Überzeugung stählte seine Widerstandskraft . » Dein Appell an meine Kindespflicht ist weit härter und ungehöriger , als wenn du verlangtest , ich solle mir aus Liebe zu dir die Augen ausstechen lassen – « » Phrase ! « rief der Rat herüber . » Wie kannst du mich noch einmal einer Wahl gegenüberstellen , die längst entschieden ist ? « fuhr er , den höhnischen Einwurf vom Amtszimmer her völlig ignorierend , mit gesteigerter Stimme fort . » Lucile hat sich unter meinen Schutz gestellt – ich habe zu ihr zu halten von Gott und Rechts wegen ! Oder willst du mich zum Schurken machen , der ein liebevoll vertrauendes Mädchen hilflos in Nacht und Nebel hinausstößt , damit er am warmen , geschützten Herd der Mutter bleiben darf ? ... Mutter ! « bat er nochmals weich und flehend . » Wenn du ihr die Aufnahme verweigerst , so verlierst du deinen Sohn – « » Lieber gar kein Kind , als ein entartetes . « » Aber ich begreife dich nicht , Felix – wie magst du dich so quälen lassen ! « rief Lucile aufgebracht und entschlossen . Sie hatte längst den furchtsam hingeschmiegten Kopf erhoben , und ihre Augen funkelten in grünspielendem Feuer durch das Schleiergewebe . » Madame , Sie sind eine herzlose Frau ! « » Lucile ! « unterbrach sie der junge Mann erschrocken , indem er sie an sich zu ziehen suchte . » O nein , Felix , lasse mich ! Das muß gesagt sein ! « – rief sie und schob seine Hände zurück . – » Es ist zu lächerlich , zu unglaublich ; aber ich sehe und höre es doch mit meinen eigenen Augen und Ohren – und da muß es wohl so sein ! ... Madame , Sie bilden sich offenbar ein , ich müsse es für eine Ehre halten , hier aufgenommen zu werden – großer Gott ! – in diesem Hause ! ... Und wenn Sie mir alle Schätze der Welt versprechen wollten , ich bliebe nicht bei Ihnen ! « – Sie zog ihren Hut zornig in die Stirne , bei welcher Bewegung die steinbesetzten Armbänder am Handgelenk im Lampenlicht auffunkelten . » Sie haben mich vorhin eine junge Kreatur genannt – oh , ich muß sehr bitten , – so schilt man in unserem Hause nicht einmal die Spülmagd ! ... Danken wir Gott , Madame , daß mich die Großmama nicht in dieser Situation erblickt – sie würde Ihnen sofort klarmachen , welche von uns beiden sich herabläßt ! « Die Majorin starrte das Mädchen wortlos an , dessen jugendliche Stimme wie ein feingeschliffenes Messer ihr Gefühl berührte , und der Rat brach in ein schallendes Gelächter aus . » Oh , lachen Sie immerhin , mein Herr – ganz wie es Ihnen gefällt ! « rief die junge Dame erbittert hinüber . » Madame Lucian ist doch die Verlierende . Felix ist mein – wir lassen nicht voneinander ! « » Still , Lucile ! « gebot Felix und zog tieferblaßt , mit ernst verweilender Miene ihren Arm fest in den seinen . » Mama , dieses nicht zu billigende Auftreten meiner Braut hast du selbst hervorgerufen – du hast sie unverantwortlich gereizt . « » So mag sie gehen , die – Theaterprinzessin – « » Nicht ohne mich ! – Komm , mein Kind ! « Die Majorin hob unwillkürlich die Arme , und ihr Blick flog , wie Beistand suchend , nach ihrem Bruder hinüber . » Laß sie laufen , Therese ! Du verlierst nichts – sie sind beide keinen Schuß Pulver wert ! « rief er ihr brutal und verächtlich zu . Sie trat zurück und gab den Weg frei , und als ob die rohe Verurteilung seitens ihres Bruders sie urplötzlich beschämend aus ihrem Leidenschaftsrausch aufgerüttelt und ihr die kalte Besonnenheit zurückgegeben habe , streckte sie den Arm gegen den Ausgang hin und sagte mit unnatürlicher Ruhe zu ihrem Sohne : » Gut – du kannst gehen , mit wem , und