, für künftig verbitte ich mir dergleichen unerquickliche Szenen , wie wir sie eben mitansehen mußten , “ sagte die Präsidentin stirnrunzelnd mit sehr verschärfter Stimme , nachdem sich die Thür hinter den Hinausgehenden geschlossen hatte . „ Du hast Dir die vollkommene Freiheit gewahrt , auf Dein Ziel loszusteuern , wie es Dir paßt und gefällt – gut – von meiner Seite ist Dir bisher nicht das Geringste in den Weg gelegt worden , aber ich protestiere energisch , sobald Du Lust zeigst , die widerwärtige Sache vor meinen Augen auszufechten . Wie gesagt , ich verbitte mir das ernstlich ! Soll ich Dir wiederholen – “ „ Liebe Großmama , “ unterbrach sie die junge Dame persiflierend und verächtlich , „ wiederhole nicht ! … Du willst doch nur sagen : ‚ In diesem Hause kann gemordet werden ; es kann brennen – gleichviel , wenn nur die Frau Präsidentin Urach leuchtend wie ein Phönix aus der Asche hervorgeht ‘ … . Pardon , Großmama ! Ich will es in meinem ganzen Leben nicht wieder tun . Das Haus ist ja groß genug ; man kann auch außer Deinem Gesichtskreise auf die Mensur gehen . Ach , wenn es mir nur nicht so entsetzlich schwer gemacht würde ! Ich fürchte , eines schönen Tages verliere ich doch die Geduld – “ „ Flora ! “ rief der Kommerzienrat mit einer Art von bittender Mahnung . „ Schon gut , mein Herr von Römer ! Ich habe selbstverständlich jetzt auch Rücksicht auf Deine neue Standeswürde zu nehmen . Gott , was Alles lastet auf meinen armen Schultern ! Und womit verdiene ich die Heimsuchung , daß sich die Herzen wie die Kletten an mich hängen ? “ Sie griff nach ihrem Hute und nahm die Sammetschleppe auf , um zu gehen – vor Käthe hielt sie den Schritt an . „ Siehst Du , mein lieber Schatz , “ sagte sie und legte der jungen Schwester den Zeigefinger unter das Kinn , „ so geht es dem armen Frauenzimmer , wenn es sich für einen kurzen Moment mit der Sentimentalität einläßt und zu lieben sich einbildet . Es hat plötzlich den Fuß im Tellereisen und sieht wehklagend ein , daß die abgedroschene gute Lehre : ‚ Drum prüfe , wer sich ewig bindet ! ‘ eine abscheuliche neue Wahrheit enthält – denke an Deine Schwester und nimm Dich in Acht , Kind ! “ Damit ging sie hinaus , und Käthe sah ihr mit großoffenen Augen nach . Was für eine seltsame , unbräutliche Braut war doch die schöne Schwester ! – 6. Nahe der westlichen Grenze des Parkes lagen die Ueberreste des ehemaligen alten Herrenhauses Baumgarten . Von dem ganzen einst wohlbefestigten und mit Wassergräben umgebenen Ritterschlosse stand nur noch ein Zimmerturm von bedeutenden Dimensionen , an den sich der geschwärzte Mauerrest eines Seitenflügels festklammerte . Vor sechszig Jahren war der Bau niedergerissen worden . Der damalige Besitzer , meist im Auslande lebend , hatte das Herrenhaus im modernen Styl , als Villa Baumgarten , an das entgegengesetzte Ende des Grundstückes , an die Promenade , verlegt , um bei seinem zeitweiligen Aufenthalt in der Heimath „ unter Menschen zu sein “ , und die schönbehauenen Granitblöcke des alten Schlosses beim Neubau verwenden lassen . Den Turm mit seinem Ruinenanhängsel hatte man als Schmuck der Parkanlagen respectiert . Er erhob sich auf einem grünberasten künstlichen Hügel ; um seine Basis drängte sich verwildertes Buschwerk ; auf dem anstoßenden Mauerstück mit seinem mächtigen Fensterbogen hatten sich Stachelbeersträucher und Heckenrosen eingenistet , und der wilde Hopfen kletterte ihnen nach und streute grüne Ornamente über das dunkle Gestein . Diese Ruine inmitten eines Wasserringes hatte jedenfalls ihren Zweck als Dekoration erfüllt , aber nach dem damaligen Besitzer war eine praktische nutzenheischende Generation gekommen – sie hatte das Wasser aus dem Graben abgeleitet und in den vortrefflichen Schlammboden Gemüse gepflanzt . Das war nach dem Ausspruche des Schloßmüllers das einzige Vernünftige gewesen , das er bei seinem Ankauf im Parke vorgefunden , und als solches hatte er auch das einträgliche Stückchen Boden sofort zur eigenen Benutzung reclamiert . Käthe war als Kind sehr gern in dem kleinen Thale , wie sie den Graben nannte , umhergewandert . Das himmelschreiende Attentat auf die Romantik und den historischen Nimbus des ehemaligen Wasserschlosses war ihr selbstverständlich damals nicht zum Bewußtsein gekommen ; sie war mit Suse stundenlang pflückend durch die Wildniß der Stangenbohnen und jungen Erbsen geschlüpft , ahnungslos , daß bei einem plötzlichen Durchbruche vom Flusse her die Fluten hereinströmen und sie und Suse und die ganze grüne Herrlichkeit verschlingen könnten . Heute nun , am fünften Tage nach ihrer Ankunft , betrat sie zum ersten Mal wieder diese entlegene Parkpartie und stand wie geblendet . Noch hingen die Hopfenranken blätterlos wie ein fahles Netz um die Mauern , und der Hügelrasen , winterdürr und zerwühlt , zeigte noch keine grüne Halmspitze , aber die Aprilsonne lag breit und glänzend auf dem ruinengekrönten Hügel und hob ihn malerisch von dem Tannenwalde , der im Hintergrunde sich über eine lange Bergwand hindehnte . Nicht eine Spur von frischem Mörtel zeigte die aufbessernde Menschenhand an den Mauern ; kein neuer Stein war eingefügt worden , aber es schien auch keiner zu fehlen ; nur die mächtigen Fensterhöhlen des Turmes , vor denen früher vermorschte Holzläden gelegen , gähnten weit offen , und es glitzerte so seltsam aus dem Steinrahmen , als webe ein abgesperrter Sonnenstrahl drin im tiefen Dunkel ein geheimnißvolles Goldgespinnst . Und neues liebliches Leben regte sich um den verfallenen Stammsitz Derer von Baumgarten ; über der Mauerkrone des Turmes kreisten in graziösem Fluge weiße und bunte Tauben , und aus dem Dickicht , unter der uralten Nußbaumgruppe hervor , die den Turm nach Süden hin flankierte , kamen lautlos zwei Rehe und wandelten langsam über den Rasenhang . Das kleine Thal aber war verschwunden . Ein breiter funkelnder Wassergürtel umflutete wieder , wie vor Zeiten , den Hügel , Alles , was drunten