Hand nehmen , soll Kulissen- und Theaterkanzleistaub schlucken , mich mit widerspenstigen Sängerinnen und Ballerinen herumschlagen – Gott soll mich bewahren ! Lieber ziehe ich mich ganz nach Neuhaus oder auf mein Gut in Sachsen zurück , jage , säe und ernte , und gehe , wenn es sein muß , selbst hinter dem Pflug her , dann kann ich mir wenigstens sagen , daß ich an Leib und Seele gesund bleibe . « Er nahm eines der Gläser von der Platte , die Klaudine ihm bot . » Nun , und Sie ? Ich sehe nur zwei Gläser « , sagte er zu ihr . » Bei Hofe haben Sie es stets außerordentlich geschickt zu vermeiden gewußt , Ihr Glas an das meine klingen zu lassen – ich begriff das , standen sich doch Montecchi und Capuletti gegenüber , aber heute ist das anders . Ich stehe als Ihr Gast hier , und wenn Sie mir auch nicht erlauben werden , auf Ihr spezielles Wohl zu trinken , so möchte ich Sie doch bitten , mit mir anzustoßen in Erinnerung an eine Frau , welche wir beide lieben , auf das Wohl unserer verehrungswürdigen Herzoginmutter ! « Klaudine beeilte sich , ein Glas zu holen , und gleich darauf scholl der Silberton der drei aneinanderklingenden Gläser hell über den Garten hin . » Die alten Bäume mögen sich wundern « , meinte Herr von Gerold frohgestimmt mit einem Blick nach den höchsten Eichenwipfeln . » Seit dem Gelage , das die Bilderstürmer bei den Weinfässern des brennenden Klosters gefeiert haben , ist wohl kein Gläserklang hier laut geworden . Aber er tönte so hell und rein , so glückverheißend , daß ich nochmals anstoßen möchte , und zwar auf einen , den ich sehr verehre , wenn ich ihm auch persönlich stets fern gestanden . Er ist ein edler Mensch , ein eifriger Beschützer der Künste und Wissenschaften , er liebt die Poesie – unser Herzog , er lebe ! « In diesem Augenblick sprühte der goldene Rheinwein wie ein flimmernder Sonnenstrahl in weitem Bogen durch die Luft , und Baron Lothars Glas zerschellte drunten auf den Steinen . » Ah Verzeihung , ich war sehr ungeschickt ! Was für ein täppischer Mensch bin ich doch ! « entschuldigte er sich mit einem erzwungenen Lächeln . » Der alte Bursche da « – er zeigte auf den Lindenast , an den sein Arm gestoßen – » ist noch gewaltig stramm , der weicht nicht aus . Nun , Seine Hoheit wird auch ohne meinen Bescheid leben ! « Er zog den Handschuh der Rechten straffer und griff nach seiner Reitgerte . » Ich habe die Gastfreundschaft schlecht gelohnt , meine sofortige Selbstverbannung soll die Sühne sein . Ich wäre gern noch in diesem köstlichen Stilleben geblieben , und auch in die Glockenstube hätte ich einen Blick werfen mögen , aber das für ein andermal , wenn es gestattet ist . Und nun komm her , kleine Landstreicherin . « Er hob die kleine Elisabeth , die still auf einem Korbstühlchen am Geländer saß und mit großen Augen dem ungewohnten lauten Treiben auf der Plattform zusah , hoch zu sich empor und küßte sie . » Und da hinaus wird nicht wieder marschiert « , – er zeigte mit strenger Miene hinunter nach dem Garteneingang – » wenn du die Erdbeerdame besuchen willst , dann lasse es mir sagen , ich hole dich mit dem Wagen , so oft du magst . Hast du mich verstanden ? « Sie nickte schweigend und scheuen Blickes und strebte , wieder auf den Boden zu kommen . » War er böse , der Onkel ? « fragte sie ihren Papa , als er vom Garteneingang zurückkehrte , bis zu welchem er dem Fortreitenden das Geleit gegeben hatte . » Nein , mein Kind , böse nicht , nur ein wenig wunderlich ! « antwortete er . » Das arme Glas und der edle Rheinwein ! « Er sah bedauerlich lächelnd auf die Scherben hinab . » Und der arme , verlästerte Lindenast , der es wirklich nicht getan hat ! « setzte er schalkhaft hinzu . » Aber sage doch , Klaudine – war dieser Lothar nicht der ausgesprochene Liebling des Herzogs ? « fragte er seine Schwester , die still und ein wenig vorgebeugt am Geländer stand , als horche sie noch auf die längst verhallten Huftritte . » Er ist es wohl noch « , erwiderte sie mit weggewandtem Gesicht . » Du hörtest ja , daß man ihn an die Residenz zu fesseln sucht . « Ihr Ton klang unsicher und um die nervös zuckenden Lippen irrte ein erzwungenes Lächeln , als sie an dem Bruder vorüber nach der Küche ging , um das Mittagbrot fertig zu machen . Da , inmitten des Wohnzimmers , stand der bereits angerichtete Tisch mit seinen drei Gedecken . Nun ja , das waren altmodische , verbogene Zinnteller , von welchem man aß . Die Großmama hatte bei der Übersiedlung nach ihrem Witwensitz alles Silbergerät zurückgelassen – der große , herrliche Silberschatz sollte nicht zersplittert werden – und nur ihr ererbtes altes Zinn mitgenommen , » gerade recht und passend für eine einsam lebende Witwe und ihre letzten paar Erdentage « , hatte sie gemeint . – Die Bestecke neben den Zinntellern hatten schwarze , abgenutzte Holzstiele , und zur Schonung des Tischtuches lag eine Wachstuchdecke inmitten des Tisches – alles schlicht bürgerlich und ängstlich sparsam , wenn auch von blinkender Sauberkeit . Das hatte er im Vorübergehen gesehen , und es war gut so . Da konnte von keiner Komödie die Rede sein , der ganze Zuschnitt des Hauswesens bewies ein zielbewußtes » Sicheinleben « in die gegebenen Verhältnisse . Er mußte nun wissen , daß sie es ernst gemeint mit ihrer Flucht . 7. Das herzogliche Haus besaß verschiedene Schlösser innerhalb des Landes , schöne , altertümliche Schlösser mit herrlichen Gärten und großartigen Parkanlagen , aber sie lagen meist in der Nähe