ich dieselbe laut vor : » Sie sah den stolzen Ritter , Im stählernen Gewand , Er grüßte sie so freundlich Und reichte ihr die Hand . Und als er ritt von dannen , Da Lehnte sie ihn zurück , Ihr Herz es war gebrochen , Gebrochen ihr Lebensglück . Drauf weinte sie heiße Thränen , Der Thränen weinte sie viel , Die wurden endlich zum Büchlein , Das von den Bergen fiel . Zum Bache kam der Ritter , Er sah sein Spiegelbild . Sein Spiegelbild in Thränen , Mit Lanze , Schwert und Schild . Schnell zäumt er auf den Renner , Er reitet Tag und Nacht , Und als er kam zu dem Hüttlein , Da rief er : aufgemacht ! Ihr Vater hört das Klopfen , Und greift zu seinem Speer Und macht zum Kampf sich fertig , Sich und die treue Wehr . Die Tochter Ihres Vaters , Sie ahnte wer es war , Beseligt und beglückend Folgt sie ihm zum Altar . « » Welch wilde Phantasien , « sagte meine Gefährtin , als ich geendigt , » aber in der That , die letzten Strophen sind dieselben , mit welchen die Unglückliche uns begrüßte . Nur klingen sie aus Ihrem Munde natürlicher , während ich vorhin wirklich eine Wahrsagerin zu hören glaubte . « Ich sprach mich in ähnlicher Weise aus , doch vermochte ich nicht , mich gänzlich von dem mir bereits liebgewordenen Gedanken , daß das Geschick mir durch die Irrsinnige seinen Beschluß habe kundthun wollen , loszusagen . Mit ganz anderen Augen und Gefühlen betrachtete ich daher jetzt die Nichte meines Vormundes , und nichts kommt der Sorgfalt gleich , mit welcher ich ihr wieder in den Sattel half und das Thier auf den besten Pfaden den Berg hinunterführte , dem Treiber es anheimstellend , nach Willkür seinen eigenen Weg zu wählen . Meine Aufmerksamkeiten nahm sie als etwas Selbstverständliches hin . Es schien ihr sogar lieb zu sein , dadurch Gelegenheit zu finden , ihren Gedanken mehr nachhängen zu können ; denn wenn die seltsame Weissagung meinen Geist noch immer ernsthaft beschäftigte und mich fast bereuen ließ , das nichts ahnende und zugleich vertrauensvolle herzige Wesen über meine Person getäuscht zu haben , so befand sie sich wieder unter dem Druck der durch meine Erzählungen muthwillig heraufbeschworenen phantastischen Bilder , welche zu verscheuchen sie sich vergeblich bemühte . So verfolgten wir unfern Weg in das Thal hinab ; die Blicke schweiften mechanisch in die Ferne , und nur gelegentlich , wie um den Schein eines drückenden Schweigens abzuwälzen , fielen kurze Bemerkungen über die schöne Naturumgebung und die größeren und kleineren heiteren Gesellschaften , welche uns nunmehr bald beritten , bald zu Fuße begegneten . Unsere Stimmung war seit einer Stunde vollständig umgewandelt worden ; der Sonnenschein dagegen war , wenn die Schatten sich auch etwas verlängert hatten , derselbe geblieben ; ebenso sangen und jubelten die Lerchen in ihrer alten Weise , und dazu erklang aus dem Dickicht hin und wieder der glockenreine Schlag einer Nachtigall . Erst als wir in das Thal hinabgelangten , schien der Bann , der auf meiner anmuthigen Gefährtin lastete , wieder von ihr zu weichen und ihre erregte Phantasie sich zu beruhigen , während die Aussicht , nun bald meinem Vormunde gegenüber zu treten , meine buntschillernden Luftschlösser weit in den Hintergrund drängte und mich fast nur des allseitigen Erstaunens bei dem unerwarteten Zusammentreffen gedenken ließ . Auf meiner Gefährtin Züge lehrte das sinnige Lächeln zurück ; ich dagegen wählte den tollen Gustav Wandel sammt seinem ehrwürdigen Vormunde auf ' s Neue zum Gegenstand scherzhafter Bemerkungen , um dafür die süßesten Vorwürfe , mit welchen je ein Mensch überhäuft wurde , einzuernten . Und so vertieften wir uns denn allmälig wieder so sehr in eine heitere Unterhaltung , daß es uns förmlich überraschte , die Mineralquelle plötzlich vor uns zu sehen . Fußnoten 1 Der hier geschilderten Person erinnere ich mich sehr wohl . Sie war in ihren jüngeren Jahren Kammerjungfer in einem gräflichen Hause gewesen und , nach ihren Aeußerungen zu schließen , hatte unglückliche Liebe ihren Geist unheilbar zerrüttet . Sie war vollständig harmlos , wanderte in der Umgebung Bonn ' s von Dorf zu Dorf , hier auf einem Bauerhofe den Mägden helfend , dort die ihr übertragenen feinen Handarbeiten sauber und gewissenhaft vollendend . Ueberall erhielt sie Speise , Trank und Obdach , doch brachte sie die Nächte , wenn das Wetter es gestattete , am liebsten unter grünen Bäumen zu ; nirgends weilte sie indessen länger , als höchstens vierzehn Tage . Wie sie gekommen war , verschwand sie auch wieder geheimnißvoll und ohne Abschied zu nehmen , in vielen Fällen aber einen in den schwülstigsten Ausdrücken verfaßten Brief hinterlassend . Manche Bewohner dortiger Gegend werden sich , gleich mir , jener seltsamen Erscheinung erinnern . Daß sie jetzt noch lebt , ist kaum anzunehmen , indem sie ein Alter von wenigstens achtzig Jahren erreicht haben mußte . Der Vers . 4. Capitel . Der Oberstlieutenant Viertes Capitel . Der Oberstlieutenant . Die Nähe des Mineralbrunnens erinnerte uns wieder an die Gegenwart und daß wir unser vorläufiges Ziel erreicht hatten . Schweigend spähte meine Gefährtin nach der schattigen Umgebung der Quelle hinüber . Sie suchte ihren Onkel , den ich schon längst auf einer Bank ganz im Hintergrunde mit seiner trauten Lisette – wie seine Gattin hieß – zur Seite , entdeckt hatte . » Sie versprachen mir doch , um diese Zeit hier sein zu wollen , « tönte es leise und mit dem Ausdruck der Enttäuschung von den jugendfrischen rothen Lippen . » Sollten es nicht die Herrschaften dort drüben in dem Winkel sein ? « fragte ich , indem ich , um nicht sogleich bemerkt zu werden , etwas zurücktrat ; » ich erkenne wenigstens einen mächtigen weißen Schnurrbart – « » Ja , ja , das sind sie – « unterbrach das junge Mädchen mich lebhaft , aber flüsternd , » ich will