einer Pause . » Das sollst du gleich hören « , sprach Trudchen . » Sieh , ich muß dich schon quälen . Mit Artur stehe ich mich keineswegs so , daß er mir hier raten könnte . Ich möchte dich bitten , Onkel , mit Franz zu sprechen . Ich will wissen , wie groß seine pekuniären Sorgen sind , und – « » Ei , Kind , laß den Unsinn ! « unterbrach sie , augenscheinlich peinlich berührt , der alte Herr . » Wozu mich denn da hinein bringen ? Pekuniäre Sorgen ! Was willst du dagegen tun ? Vorläufig geht dich das gar nichts an – wirst es früh genug erfahren . « » Du meinst , weil wir noch nicht Mann und Frau sind ? « fragte sie . 92 » Na , versteht sich ! « nickte er . » Oh , das ist ja ganz gleichgültig , Onkel « , sprach sie lebhaft . » Von dem Moment an , da wir uns verlobt haben , betrachte ich mich als zu ihm gehörig und was mein ist , als das seine . Warum soll ich ihn denn , da ich bereits frei über einen Teil meines Vermögens verfüge , nicht aus einer vielleicht sehr unangenehmen Lage reißen ? « » Aber liebes Kind – « » Laß mich aussprechen , Onkel . Du weißt , ich habe zehntausend Taler von Großmama voraus , über die kein Mensch als ich bestimmen darf , und diese zehntausend Taler sollst du Linden auszahlen . – Ich glaube , er muß notwendig bauen , es mag an diesem und jenem fehlen draußen , es ängstigt und quält ihn – tue mir die Liebe , Onkel . Sieh , ich kann mit ihm dergleichen nicht reden . « » Ich werde mich hüten , Jungfer Trudchen ! « » Warum ? « » Weil er es am Ende nehmen würde – oder er kommt mir vielleicht grob . Danke ergebenst ! « » Er soll es auch nehmen , Onkel ! « Er schwieg . » Wann wollt ihr denn heiraten , Kind ? « fragte er endlich . In Trudchens Gesicht stieg wieder die rosige Glut . » Mama hat sich noch nicht darüber ausgesprochen , Onkel . Franz hofft im April , und – eben mein Empfang soll ihm doch keine Sorgen machen . « 93 » Schön ! Schön ! So lange kann er ja warten « , meinte der alte Herr . Sie sah ihn enttäuscht an , aber sie antwortete nicht . » Ich will dir doch nichts zuleide tun , Kleine « , fuhr er fort , den traurigen Blick wohl verstehend , » ich will nur korrekt in Geschäftssachen handeln . Schau , wenn du auf dein Vorhaben versessen bist , so verbastelt und verbaut und verjuxt ihr ein schönes Kapital – um euch das Nest so recht behaglich und warm einzurichten . Amantes amentes – das heißt in unser geliebtes Deutsch übertragen : › Verliebt – verdreht ‹ . Und wenn Gott den Schaden besieht , bist du in deinem eigenen Fett gebacken worden – ha , ha ! « Trudchen veränderte keine Miene , es lag ein tiefschmerzlicher Zug um ihren Mund . Auch er sprach so ! Wie oft hörte sie derartiges jetzt . Selbst an dem einzigen Geschenk , das Linden ihr gemacht , hatte man ihr durch eine ähnliche verletzende Redensart die Freude verdorben . » Ei , sieh doch nicht so trostlos aus , Kleine « , gähnte der alte Herr , » was habe ich denn gesagt ? Wir Männer , glaube es mir , sind alle miteinander Egoisten – warum willst denn du deinen Zukünftigen noch darin bestärken und ihm schon von vornherein die gebratenen Tauben in den Mund fliegen lassen ? Halte ihn knapp , Trudchen , das ist das einzig richtige . Er darf weiter nichts sein als 94 der Prinz-Gemahl – die Regierung behältst du in deinen kleinen Fäusten . Alle Wetter , und ich glaube , regieren kannst du . « » Onkel ! « sagte das schöne Mädchen weich und trat vor ihn hin . » Onkel , du bist ja ein Heuchler , du redest von Dingen , an die du selbst nicht glaubst . Egoisten seid ihr alle ? Und ich kenne keinen Menschen , der weniger Anlage dazu hat als du . « » Wahrhaftig , Kind ! « beteuerte er lachend . » Ein Egoist bin ich vom reinsten Wasser . « » So ? Wer gibt denn am meisten den Bedürftigen in der Stadt ? Wer unterhält denn eine ganze arme Lehrerfamilie in Wohnung , Kleidung , Essen und Trinken ? Nun , wer , Onkel ? « » Alles Egoismus , nichts als Egoismus ! « rief er mit erhobener Stimme . » Beweisen , logisch beweisen , Onkel ! « » Na , nichts leichter , Trudchen . Du kennst ja die Geschichte , wie ich meinen Krampf in das Bein bekam und mich in das erste beste Haus auf der Steinstraße schleppte und da auf den ersten besten Stuhl hinsank . – Ich wollte gerade zum Diner , hatte mir Gustav Seyfried und August Seemann eingeladen – na , du weißt ja , die alten Jungen haben in Paris und London gegessen . Also , da aß ich in der niedrigen Stube , die Leute waren beim Mittagsbrot , und eine Schüssel dünner Kartoffelsuppe stand auf dem Tische , die kaum für den Mann genügt hätte . Sieben Kinder – ich sage 95 sieben Kinder , Trudchen – rings herum , und die Mutter kellte gerade auf . Beim Jüngsten fing sie an . Der Älteste , ein Bursche von vierzehn Jahren , bekam das letzte aus der Schüssel . Es war nicht viel mehr darin , und ich werde nie den Blick aus diesen eingefallenen , hungrigen Augen vergessen , mit denen er den leeren Napf anschaute . Es