sich die Schürze glatt , und indem sie die Hände wieder faltete , schickte sie sich zum Sprechen an . Aber sie blieb doch stumm und blickte wie verlegen um sich . Sollte sie dem jungen Kinde die traurige Geschichte erzählen und Haß und Groll und verwirrendes Mißtrauen in die reine Seele streuen ? Das Mädchen , das in stummer Erwartung da neben ihr saß , es war ja noch ein Kind ; der Army flog ihr sicher bald aus dem Sinn – nein , sie durfte diese thränenvolle Geschichte nicht erzählen . Und doch – wenn sich ’ s noch einmal wiederholen sollte , und sie hätte ihren Liebling nicht gewarnt ! „ O , Du allgütiger Gott ! “ murmelte sie leise , „ was kann ich da schon thun ? “ „ Mach ’ erst das Fenster auf , Liesel ! “ bat sie ; „ die Luft ist hier so eingeschlossen . “ Das junge Mädchen öffnete beide Flügel ; der Regen hatte aufgehört ; nur so ein leises Tröpfeln von Blatt zu Blatt ging noch durch die alten Bäume , und jener frische Erdgeruch zog in das kleine Stübchen , der immer nach einem Regen die Luft erfüllt . „ Liesel , “ sagte sie dann halblaut . „ Muhme ? “ fragte das junge Mädchen , und streichelte über das alte Gesicht . „ Liesel , Du – ich glaube , es wäre besser , Du gehst nicht mehr so oft zur Nelly , – – nachher , mein ’ ich , später , wenn der Army wieder da ist , und die Cousine , “ begütigte sie , als Lieschen den Kopf mit dem Ausdruck der Ueberraschung zu ihr wandte . „ Sieh , es ist nicht – ich denke – ich – “ sie stotterte und schwieg . „ Laß das , erzähle lieber von der Lisett ! “ schmeichelte das junge Mädchen in der Angst , die Muhme könnte wieder auf das gefürchtete Thema von vorhin kommen . „ Was ich von der Lisett erzählen wollte ? “ rief die alte Frau hastig , „ das sag ich , daß sie das liebste Geschöpf auf Gottes weitem Erdboden war , und daß sie hat sterben müssen , nur weil – weil – – höre , Liesel , wenn jemals Einer was auf Deine Großtante sagt , dann widerstreit es , denn es hat nie ein reiner Herz gegeben , aber auch keines , das auf so schändliche Art gebrochen worden – “ Sie schwieg eine Weile . „ Geh ’ nicht mehr auf ’ s Schloß , Liesel ! “ fuhr sie fort , indem sie die Hand des Mädchens ergriff und heftig drückte ; sieh , „ ich kann Dir nicht Alles sagen , wie es war ; es will mir nicht über die Lippen ; später sollst Du es erfahren , aber glaub ’ mir , es thut nicht gut , die alte Baronin , – die – – “ „ Hängt das mit der Geschichte von Tante Lisett zusammen ? “ fragte das junge Mädchen . „ Sag ’ es , Muhme , bitte , bitte ! “ „ Ich sag ’ weder Ja noch Nein , Liesel , “ erwiderte diese , „ aber das sag ’ ich , “ rief sie feierlich , „ es ist noch nicht aller Tage Abend , und wenn es ihr noch schlechter ginge auf Erden und sie käme als Bettlerin hier vor ’ s Haus , ich stieße sie fort und ließe sie weiter ziehn , denn wo die hintritt , da ist ’ s verflucht in alle Ewigkeit , und einmal im Leben , da werd ’ ich ihr ’ s doch noch in ’ s Gesicht sagen , daß sie ein – – “ [ 709 ] „ Muhme ! “ rief Lieschen mit einer abwehrenden Bewegung , so bang und laut , daß die alte Frau erschreckt innehielt . „ Es ist gut , “ murmelte diese . „ Ich will nichts weiter sagen . Aber Du darfst nicht auch so unglücklich werden wie die Lisett . Ich könnt ’ s ja nicht noch einmal durchleben , wenn – – Ach Du mein Gott , Kind , ich wollt ’ Dir ja nicht weh thun . Ich wollt ’ Dich nur warnen , Lieschen , “ fuhr sie fort , als sie das schluchzende Mädchen an ihre Brust gezogen , „ Du sollst ja Deine Freundin nicht missen , um Alles in der Welt nicht , aber sieh , wenn Eins jung ist , da kommen mitunter gar thörichte Gedanken in ’ s Herz [ 710 ] – – Lieschen , Kind , “ flüsterte sie ängstlich , „ gelt , Du thust es fühlen , daß ich es gut meine ? “ Lieschen nickte : „ Ja , ich weiß ; daß Du es gut meinst , Muhme , aber – – . “ Sie schwieg ; es war ihr so weh zu Muthe , so weh wie noch nie im Leben . – – Drunten in der Wohnstube saßen sie auch noch und schwatzten mit einander von alten Zeiten , von der schönen Lisett und dem Baron Fritz , und nun stand die kleine Frau Pastorin auf , setzte sich an ’ s Clavier und sang mit ihrer innigen Stimme ein kleines Lied : Auf ihrem Grab , da steht eine Linde ; Drin pfeifen die Vögel und Abendwinde , Und drunten sitzt auf dem grünen Platz Der Müllerbursch mit seinem Schatz . Die Winde , die wehen so kalt und so schaurig ; Die Vögel , die singen so süß und so traurig , Die schwatzenden Buhlen , die werden stumm , Sie weinen und wissen selbst nicht warum . „ Wo ist denn unser Lieschen ? “ fragte sie dann , „ sie muß doch auch einmal singen . “ Und Lieschen saß noch immer oben neben der Muhme , und als sie