sie trennten sich . 13. Kapitel . Flucht Dreizehntes Kapitel Flucht Die Pforte war nur angelehnt , und schon vom Garten aus ließ sich ' s erkennen , daß Trud inzwischen ins Haus zurückgekehrt sein müsse . Die Fenstervorhänge hingen noch herab , und das rasch wechselnde Schattenspiel zeigte deutlich , daß ein Licht dahinter hin und her getragen wurde . Grete stieg nun die Stufen hinauf , die von dem Garten in den Hof führten , drückte das Gitter ins Schloß und fühlte sich , über Flur und Treppe hin , bis an das Hinterzimmer des oberen Stocks . Die Türe stand noch offen , wohl der Schwüle halber , und Grete sah hinein . Was sie sah , war nur das Erwartete . Die Wiegendecke lag zurückgeschlagen , und Trud , in allem Putz und Staat , den sie bei der Festlichkeit getragen , mühte sich in gebückter Stellung um das Kind , das still dalag und nur dann und wann in Krämpfen zusammenzuckte . Ihre hohe Krause war zerdrückt , ihr Haar halb herabgefallen ; ihren silbernen Hakengürtel aber , der ihr beim Aufnehmen und Niederlegen des Kindes hinderlich gewesen sein mochte , hatte sie von sich getan und über das Fußbrettchen der Wiege gehängt . Und jetzt richtete sie sich auf und sah Greten vor sich stehen . » Ei , Grete . Schon da ! « sagte sie bitter , aber ersichtlich noch mit ihrer inneren Erregung kämpfend . » Wo warst du ? « » Fort . « » Fort ? Und ich hatt es dir doch verboten . « » Verboten ? « » Ja ! Und nun sieh das Kind . Ein Wunder Gottes , wenn es uns am Leben bleibt . Und wenn es stirbt , so bist du schuld . « » Das darfst du nicht sagen , Trud , « antwortete Grete ruhig , während es um ihren Mund zuckte . » Schilt mich . Schilt mich , daß ich ging , das darfst du , das magst du tun . Aber du darfst mich nicht schelten um des Kindes willen . An dem Kind ist nichts versäumt . Ich ließ es bei Reginen , und Regine , was sag ich , ist dreißig Jahr im Haus . Und war Kindermuhme bei Gerdt , und dann war sie ' s bei mir und hat mich großgezogen . « » Ja , das hat sie . Aber wozu ? Du weißt es , und ich weiß es auch . Und die Stadt wird es bald genug erfahren ... Armes Ding du ! Aber ' s ist Erbschaft . « » Sage nicht das , Trud . Nichts von ihr . Ich will davon nicht hören . « » Aber du sollst es . Undankbare Kreatur ! « Grete lachte . » Lache nur , Bettelkind ! Denn das bist du . Nichts weiter . Eine fahrende Frau war sie , und keiner weiß , woher sie kam . Aber jetzt kennen wir sie , denn wir kennen dich . Eine fremde Brut seid ihr , und der Teufel sieht euch aus euren schwarzen Augen . « » Das lügst du . « Trud aber , ihrer Sinne nicht mehr mächtig , erhob ihre Hand und schlug nach ihr . Grete war einen Schritt zurückgetreten , und es flimmerte ihr vor den Augen . Dann , ohne zu wissen , was sie tat , griff sie nach dem über der Wiege hängenden Gürtel und schleuderte ihn der verhaßten Schwieger ins Gesicht . Diese , vor Schmerz aufschreiend , wankte und hielt sich mühsam an einem hinter ihr stehenden Tischchen , und Grete sah nun , daß die scharfen Ecken des langen silbernen Gehänges Truds Stirn oder Schläfe schwer verletzt haben mußten , denn ein Blutstreifen rann über ihre linke Wange . Aber sie schrak vor diesem Anblick nicht zurück und hatte nichts als das doppelt selige Gefühl ihres befriedigten Hasses und ihrer errungenen Freiheit . Ja , Freiheit ! Sie war dieses Haus nun los . Denn das stand fest in ihrer Seele , daß sie nicht länger bleiben könne . Fort . Gleich . Und sie flog die Treppe hinab und über Flur und Hof in den Garten . Da wuchsen wieder die Himbeerbüsche wie damals , wo sie hier mit Valtin zwischen dem hohen Gezweig gestanden und über den Hänfling und sein Nest geplaudert hatte ; aber ihre verwilderte Seele dachte jener Stunden stillen Glückes nicht mehr . Sie kletterte nur rasch hinauf und horchte gespannt , ob Valtin schon da sei . Er war es noch nicht . Und so sprang sie vom Zaun in den Zernitzschen Garten hinunter und versteckte sich in der Laube . Denn daß er kommen würde , das wußte sie . Eine Viertelstunde war vergangen , als Grete Schritte vom Hofe her hörte . Er war es , und sie lief ihm entgegen . » Valtin , mein einziger Valtin . Ach , daß du nun da bist ! Es ist gekommen , wie ' s kommen mußte . « Und nun erzählte sie , was geschehen . » Ich wußt es . Alles , alles . Und ich muß nun fort . Diese Nacht noch . Willst du , Valtin ? « Sie waren , während Grete diese Worte sprach , vorsichtshalber , um nicht gesehen zu werden , von dem Mittelsteige her auf die Schattenseite des Gartens getreten , und Valtin sagte nur : » Ja , Gret , ich will . Was es wird , ich weiß es nicht . Aber ich sehe nun , du mußt fort . Und das hab ich mir geschworen , so ich ' s nur einseh , daß du fort mußt , so will ich ' s auch und will mit dir . Und dann sieh , ich bin ja doch eigentlich schuld . Denn du wolltest nicht weg von dem Kind , und ich hab dich überredet und dich trotzig gemacht und dich