gewiß ... Ja , ja , Hilde , das darfst du nicht bestreiten : er zieht dich vor . Aber glaube nur ja nicht , daß es das ist . Nein , nein , er soll dich vorziehen ; ich bin nicht böse darüber und gönne dir alles . Alles und dann immer noch was dazu . Nein , Hilde , das ist es nicht . Sie sollen dich lieben , jeder , und , versteht sich , am meisten ich ... Ach , ich glaub , ich sterbe , so lieb hab ich dich . « Und dabei glitt er nieder und legte schluchzend den Kopf auf ihre Knie . Das aber gab ihr einen Schreck und eine Herzensangst , und sie bat und beschwor ihn , abzulassen und wieder aufzustehen . » Ich hätte den Tod , wenn ' s die Grissel säh . Ach , ich kenne sie ; sie war anders sonst ; aber jetzt hat sie nur spitze Reden für mich und ist hämisch und neidisch , weil ihr so gut gegen mich seid und mir alles zu Willen tut : der Vater und der alte Sörgel und der alte Melcher Harms oben . Ich bitte dich , Martin , steh auf ... Sieh , sieh nur , jetzt hat sie ' s gesehen ! « » Laß sie . Mir gilt es gleich . Sie soll es sehen . Jeder soll es sehen . Und er auch . « » Um Gottes willen , nein , er nicht ! Ich weiß nicht , Martin , was es ist , aber er darf es nicht sehen . Ich les es ihm von der Stirn , er will es nicht . Er will , daß wir Geschwister sind , das mußt du doch auch wissen , und Bruder und Schwester ist sein drittes Wort . Und was er sonst noch will , das weiß ich nicht . Nur das weiß ich , daß er mich immer so ansieht , als ob ich was anderes wär und was Apartes und alles nicht gut genug für mich . Auch du nicht . Und letzten Erntekranz , als er uns tanzen sah , da hört ich auch so was . Und ist doch alles Torheit und Unverstand und schafft mir bloß Neid und Mißgunst . Und bedrückt mich bloß . Ja , das ist es . Ach , Martin , ich bin ihm gut , weil er gut gegen mich ist ; aber ich weiß nicht , ich fürchte mich vor ihm . « » Und ich auch , Hilde . Ja , ja , das ist es . Aber ich will mich nicht länger fürchten und schäme mich meiner Furcht . Denn vor seinem Vater soll man sich nicht fürchten . « » Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren ! « » Ehren ! wohl . Aber da liegt eben der Unterschied . Ehren soll man sie und Respekt haben . Und wenn du das zusammentust , so hast du die Ehrfurcht . Und die Ehrfurcht , die ist gut . Aber bloß Furcht , das ist falsch und schlecht und feig . Und ich will es nicht länger ! « » Ich glaube wohl , daß du recht hast . Aber übereile nichts . Und jedenfalls nicht heute . Du weißt ... « In diesem Augenblicke hörten sie das Anschlagen eines Hundes vom Dorfe her , und gleich darauf wurde der Jagdwagen zwischen den Zweigen des Weges sichtbar . Es war also höchste Zeit , abzubrechen , und beide huschten um so rascher und ängstlicher ins Haus , als sie sich nach dem eben geführten Gespräch unfähig fühlten , eine rechte Freude bei des Vaters Ankunft zu zeigen . Und so fand sich denn nur Joost ein und nahm die Leinen aus des Heidereiters Hand , während Grissel , die gerade Zucker und Zimmet über die Kuchen streute , von ihrem Backofen her aufsah und grüßte . Freilich nur mit einem flüchtigen und vertraulichen Kopfnicken , wie Dienstleute zu tun pflegen , die sich daran gewöhnt haben , auch ihren Gruß innerhalb gewisser Grenzen zu halten . Und nun kam der Abend , und um die siebente Stunde saß alles um den runden Tisch . Auf einem der Ständer aber standen die Kuchen und der Ziderwein , auf den hin die Grissel eine Reputation hatte , und alles war festlich und gemütlich , oder doch so gemütlich , wie ' s in des Heidereiters Haus und unter der Kontrolle seiner buschigen Augenbrauen überhaupt sein konnte . Der Ofen , in dem ein Reisigfeuer brannte , gab eine gelinde Wärme , während doch gleichzeitig ein Luftzug durch die Fenster kam und die Sterne mitsamt dem erleuchteten Schloß von drüben her hereinsahen . Alles war Frieden ; die Lichter im Zimmer flackerten nur leise hin und her , und kleine Rauchsäulen stiegen auf und schlängelten sich an der Decke hin . Der Heidereiter war ersichtlich in bester Laune von Ilseburg zurückgekehrt und plauderte mit vielem Behagen von dem kleinen buckeligen Gerichtsschreiber , dessen Buckel nur noch von seiner Wichtigkeit übertroffen werde . Dazu bracht er auch eine Neuigkeit mit , und zwar die : daß die Preußen bald wieder einen Krieg haben würden ; denn ohne Krieg könnten sie nicht sein . Und zuletzt kam er , wie gewöhnlich , auf die gnädige Gräfin , von der ein Gerede gehe , daß sie katholisch werden wolle . Darüber war nun die Grissel natürlich außer sich ; aber ehe sie noch ein passend-gemäßigtes Wort der Empörung finden konnte – denn der Heidereiter hielt auf Respekt gegen die Herrschaft – , fuhr dieser in eigenem Unmut fort : » Und wer ist schuld daran ? Wer anders als dieser alte Kamm-Melcher , der jeden Abend oben steckt und unserem alten Sörgel über den Kopf weg seinen Mischmasch von Weisheit und Unsinn zum besten gibt . Versteht sich , heimlich . Aber was ist heimlich bei vornehmen Leuten ? Und