und Norwegen fahren , wo wir demnächst ... « » Schon wieder ein neues Projekt ? « fragte Lukas entsetzt . » Bei dem sich in wenigen Jahren ein Bombengeld verdienen läßt , aber darüber reden wir ein anderes Mal ... « » Ja , bitte « , murmelte Lukas mit schwacher Stimme . Nach all diesen Aufregungen sind wir etwas marode , und es hat eine Art Sinn bekommen , daß wir in einer Nervenanstalt sind . Darüber wird es nun allmählich Herbst , die Schauspieler sind fort ... es war halt nur ein Sommertheater . So sind auch die Feste im Separatflügel eingeschlafen und wir stille Patienten geworden , ein wenig abgespannt , ein wenig reizbar , also gerade , wie es sich gehört ? Der Professor behandelt uns wieder auf unsere Nerven hin , Baumann behandelt unsere Komplexe . Henry und ich sind uns längst klar darüber , daß es völlig zwecklos ist , denn der beiderseitige Geldkomplex steigert sich seit Balailoffs Verschwinden bedenklich . Wird mir hier oben die Welt zu eng , so flüchte ich zu ihm ins Bureau . Er sitzt am Schreibtisch , rechnet , rechnet , macht Überschläge und murmelt Zahlen , ich sehe die Sanatoriumsrechnungen durch , die immer mehr anwachsen , und Lukas sitzt resigniert dabei . » Keine Nachricht von Ihrem Herrn Gemahl ? « » Gemahl ? ... nein ... ja doch , er wird nächstens hier eintreffen . « Ich bin zu sehr in die Rechnungen vertieft und kann mich nicht gleich besinnen . » Sie sollten sich aber doch daran gewöhnen , den betreffenden Herrn mit seinem rechtmäßigen Titel zu bezeichnen . Oder gedenken Sie ihn hier schlechthin als Miterben einzuführen ? « - » Keine Ahnung , wie ich das machen soll . Daß wir verheiratet sind , glaubt ja doch niemand . Wir nennen uns Sie , und ich weiß von seinem Leben so wenig wie er von meinem . Es möchte sich doch sonderbar ausnehmen , wenn wir uns bei jeder Gelegenheit erst gegenseitig darüber aufklären müssen . « » Führen Sie ihn als Ihren Vetter ein . « Ich fand den Vorschlag ganz gut , aber Henry war übler Laune und warf mir vor , ich wollte immer nur Films veranstalten , und diese ganze Heirat sei schon Film genug . Sehr mit Unrecht , denn was kann ich dafür ? Du weißt ja ungefähr , wie die Sache war ... Er wollte heiraten , weil er fürchtete , sonst enterbt zu werden , und setzte die Hälfte seines Erbes als Preis dafür aus . Ich saß gerade in Paris und wußte nicht recht , was ich tun sollte , als gemeinsame Bekannte mir den Fall unterbreiteten und ziemlich hohe Ziffern dabei spielen ließen . Lebhaft erinnere ich mich , wie man in einem kleinen Montmartre-Café saß und beriet : soll sie es tun ? ... soll sie es nicht tun ? ... Ich selbst wurde eigentlich kaum um meine Ansicht gefragt . Aber ich gab dann schriftlich mein Jawort und fuhr dorthin , wo mein zukünftiger Eheherr sich aufhielt . Man hatte ihn mir als degenerierten Baron geschildert , und auch das lockte mich . Aber er sah aus wie ein Seeräuber in Zivil , und seine Degeneriertheit bestand nur darin , daß er trank . Die Familie verhielt sich etwas skeptisch und wollte vor allem wissen , ob ich Vermögen hätte . Nein , aber später eines zu erwarten , was ja im Falle unserer Heirat auch der Wahrheit entsprach ... Alles Weitere entwickelte sich dann merkwürdig günstig , die unwahrscheinlichsten Umstände kamen mir zu Hilfe , so daß ich kurze Zeit hindurch selbst in den Augen seines Vaters - eben des alten Herrn , der jetzt das Zeitliche gesegnet hat - mit Glück die Rolle des guten Engels spielte . An diesen Glanzpunkt meiner Laufbahn denke ich immer noch mit Wehmut zurück und muß mir selbst alle Anerkennung zubilligen , denn weder andere noch ich hätten das jemals für möglich gehalten . Es dauerte denn auch nicht lange - eben , bis es gar zu auffallend wurde , daß wir keinen gemeinsamen Haushalt gründeten , daß unsere beiderseitigen Niederlassungen sich vielmehr an entgegengesetzten Endpunkten des In-oder Auslandes befanden und , falls es gelegentlich in Frage kam , keiner über den Aufenthalt oder die Schicksale des anderen auf dem laufenden war . Schließlich kam dann auch noch die Geschichte mit dem Kontrakt auf ... Das alles mußte ich Lukas noch einmal eingehend schildern , wie auch die Persönlichkeit meines Gatten und Miterben . Wir einigten uns dann dahin , ihn doch lieber in der Stadt wohnen zu lassen . Der Professor hat sicher vorläufig genug von Alkoholikern , und soweit ich diesen kenne , ist er von ungemein aufrichtigem Charakter und wäre nicht imstande , den Wunsch nach einer Entziehungs- oder anderen Kur auch nur vorzutäuschen . 17 Habe ich wirklich einen ganzen Monat nicht geschrieben ? Was soll ich denn auch schreiben - immer wieder dasselbe : es ist noch nicht da , ich warte . Tröste Dich damit , daß ich meine sämtlichen Korrespondenzen schon lange so gut wie abgebrochen habe . Niemand wußte mehr den Ton anzuschlagen , den ich vertragen konnte . Die einen wollten mich mit dieser Erbschaft , die niemals kommt , aufziehen und schienen zu meinen , daß das Ganze nur ein Witz sei . Andere gratulierten mir zu dem unverdienten Glück , das mir so mühelos in den Schoß gefallen wäre . Wenn ich nur das nicht mehr hören soll . Es begreift wohl niemand , was für eine ungeheuerliche Leistung dieses Warten bedeutet , und niemand hat auch nur eine Ahnung , was für Leiden ein Geldkomplex mit sich bringt . Seit etwa zwei Wochen beginnt es allmählich zu tagen . Es hat wenigstens den Anschein - ich will mich lieber noch vorsichtig ausdrücken . Der Miterbe ist wohlbehalten hier eingetroffen - ich betone das wohlbehalten , denn wie leicht hätte