schnell das Zimmer . Das hatte ihr wohlgetan , nun würde sie schlafen können ; sie wollte ein Schlafpulver nehmen und weiter träumen von schönen , süßen Dingen . Dachhausen hatte versucht , auf der Heimfahrt beruhigend und heiter zu seiner Frau zu sprechen . Was war denn geschehn ? Nichts , nicht wahr ? Sie war in letzter Zeit ein wenig nervös , da mochte so eine Mondscheinpartie für sie zu anstrengend sein . Sie würden nächstens bei Tage fahren , das war alles . Lydia aber sagte kein Wort ; erst zu Hause , als sie im Wohnzimmer vor dem Spiegel stand und ihr erhitztes Gesicht und ihre verweinten Augen betrachtete , da begann sie zu sprechen , mit einer Stimme so böse und klagend , als hätten sie die ganze Zeit über schon miteinander gestritten . Natürlich , er fand in alledem nichts , für ihn war nie etwas geschehen , er tanzt auf der Wiese Quadrille , und sie muß im Schlitten hocken . » Aber du konntest doch nicht , Kind « , wandte Dachhausen hilflos ein ; aber Lydia lachte höhnisch , oh ! sie wußte wohl , sie war immer die Ausgeschlossene , ihr gab man zu verstehen , daß sie nicht dazu gehörte . Warum fuhr er nicht allein in den Wald , wenn er mit Gertrud tanzen wollte . Ihretwegen konnte er den ganzen Tag mit Gertrud tanzen , o Gott , wie ihr das gleichgültig war , aber es war seine Pflicht , ihr Demütigungen zu ersparen . Dachhausen war verzweifelt . » Demütigungen , « rief er , » ich möchte den sehen , der dich zu demütigen wagt ! « Allein es machte auf Lydia keinen Eindruck . » So , « fuhr sie fort , » und hörtest du nicht , was Egloff vom Monde und der Karriere sagte ? « - Nein , Dachhausen erinnerte sich nicht , und was es auch gewesen war , es hatte gewiß nichts mit Lydia zu tun . Lydia zuckte die Achseln : » Natürlich , du verstehst nichts , du siehst nichts , du hörst nichts « , und als er besänftigend ihre Hand fassen wollte , wandte sie ihm den Rücken , sagte , sie wolle allein sein und ging in ihr Zimmer . Ratlos blieb Dachhausen im Wohnzimmer zurück ; er verstand Lydia immer weniger , sie war in letzter Zeit so gereizt , seine Ehe wurde so kompliziert , daß er sich in ihr nicht mehr zurechtfand . Hatte sie etwas gegen ihn ? Aber das war ja nicht möglich , niemand hatte etwas gegen ihn und nun noch seine Frau . Aber da war nichts zu machen : zu ihr zu gehen wagte er nicht , so ging er in sein Arbeitszimmer , streckte sich auf dem Sofa aus und zündete sich seufzend eine Zigarre an . Unterdessen jagte Egloff auf der mondbeschienenen Landstraße weiter . » Weiterfahren « , hatte er dem Kutscher befohlen . » Zur Stadt ? « fragte dieser . » Ach was , Stadt « , sagte Egloff ärgerlich , nahm dem Kutscher die Leinen fort und fuhr selbst . Er bedurfte des weiten Raumes , dieses Lichtes , dieser Bewegung , zu Hause erwarteten ihn doch nur Geldsorgen und widerwärtige Gedanken . Hier brauchte er nicht zu denken und konnte das wärmende , angenehme Gefühl erhalten , das ihm in sich neu und wertvoll war . Also vorwärts , hinein in den Lichtnebel , vorüber an kleinen Katen , die still unter ihren Schneehauben schliefen , die leere Dorfstraße entlang , auf der nur hie und da ein schläfriger Hund anschlug . Vor einem Kruge hielt er an , um das Pferd einen Augenblick verschnaufen zu lassen . Und in der niedrigen Krugstube qualmte eine Lampe über dem Schenktisch ; die schwarze Lene , die Krügerstochter , hatte die nackten Arme auf den Tisch und den Kopf auf die Arme gestützt und schlief ganz fest . Auf einer Bank saß ein Bauer im Pelz , die Peitsche in der Hand , vor seinem Schnapsglase und schlief auch . Am Ofen aber kauerten nahe beieinander zwei Juden mit roten Bärten und flüsterten . » Lene « , sagte Egloff und berührte den Arm des Mädchens . Lene fuhr auf , das Gesicht ganz rot vom Schlaf unter dem wirren , schwarzen Haar . » Der Herr Baron « , stammelte sie und lächelte schlaftrunken . » Auf auf ! Schwarze , « rief Egloff , » gib mir einen Gilka und bringe meinem Kutscher einen hinaus . « Während das Mädchen die Gläser vollschenkte , sah Egloff sich in der Stube um und verzog sein Gesicht , als ekele ihn . Daß man überhaupt noch in diesen sogenannten Stuben , in diesen Menschenlöchern wohnen kann , ging es ihm durch den Sinn . Er fühlte sich in diesem Augenblick ganz als zugehörig zu der weiten , mondbeschienenen Ebene . Vor den Juden blieb er stehen und sagte : » Juden , warum schlaft ihr nicht ? Läßt euch das Geld nicht schlafen ? Zwackt euch das Geld so , daß ihr nicht schlafen könnt ? « Die Juden sahen zu Egloff auf mit schnellen , wachsamen Blicken wie sichernde Tiere , dann lächelten sie demütig , und der eine sagte : » Uns lassen unsere Sorgen nicht schlafen , den Herrn Baron läßt nicht schlafen das wilde Blut , so hat jeder , was ihn zwackt . « » Ach , was wißt ihr vom Blut , « meinte Egloff , » ihr habt ja keins . « Er wandte sich ab , trank seinen Gilka und ging hinaus . Vor der Tür stand Lene , die Arme in die Schürze gewickelt und starrte zum Monde auf . » Hell , hell « , sagte sie . » Ja , Lene , « meinte Egloff , » das ist eine Nacht , ein anderes Mal nehme ich dich mit «