auf die Leute von jenseits der Meere zurückzuführen ! - Am entrüstetsten aber äußerten sich die vielen Priester , und der Abt des Klosters beschloß , sich hinunter zur Sommerresidenz der Kaiserin zu begeben , um vor der gnadenreichen Gegenwart seine Stimme zu erheben und sie anzuflehen , die Rechte zu schützen , die den Tempeln und Klöstern vor Jahrhunderten von den heiligen kaiserlichen Ahnen verliehen worden waren . Und er war nicht der einzige , der sich mit solchem Flehen dort einfand . Der Sommerpalast war zwar von einer hohen Mauer umfriedet , aber es drang doch mancherlei von dem , was drinnen vorging , über diese Umwallung hinaus . Und so erfuhr man denn in den benachbarten Dörfern und von da wiederum in den Tempeln , daß sich die Abordnungen mehrten , die täglich aus Peking kamen , um vor Tzü Hsi gegen die von den Kantonesen eingegebenen Willensäußerungen ihres plötzlich so intensiv regierenden kaiserlichen Neffen zu protestieren Das Gefolge des Abtes erzählte bei seiner Rückkehr , daß gleichzeitig mit ihnen die vornehmsten Mandschugroßen und die höchsten Beamten des Ministeriums der heiligen Riten im Sommerpalast eingetroffen seien , um mit lauten Stimmen Aufhebung der allerneuesten Manifeste Kwang Hsüs zu verlangen . In ihnen hatte der Kaiser , wegen Unterschlagung einer an ihn gerichteten reformatorisch gesinnten Denkschrift , die Spitzen dieser ehrwürdigen Behörde kurzerhand all ihrer Aemter enthoben . Außerdem aber hatte er , um Geld für seine Reformen zu gewinnen , auch die Aufhebung einer Menge einträglicher Pfründen verfügt , auf denen seit Generationen die Mandschus anstrengungslos fett geworden . Tausende wurden von dieser Maßregel getroffen , sogar ein Verwandter der Kaiserin aus dem Yehonala Clan befand sich darunter . Doch Tzü Hsi , die Geheimnisvolle , hatte all diesen in sie Drängenden , wie auch dem Abte , nur vieldeutig geantwortet : » Sie möchten sich gedulden . « Ihre eigene Geduld war scheinbar nicht erschöpft , denn es hieß , daß sie gerade jetzt wieder ein besonders prunkvolles Theaterfest vorbereiten ließe . Und doch schien es unglaublich , daß sie all diese Umwälzungen ruhig hinnehmen sollte ! Gerade um diese Zeit mußte der Ta-jen sich auf einen Tag in Geschäften nach Peking zurückbegeben . Aber mit all den dunkeln Umtrieben und Vorgängen im innern Leben Chinas hatte seine Reise offenbar nichts zu tun , denn Tschun hörte ihn ärgerlich zum ersten Sekretär sagen : » Da muß man nun mal wieder seinen wohlverdienten Landaufenthalt unterbrechen , bloß wegen dem ewigen Drängen dieser unleidlichen Konzessionsjäger ! « - Ja , was sich auch sonst im rätselreichen China an Wandlungen vorbereiten mochte , das geschäftige Treiben der Konzessionsjäger blieb sich immer gleich , und um solch eine von seiner Heimatsregierung besonders protegierte Gruppe zu vertreten , hatte sich der Ta-jen im Tsungli-Yamen angemeldet . » Na , « sagte er beim Abschied , » wenigstens will ich die Gelegenheit benutzen , um bei den Kuriositätenhändlern in Peking mal wieder Umschau zu halten , ob sie nicht neue Nephritgegenstände inzwischen erhalten haben ! « Nachdem die Sänfte , in der der Ta-jen nach Peking getragen wurde , auf dem zur Ebene führenden Weg verschwunden war , beschloß die zurückbleibende Taitai , eine Wanderung in die Berge zu unternehmen . Es gab da auf einer der obersten Höhen ein verfallenes graues Tempelchen , das zu besuchen sie schon lange lockte . Tschun mußte sie , wie immer , begleiten , und Tin chau trottelte nebenher , mit wohlgebürstetem Seidenhaar , platt gedrücktem Trüffelnäschen und erstaunt hervorquellenden Glotzaugen . Wurde aber der Weg dem Hündchen lang , so daß ihm die kleine rosa Zunge aus dem Mäulchen hing , so nahm Tschun es auf den Arm und trug es sorglich weiter . Ein schmaler Pfad schlängelte sich den Hügel hinan . An den kahlen Vorsprüngen des Bergrückens , auf die die Sonne brannte , lag er schattenlos ; da standen spärliche wilde Blumen zwischen braun versengtem Gras , und schillernde Eidechsen wärmten sich regungslos auf den Steinen ; aber wo des Weges Windungen durch die Schluchten führten , war es kühl und schattig . Denn da hatte sich die Feuchtigkeit seit vielen tausend Frühlingen bei jeder Schneeschmelze angesammelt und es waren kleine Haine entstanden . Auch mußten diese Plätze offenbar von früheren Menschen als Stätten kurzer Lebensjahre oder langer Todesruhe bevorzugt worden sein , denn allerwärts traf man Mauerreste verschwundener Klöster und Spuren von Gräbern längst Vergessener . An solch einem lang schon namenlos gewordenen Platze gewahrten die Taitai und Tschun einen auf einer umgestürzten Steinstele rastenden Knaben . Ein Bündel , das er an einem Bambusstab über der Schulter getragen , lag neben ihm . Die Taitai , die auf ihren Reisen in die Lebensbedingungen möglichst fremdartiger Menschen ebenso gern eindrang , wie sie unbekannte ausländische Gerichte kostete , wollte wissen , was er hier mache . Auf Tschuns Frage deutete der Knabe in die Höhe , wo man nun schon deutlich das graue , ganz verfallene Tempelchen gewahrte , und antwortete : » Ich gehe dort hinauf zum Tempel der tiefen Beschaulichkeit , dem heiligen Mann Essen bringen . Dafür muß er dann beten , daß wir genug Regen bekommen für unsere Felder . « Die Taitai war ganz erstaunt , daß irgend jemand in dieser Abgeschiedenheit leben könne , und der Knabe erzählte : » Winters geht der heilige Mann immer nach Peking , da könnte ja auch niemand von uns aus dem Dorfe im Schnee hier herauf kommen , um ihm sein Essen zu bringen . Aber sommers ist er immer da . Er kommt von sehr weit her . « Und dabei machte der Knabe eine Gebärde , die den ganzen Horizont zu umfassen schien . Nun war die Taitai sehr begierig geworden , diesen Einsiedler zu sehen , und zusammen mit dem Knaben schritten sie den Berg weiter hinan . Wandernd erzählte er ihnen , daß er Mahan heiße und sie schon mehrmals gesehen habe , denn er wohne in einem dem Tempel der unendlichen