Zettel in der Hand , sah stumm den alten Bergmann an . Der sagte : » Ich hab gemeint , es wär eine nutzbare Sach . Aber so ein Herr versteht ' s halt besser . « Wieder dröhnte der Hall der Kammerbüchse . » Komm , Bub « , sagte der Amtmann . » Jetzt wollen wir hinüber in den Hirschgraben und das neue Ding betrachten . Der Pießböcker hat schon recht : Das ist eine große Sach ! Und sei verständig , Bub ! Tu im Hirschgraben die Herren geziemend komplimentieren . « Er fügte mit leiser Stimme bei : » Auch die Jungherren , die dir nicht gefallen . « » Vater ! « » Was ? « fragte der Amtmann mißmutig . Lampert legte die Hand auf den Arm des Vaters . » Das Ding mit dem Buben will mir nicht aus dem Sinn . Ich weiß nicht , ob das recht gewesen , was du da getan hast . « In der reizbaren Seele des Amtmanns kam plötzlich der nur halb unterdrückte Zorn wieder obenauf . » Willst du mucken wider deinen Vater ? « schrie er . » Werd erst ein festes Mannsbild ! Bist Doktor und Magister ! Aber allweil bist noch wie ein seidnes Fähnl , das sich rührt vor jedem neuen Wind , mag ' s ein guter oder schlechter sein ! Ich denk zuerst ! Verstehst du ! Und was ich tu , das ist - « Herr Someiner schwieg und sah zum Fenster hin . Da draußen verstummte der Hufschlag zweier Pferde . Lampert , der bei seines Vaters Wort vom seidenen Fähnlein bleich geworden , wandte sich schweigend ab und verließ die Amtsstube . Als er schon bei der Treppe war , hörte er das Eisengeklirr zweier Männer , die das Haus betraten . Er drehte das Gesicht und schien in seiner Erinnerung zu suchen . Da kam der Ramsauer Richtmann auf ihn zu , streckte ihm die Hand hin und sagte freundlich : » Gottes Gruß , Jungherr ! Euch kenn ich noch allweil . Aber Ihr wisset wohl nimmer , wer ich bin . Freilich , es ist schon an die sieben Jahre her , daß wir uns nimmer gesehen haben . Ich bin der Runotter von der Ramsau . « Während Lampert rasch die Hand des Richtmanns umklammerte , fuhr ihm das Blut ins Gesicht . » Doch , ich weiß schon , Ihr seid es ! « In der Erregung , die ihn befallen hatte , sagte er Ihr , als wäre der Bauer von den Herren einer . Lampert warf einen fragenden Blick auf den Spießknecht hinüber , der in die Amtsstube trat . » Runotter ? Bist du vor das Amt gerufen ? « » Wohl , Jungherr ! « » Warum ? « » Ich weiß nit . « In der Amtsstube flüsterte Marimpfel : » Gestreng ! Auf dem Hängmoos steht ein Käser , und siebzehn Milchküh sind aufgetrieben . Der Kerl da draußen muß ein schlechtes Gewissen haben . Er ist grob gewesen , und seine Wehr hat er angetan . « Herr Someiner winkte mit den Augen . Da ging der Spießknecht auf die Tür zu und rief hinaus : » Richtmann ! Kommen sollst ! « Runotter trat in die Stube . » Gottes Gruß , Gestreng Herr Amtmann ! « Mit dem Bauer war auch Lampert gekommen . Er sagte rasch : » Hier wird geamtet ? « Seine Stimme klang gepreßt . » Ich soll doch lernen , nicht ? Da kann ich wohl bleiben und hören ? « Herr Someiner nickte und sagte zum Richtmann : » Gottes Gruß ! Du bist in Wehr ? Warum ? « Der Ramsauer sah zum Fenster hinaus . » Herr ? Sollt nit der Spießknecht acht haben auf die Gaul da draußen ? Der meinig ist ein lützel hitzig . Da könnt er schlagen oder beißen . « » Beißt er « , murrte Marimpfel , » so kriegt er eine aufs Maul . « Klirrend verließ der Spießknecht die Stube . Runotter nahm die eiserne Schaller ab , legte sie auf das Fenstergesims und sagte ruhig : » Warum ich in Wehr bin , Herr ? Aus Fürsicht . Für Hofleut ist ein Bauer allweil der Minder . Um Händel zu verhüten , hab ich die Wehr angetan , wie mir ' s zusteht als Erbrechter . « Lampert , der gegen die Tür der Kammer gelehnt stand , verwandte keinen Blick vom Gesicht des Bauern . » Soooo ? « sagte Herr Someiner . » Fürsicht ist eine löbliche Tugend . « Er musterte den Mann . » Ein festes Eisenzeug ! Wirst bald noch einen zweiten Holdenküraß brauchen . Heut hab ich im Wehrbuch gelesen , daß dein Bub im Winter zu achtzehn Jahren kommt . Vermerkt steht , daß er nicht wehrfähig ist . « Runotters Augen suchten im Leeren . » Das is nit meine Schuld . « Das Wort war ruhig gesprochen , und dennoch schien es unbehaglich auf den Amtmann zu wirken . Er benahm sich wie einer , der nicht gehört haben will , und sagte : » Willst du für deinen Buben das Erbgut aufrecht halten , so mußt du für ihn zur Holdenwehr im Winter einen Ersatzmann stellen . Da wirst du dich beizeiten umschauen müssen . « » Wohl , Herr ! Könnt sein , es war da grad ein guter Weg . Heut hat mir der Heiner , mein Knecht , von einem Soldmann erzählt , der in die Ramsau kommen ist . Will reden mit dem . Mag er bleiben , so zahl ich ihm gern die Löhnung fürs Warten bis zum Winter . Für meinen Buben tu ich alles . « » Freilich , du kannst es ! « Herr Someiner lächelte . » Der beste Steuergeber in der Ramsau ! « » Dem Himmel Vergelts ! Gott segnet meinen Schweiß . «