, spottete der Lieb und Treue und gehub mich am End so zügellos , daß der Weidhofer aufstund , mich bei den Ohren hinauszog und mir ein paar herunterstrich . Über diese derbe Zurechtweisung war ich dann so sehr beschämt , daß ich mir nicht mehr getraute , zu den andern hineinzugehen , sondern mich ganz still und kleinlaut nach der Kuchel verzog , wo die Weidhoferin und das Kuchelmensch eifrig brieten und hantierten ; bald wurde es mir aber darin zu dämpfig , und ich drückte mich nach dem Stall , lehnte mich an die Hühnersteigen und schlief schließlich dorten so fest ein , daß mich weder das Rufen der Stallmagd noch die Püffe des Ochsenbuben wieder erwecken konnten und das Stallmensch mir am End aus christlicher Nächstenlieb ihren Melkkittel unterbreitete und mich daraufstieß und schnarchen ließ bis zum andern Morgen . Da verwunderte ich mich höchlich über diese seltsame Liegerstatt und konnte mich gar nicht drauf besinnen , wie ich dahin gekommen war . Es wurde mir aber bald ein Licht darüber aufgesteckt , indem die Burschen und Mägd allesamt , kaum ich darnach in die Stube trat , um meine Frühsuppe zu essen , anfingen , mich zu verlachen und als traurigen Helden zu rühmen , der , wenn er auch noch nach Windeln rieche , gleichwohl schon gut beschlagen sei im Saufen und Schreien , und der jede gute und ehrbarliche Gemein durch sein säuisches Benehmen in üble Nachred brächte . Mit offenem Maul saß ich unter solchem Gered da und marterte mein Hirn , ohne daß mir was einfiel . Da half mir der Weidhofer drauf : » Gelt , heut sitzt da , als wenn dir d ' Hennen ' s Brot gnommen hätten ! Aber gestern hat einer plärrt und grehrt wie ein narreter Stier , und hat sich aufgmandelt und ein rechtlichs Maidl verächtlich gmacht ! ... « Und da ich ihn ganz verdattert anglotzte , fuhr er fort : » Ja , ja . So hast es trieben , gestern . Aber jetzt hast ausgstänkert , mein ich ; jetzt sind dir die Perlen rausgfallen aus der Kron ; und deine Jungfer , denk ich , wird wohl auch genug haben an so einem Lüdrian , so einem Hannaken , wie du einer bist . « Bei einer solchen Kirchweihpredigt wär einem andern auch kaum mehr bsunder geruhig zumut gewesen ; mir aber ward so elend dabei , daß ich , weiß Gott , was drum gegeben hätt , wenn ich in diesem Augenblick hätt ein Tarnkäpplein oder Bleßpulver bei mir getragen , mich unsichtbar zu machen , oder einen Meilenstiefel , mich damit an das ander Weltend zu kutschieren ; aber ich war verurteilt , zur Predigt auch noch das Amt zu hören , indem sie nun alle zusammenschrien und auf mich einfuhren , bis ich mit einemmal einen greulichen Fluch ausstieß , meinen Stuhl umwarf und hinausstürmte . Ich riegelte mich in meine Kammer ein und ließ mich nicht mehr sehen , bis die andern auf dem Kirchgang waren ; da denn der Kirchweihmontag bei uns als ein guter Feiertag gleich dem Oster- und Pfingstmontag galt . Erst als alles im Haus still geworden , schlich ich aus meiner Kammer und lief durch den Stall hinaus und fort , trieb mich etliche Zeit im Wald herum und ging darnach keck zu einem Sonnenreuther Bauern auf den Kirtaheimgarten ; doch hielt ich mich dorten tapfer und sparte den Trunk . Gegen Abend bedankte ich mich sodann und ging heim , drückte mich , während die Unsern in der Stube sangen und spielten , eilig über die Stiegen hinauf in meine Kammer und ließ mich von dem Tag ab nur selten noch bei den Mahlzeiten sehen . Der Jungfer Kathrein aber ging ich nun noch mehr aus dem Weg wie ehvor und tat , wenn wir uns dennoch trafen , wie ein Fremder gegen sie ; blieb auch den Winter über wie ein Einsiedel in meiner kalten Klausen , während die andern scherzend und lachend in der warmen Stube bei der Kunkel saßen und die Burschen den Maiden mit dem Kienspan zum Spinnen leuchteten und allerhand Fäden knüpften . So kam der Auswärts , das Frühjahr , und der Weidhofer schickte mich wieder , wie ehedem , mit dem Vieh auf die Alm ; denn , meinte er , zur groben Arbeit taugte mein zerschundener Leib doch nicht viel ; womit er auch recht hatte : ich wurde nichts Rechtes mehr seit dem Sturz vom Felsen ; mein Körper blieb unscheinbar , meine Füße waren kurz und stumpficht , meine Arme aber dürr und gar lang . Auch zwickte und riß es mich bald da , bald dort , und ich hatte manchen Tag , an dem ich mich kaum rühren konnte . Ging also mit vieler Freud wieder auf die Berg wie ehvor , hütete das Vieh des Weidhofs und die Kuh samt dem Kalb und den Geißen der Jungfer Kathrein und schnitzelte dabei allerhand Krippenmännlein und Himmelmuttern , bis eines Tages etwas daherkam , das mich wie der gottlos und unbarmherzig Kuckuck aus meinem Nest warf und in eine fremde Welt hinausjagte . Kindlnot und Brautschau Es schickte sich um Laurenzi desselben Jahres , da ich wieder auf der Alm saß , daß unsere Schwaigerin , die Hosennandl , über allerhand Beschwernisse und Gebresten klagte und mit Schmerzen die Zeit herbeisehnte , wo wir wieder heimtreiben durften von der Alm . Und etliche Wochen darnach geschah es , daß es mitten in der Nacht heftig an meine Kammertür klopfte und die Nandl mit Zähnklappern bat , ich solle doch geschwind hinüberlaufen in die Riedleralm , daß die Mariandl käm und ihr beistünd . Ich stand also eilends von meinem Strohsack auf , fuhr in die Hosen und lief , was ich konnte ; denn die Nandl tat so wehleidig und jammerlich , daß mir ganz angst um sie wurde . Pochte also ungestüm an die Fenster und Tür der